Freising - „Nicht kritikwürdig“ sei die Arbeit der Behörden im Fall von Müller-Brot, betonte Landrat Michael Schwaiger am Freitag bei einer eilends einberufenen Pressekonferenz. Die versammelten Journalisten sahen das anders. Viele Fragen blieben offen.

Antworten Sie, Herr Landrat! Michael Schwaiger musste sich viele unangenehme Fragen stellen lassen. Foto: leh
Müller-Brot ist schon seit Jahren im Visier der Behörden. Bereits 2009 gab es gravierende Beanstandungen. Die Brotfabrik in Neufahrn bleibt „bis auf Weiteres“ geschlossen.
Mit verschränkten Armen sitzt Landrat Michael
Schwaiger (Freie Wähler) am Freitagnachmittag auf seinem Stuhl im Freisinger Landratsamt. Vor wenigen Stunden hat er eilig zu einer Pressekonferenz geladen. Es sollte aufgeklärt werden über die Missstände in der Neufahrner Großbäckerei Müller-Brot, die vergangenen Montag zu deren Schließung führten. Neben ihm sitzt Andreas Zapf, Präsident des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit – der oberste Lebensmittelkontrolleur Bayerns.
Doch wie schon an den Tagen zuvor gelangen neue Details zu dem Skandal bei Müller-Brot nur zaghaft an die Öffentlichkeit. Eines der wichtigsten, nämlich die Art der Schädlinge und die Form der Verschmutzung, erst Stunden nach der Konferenz. Wie unsere Zeitung erfuhr, handelt es sich dabei um Käfer, Schaben, Motten und Mäusekot. Das Unternehmen äußerte sich am Freitag nicht zu den Vorwürfen. Auf seiner Homepage ist weiterhin nur die Rede von „mechanischen Verunreinigungen“.
Im Mai 2010 versuchten die Behörden dann zum ersten Mal, die Notbremse zu ziehen. Dazu wurde die Staatsanwaltschaft Landshut informiert. Die ermittelt derzeit gegen fünf Müller-Mitarbeiter wegen Verstößen gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz. „Wir können bislang nicht ausschließen, dass Ware in den Verkehr gelangte, die nicht zum menschlichen Verzehr geeignet war“, sagt Oberstaatsanwalt Markus Kring. Auch der Ungeziefer-Befall ist dem Staatsanwalt damals schon bekannt gewesen. Allerdings sei „die Vorstellung utopisch, dass es in Bäckereien überhaupt keine Schädlinge gebe“. Kring stützt sich bei seinen Ermittlungen auf Fotos und Dokumente, die ihm die Lebensmittelkontrolleure liefern. Wie lange noch ermittelt wird, sei nicht abzuschätzen.
Doch warum wurden die Konsumenten darüber nicht informiert? Kring sagt, es bestand keine Gefahr für die Gesundheit der Menschen. Es lag deshalb nicht in seiner Verantwortung, die Öffentlichkeit zu unterrichten.
Landrat Michael Schwaiger wusste ebenfalls über den massiven Ungeziefer-Befall und Verunreinigungen bei Müller-Brot Bescheid. Wenn auch über Umwege. Denn die Lebensmittelkontrolleure haben im Falle einer so gravierenden Beanstandung eine Doppelfunktion. Sie berichten direkt an den Staatsanwalt, „eine Anzeige geht nicht über den Tisch des Landrats“, sagte Ingo Schwarz, verantwortlich für die Lebensmittelüberwachung im Landratsamt. Ein Bericht darüber sei dem Landrat aber zugestellt worden. Nach wie vor bleiben Fragen offen. Nach Aussage von Andreas Schwarz fand das LGL bei Müller-Brot bereits am 19. Dezember Zustände vor, die eine Stilllegung der Großbäckerei nahelegten. Dennoch entschieden sich die Behörden erst am 30. Januar 2012, Müller-Brot zu schließen. Warum das aber 30 Tage dauerte, bleibt unklar. Geklärt ist immerhin, dass die Schließung der Fabrik nicht so freiwillig geschah, wie Müller das bislang mitteilte. „Wir haben ihnen gesagt, wenn sie nicht von sich aus Maßnahmen ergreifen, tun wir das“, sagte Landrat Schwaiger.
Gestern erreichte der Skandal den Landtag. „Wie viele Jahre bedarf es, um die Mängel bei der Lebensmittelüberwachung in Bayern bewusst zu machen?“, empörte sich Horst Arnold, Verbrauchersprecher der SPD-Landtagsfraktion. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten forderte, die Geschäftsführung von Müller-Brot unverzüglich auszuwechseln.
Am Freitagabend entschied das Landratsamt, dass das Unternehmen weiterhin geschlossen bleibt. „Die Reinigungsarbeiten sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausreichend, um dem Anspruch auf hygienisch einwandfreie Herstellung von Lebensmitteln zu genügen“, hieß es in einer Mitteilung.
Patrick Wehner

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