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    • 25.02.13
    • Fürstenfeldbruck
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Rechtsstreit um Arbeitszeiten

"Moderne Sklaverei" bei Coca Cola in Bruck?

Fürstenfeldbruck - Wer Coca Cola trinkt, hat Spaß am Leben - sagt die Werbung. Doch das Arbeitsklima im Brucker Werk des Getränkeriesen ist derzeit nicht gerade prickelnd.

Kann man Lebensgefühl trinken? Manchem Mitarbeiter ist der Durst auf Cola vergangen. symbolfoto: tb

Kann man Lebensgefühl trinken? Manchem Mitarbeiter ist der Durst auf Cola vergangen. symbolfoto: tb

Coca Cola trinkt Harald Maier (Name geändert) schon lange nicht mehr. „Das ist Zuckerbrause“, sagt er. „Ich trinke nur noch Wasser.“ Er ist mittleren Alters und arbeitet seit Jahrzehnten für den Getränkekonzern in Fürstenfeldbruck. „Früher“, erzählt er, „bin ich gerne zur Arbeit gegangen. Ich war mit Überzeugung dabei.“ Daran habe sich jedoch einiges geändert, seit Coca Cola vor einigen Jahren zur Aktiengesellschaft wurde.

„Mittlerweile sind alle nur noch auf Gewinn aus“, erzählt Maier. „Wir müssen jeden Morgen antreten und uns für schlechte Zahlen rechtfertigen.“ Seit einiger Zeit hängt nun auch noch ein so genannter Einigungsstellenspruch im Werk in Bruck aus. „Das ist moderne Sklaverei, was Coca Cola mit uns macht.“

Normalerweise wird ein solcher Spruch zwischen Arbeitgeber und Arbeinehmer geschlossen. In Bruck war die Arbeitnehmervertretung allerdings nicht daran beteiligt. Das bemängelt Harald Maier vor allem. Der Spruch beinhaltet etwa, dass die Mitarbeiter an bis zu 15 Samstagen im Jahr arbeiten müssen. „Ausgemacht waren einmal fünf.“ Doch dann sei der Betriebsrat gekommen und habe diese Regelung einfach erweitert.“ Auf die Arbeitnehmervertretung ist der Arbeitnehmer deshalb nicht mehr allzu gut zu sprechen.

Hans Hörmann ist Betriebsratsvorsitzender bei Coca Cola in Bruck. Für ihn war der jüngste Einigungsstellenspruch nicht verhandelbar. „Wir haben die Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite abgebrochen“, sagt er. „Denn die waren nicht tarifkonform.“ Im Einigungsstellenspruch hätten Tariflösungen beschlossen werden sollen, die eigentlich schon längst vom Tisch gewesen seien, sagt er. Nun ist der Betriebsrat rechtlich gegen den Spruch vorgegangen. Das Verfahren läuft.

Gültig sind die Inhalte des Spruchs trotzdem. „Obgleich wir nicht daran beteiligt waren“, sagt Hörmann. „So lange der Spruch nicht ersetzt wird, kann er umgesetzt werden.“ Das bestätigt Geert Harzmann, Sprecher von Coca Cola Deutschland.

In dem Papier steht auch, dass die wöchentliche Arbeitszeit auf bis zu 50 Stunden ausgedehnt werden kann. Harald Maier arbeitet im Dreischichtbetrieb: also Früh-, Tages- und Nachtschicht. Oft erfährt er ganz kurzfristig, ob er am Wochenende Sonderschichten machen muss, also zum Beispiel die Nachtschicht von Freitag auf Samstag.

„Manchmal geht das einfach nicht“, sagt Maier, der Kinder und eine Familie hat. „Mit denen wäre ich auch gerne mal am Wochenende zusammen. Wenn ich das aber anspreche, wird uns gedroht, dass wir an unsere Arbeitsplätze denken sollen.“

Dass Arbeitszeiteinteilungen manchmal flexibel sein müssen, steht für den Betriebsratsvorsitzenden Hans Hörmann außer Frage. „Coca Cola ist ein Produktionsbetrieb, da ist das ganz normal.“ Allerdings dürfe der Arbeitgeber nicht über die Freizeit seiner Arbeitnehmer bestimmen. Hörmann betont auch, dass das Coca-Cola-Werk in Bruck den Spruch nicht eins zu eins umsetzt. Er hofft auf eine baldige Einigung mit dem Arbeitgeber. „Denn man muss sich ja am Ende des Tages immer noch in die Augen schauen können.“

Harald Maier hat trotzdem Angst, dass er irgendwann seine Stelle verliert. „Coca Cola fordert immer mehr von uns.“ Bei einem Warnstreik im Januar ging es nicht um Arbeitszeiten, sondern um sechs Prozent mehr Lohn. Rund 270 Mitarbeiter haben damals bei Coca Cola Bruck demonstriert. Harald Maier war mit dabei. Einen anderen Job will er sich aber trotz allem nicht suchen. „Das sitze ich aus.“

Patricia Kämpf

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