Freising - Nur noch wenige Wochen sind es bis zur Aufführung der "Matthäus-Passion" in St. Georg. Konzentration ist bei den Proben wichtig. Auch relevant: Atmen ist "in Takt 79 verboten".

Der Knabenchor des Camerloher-Gymnasium übt ebenso fleißig wie der Asamchor unter Gunther Brennichs Leitung. lehmann
„Genau. Das muss grooven. So war’s gut.“ Nur noch wenige Wochen, bevor am Samstag, 16. April, in der Pfarrkirche St. Georg Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion aufgeführt wird, spart Gunther Brennich nicht mit Lob. Der Chef des Asamchors steht bei den Proben am Klavier und dirigiert seine Sänger. Und vor allem begeistert er seinen Chor, reißt ihn mit. Das gilt auch für den Knabenchor des Camerloher-Gymnasiums, der ebenfalls fleißig für diese Aufführung übt.
Es ist harte Arbeit, damit zum Schluss alles so sitzt, wie sich das Brennich (und die Zuhörer) wünschen. Dass zeitgleich der Allgäuer Kantatenchor unter Leitung von Brennichs Bruder Jürgen im Voralpenland für das gemeinsame Mammutprojekt übt, macht die Sache nicht einfacher. Denn: Anfang März hat man bisher zum ersten und einzigen Mal gemeinsam geprobt, vom 8. bis 10. April wird man sich nochmals in Leitershofen zum Probenwochenende treffen.
„E-e-eerden - weg!“, trichtert Brennich kürzlich bei den Proben seinem Ensemble ein. „Auf zwei darf es nicht mehr klingen.“ Der Chor ist bei aller Lockerheit und Begeisterung, die Brennich verströmt, hoch konzentriert. Und offensichtlich wissen die Sänger auch, was der Dirigent meint, wenn er davon spricht, man solle den Ton „nicht ansaugen“. Brennich sagt auch klar, wenn ihm etwas nicht gefällt: „Nein, nicht schön genug“, urteilt er über eine Passage des Alt. Und der Sopran muss sich immer wieder vorstellen, dass der „Ton von oben“ kommt. „Es ist nichts nebensächlich“, beteuert Brennich und gibt heiße Tipps, wie man den Ton von Anfang an richtig hinbekommt: „Kussmund“ Hängenlassen, wie ein Fisch“, sagt er. Brennichs Anweisungen tun ihre Wirkung, denn der Chorleiter geht auch mit Lob nicht sparsam um: „Hey, sehr schön im Alt. Perfekt. Das hat richtig Biss gehabt.“
Vor allem aber motiviert Brennich sein Ensemble auch damit, dass er immer wieder betont, wie schwieirig die eine oder andere Passage gerade sei: „Das ist die vielleicht schwerste Stelle im Stück“, tröstet Brennich die Abteilung Alt, „das ist die g’scherteste Stelle für Bass von Bach, die ich kenne“, begründet er, warum die Männer in den hinteren Reihen den „Weltraumakkord“ immer und immer wieder üben müssen.
Derweil macht eine Liste die Runde, auf der sich Fahrgemeinschaften für das Probenwochenende im April in Leitershofen eintragen können. Doch ab und zu müssen sich die Sänger von ihren Stühlen erheben. „Jetzt brauchen wir Power, aufstehen bitte“, sagt der Chef des Asamchors. „Damit der Tenor nicht einschläft.“ Und alle wissen: Jetzt wird’s wirklich ernst. Noch ernster wird es nur, wenn Brennich dazu übergeht, das Tempo zu verlangen, das sein Bruder gerne hätte - „Wahnsinn“, so das allgemeine Urteil.
Aber wer das Ensemble des Asamchors am vergangenen Wochenende gesehen und vor allem auch gehört hat, der braucht sich keine Sorgen zu machen: Die Aufführung des gemeinsamen Großpojekts Matthäus-Passion mit Orchester und namhaften Solisten wird sicherlich ganz großes Kino werden. Denn bis dahin wird der Alt auch noch den „Vokalausgleich“ perfekt hinbekommen und das Ensemble wissen, dass „atmen in Takt 79 verboten ist“.
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