Es war eigentlich eine gute Nachricht, als Stadtrat und Plus-Chef Reinhard Fiedler vor einigen Wochen bekannt gab, dass er die Gelder, die Plus zur Ausrichtung der beiden vergangenen „Freisinger Advent“-Weihnachtsmärkte beantragt und auch bekommen hatte, wieder zurückzahlen könne. Fiedler räumte allerdings auch gleich das Versäumnis ein, die Abrechnung habe lange gedauert.
Doch plötzlich geriet Fiedler in die Kritik. Vor allem der ehemalige CSU-Fraktionsvorsitzende Helmut Kratzer nahm den FSM-Mann, der bis zur Abspaltung für die CSU im Stadtrat gesessen hatte, ins Visier: In Leserbriefen und auch bei öffentlichen Veranstaltungen warf Kratzer Fiedler „Finanztricksereien“ und „Unregelmäßigkeiten“ vor, beschuldigte ihn, „sich also jahrelang städtische Subventionen erschlichen“ zu haben, sprach von der „Affäre“ und dem „Fall Fiedler“. Noch vor der Sitzung des Rechnungsprüfungsausschusses gestern legte Kratzer in einem weiteren Brief an das Freisinger Tagblatt nach: „Um die städtischen Steuergelder endgültig einzustreichen,“ habe Fiedler eine „zweigleisige Strategie“ gefahren. Zum einen habe Fiedler laut Kratzer versucht, die Einnahmen „herunterzurechnen“. Kratzer: „Beispiel Glühwein“. „Dem Vernehmen nach“ sei von Fiedler „bei der Position Glühwein zunächst nur ein Bruchteil der beträchtlichen Einnahmen angegeben worden“.
Auf der anderen Seite habe Fiedler versucht, „die Ausgaben in die Höhe zu treiben“. Kratzer: „Beispiel Beratervertrag Stadtrat Oliver Pflüger.“ Dieser Posten „über eine größere Summe“ für Fiedlers „Fraktionskollegen und Busenfreund“ sei „nach städtischen Einwendungen zurückgezogen“ worden. Das alles habe Fiedler gemacht, „um das angestrebte Defizit zu erreichen“.
Das FT hat Fiedler mit diesen Vorwürfen konfrontiert. Der kreuzte daraufhin mit einem Leitz-Ordner in der Redaktion auf. Der Inhalt: Alle dem Rechnungsprüfer Josef Kammerloher und dem Rechnungsprüfungsausschuss vorgelegten Belege und Rechnungen zu den letzten beiden „Freisinger Advent“.
Das Ergebnis zum Thema „Glühwein“: 51 Rechnungen ergeben eine Abnahmemenge von 5535,25 Liter, was knapp 16 500 Tassen entspricht. Ziehe man geschätzte Freigetränke für Personal und Künstler ab, müssten Einnahmen von rund 44 000 Euro erzielt worden sein. Tatsächlich eingenommen habe Plus, wie die Belege ergeben, aber lediglich 40 550 Euro. Den Unterschied erklärt Fiedler mit den Schätzungen der Freigetränke und mit jeweils ein paar Restlitern in den Kanistern, die - wenn der Andrang groß gewesen sei - bereits ausgetauscht worden seien, bevor sie ganz leer gewesen seien. Dass er nur „einen Bruchteil“ der Einnahmen angegeben habe, wie Kratzer behauptet, sei eine „absolut unhaltbare Anschuldigung“.
Die Sachlage zum „Beratervertrag Pflüger“: Der Stadtrat hat beim ersten Weihnachtsmarkt für Organisation und Sponsorensuche tatsächlich ein Honorar von rund 5000 Euro erhalten, das auch unter den Ausgaben aufgelistet ist. Dahinter steht der Vermerk: „wird nicht eingerechnet.“ Diese Notiz sei von Anfang an verzeichnet gewesen, betont Fiedler, weil er geahnt hatte, dass das Berater-Honorar zu einem „Ärgernis“ hätte werden können. Kratzers Behauptung, Fiedler habe diesen Posten „nach städtischen Einwendungen zurückgezogen“, sei falsch, so Fiedler. Die 5000 Euro habe der Verein Plus aus eigener Tasche an Pflüger bezahlt.
Das und alle anderen Belege und Angaben Fiedlers hat der Rechnungsprüfungsausschuss nun also am Dienstag Abend gewürdigt. Das Protokoll wird nun OB Tobias Eschenbacher zugeleitet, der dann das Ergebnis veröffentlichen wird.














