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Marx: Es geht auch ohne dritte Startbahn

Marx: Es geht auch ohne dritte Startbahn

Freising - Erzbischof Reinhard Marx und Alois Glück waren sich einig: Vor einem Gerichtsurteil sollte mit dem Bau der Startbahn nicht begonnen werden. Nur eine von vielen Äußerungen des Duos zu diesem Thema bei einer Podiumsdiskussion gestern auf dem Domberg.

An seiner kritischen Haltung zur dritten Startbahn ließ Kardinal Reinhard Marx in Freising keinen Zweifel. Foto: Lehmann

An seiner kritischen Haltung zur dritten Startbahn ließ Kardinal Reinhard Marx in Freising keinen Zweifel. Foto: Lehmann

- Tausende pilgerten auf den „Mons doctus“ zur Jugendkorbinian 2011. Und während auf dem „Markt der Möglichkeiten“ die Startbahngegner an ihrem Stand Hunderte von Unterschriften für die Massenpetition an den Landtag gegen die Piste im Moos sammelten, trafen im „Roten Saal“ des Kardinal-Döpfner-Hauses unter anderem Reinhard Kardinal Marx, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), der CSU-Politiker Alois Glück, und der Vorsitzende des Diözesanrats, Hans Tremmel, mit rund 200 Wallfahrern zusammen. Eigentlich sollte es um „Kirche 2020 - Guad, dass di gibt!?“, also um die Zukunft der Kirche, gehen. Den Löwenanteil an Zeit nahm aber die dritte Startbahn ein. Weihbischof Bernhard Haßlberger, der in der unabhängigen Stadtzeitung „Biss“ unter dem Titel „Himmel, hilf!“ klar gegen die Startbahn Stellung bezogen hatte, wurde zuvor vom Erzbischof herbeigewunken. Thema der längeren Unterredung: der „Biss“-Artikel.

In der Podiumsdiskussion stellte Marx klar, dass er es nachvollziehen könne, wenn „90 Prozent der Bevölkerung in Freising und Umgebung“ gegen die Startbahn seien. Denn: „Attaching wird verschwinden.“ Und weil solche Bedrohungen schon „eine andere Qualität“ hätten als Wünsche, schneller für 30 Euro nach London fliegen zu können, hätten sich er und die Diözese solidarisch mit den Betroffenen erklärt. Marx wollte deshalb auch nicht ausschließen, dass Pfarreien und Stiftungen, die ihre Grundstücke nicht hergeben, enteignet werden müssten, sollte die Startbahn kommen. Doch wie auch immer der Rechtsstreit ausgehe: „Die verschiedenen Gruppen dürfen sich nicht gegenseitig exkommunizieren!“, forderte Marx. Er selbst müsse viel fliegen - und zwar „zu viel“: „Das nervt mich schon.“

Tremmel hob die Solidarität mit den Menschen in der Region hervor und gab zu, die ökonomischen Vorteile der Startbahn nicht nachvollziehen zu können. Auch Alois Glück gab nicht den glühenden Verfechter des Flughafen-Ausbaus: Glück bemängelte die fehlende Transparenz des Verfahrens, das nach dem Motto „Friss oder stirb!“ abgelaufen sei. In der Sache selbst sei eine Abwägung der Vor- und Nachteile sehr schwierig. Und: Die Kapazitätsprobleme entstünden vor allem aus dem Freizeitverhalten der Menschen. Da müsse „Verkehr teurer werden“.

Viel Applaus erhielt Marx für sein abschließendes Statement: „Es geht nicht darum, dass wir keine Zukunft mehr wollen. Es geht darum, welche Zukunft wir wollen.“ Und er sei sich sicher, „dass wir ökonomisch nicht zugrundegehen werden, wenn wir keine dritte Startbahn bekommen."

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