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In der Richard-Higgins-Grundschule ist am Montag in der Früh die Heizung ausgefallen.

Eiskalt erwischt: Schule hat heizungsfrei

Fürstenfeldbruck - In der Schule West ist am Montag die Heizung ausgefallen. Alle Schüler mussten heimgeschickt werden. Bis die Eltern jedoch ihre Kinder abholten, durften diese zwischen Fußbällen und Kletterwand lernen. Denn die Turnhalle war der einzige warme Raum.

Gestern in der Früh war die Heizung im Schulgebäude ausgefallen. „Wir haben es gegen 7.30 Uhr bemerkt“, sagt Schulleiterin Tanja Stock gestern auf Tagblatt-Anfrage. Kurz darauf sei jemand von den Stadtwerken vorbeigekommen. „Die Heizung wurde dann sofort von automatisch auf Handschaltung umgestellt.“

In den Klassenzimmern war es zu diesem Zeitpunkt aber vor allem eines: kalt. Ungemütliche zwölf bis 14 Grad zeigte das Thermometer lediglich an. Die Öfen heizten nach und nach zwar auf – zum Unterrichten reichte das aber nicht. „Das wollten wir den Kindern nicht zumuten“, sagte Tanja Stock. „Denn wenn man so lange in kalten Räumen sitzt, kühlt man richtig aus.“ Nach Rücksprache mit dem Schulamt entschloss sich die Schulleiterin dazu, die Mädchen und Buben wieder nach Hause zu schicken.

Das bedeutete dann vor allem eines: Tanja Stock musste die Eltern von 378 Kindern informieren. Alleine war ihr das kaum möglich. „Aber ich hatte jede Menge Unterstützung“, sagt sie. „Einige Kollegen haben mir beim Telefonieren geholfen und auch ein paar Klassenelternsprecher haben zum Hörer gegriffen.“

Und auch die Eltern haben mitgeholfen. Julia Tesch zum Beispiel ist gleich zweimal an die Schule gefahren. Zuerst hat sie ihre Tochter Lia und deren Schulfreund Leo abgeholt. Und dann kam sie noch einmal für Sophie, die Tochter einer Freundin. Gestört hat sie das nicht. „Ich hatte frei“, sagte sie. „Und so kalt war es ja gar nicht.“

Hismet Rexhepi ist trotzdem der Meinung, dass sich die Schule gegen einen solchen Vorfall hätte wappnen müssen. „Schließlich zahlt man für so etwas auch Steuern“, sagt er. Seine Tochter Vanesa hatte Glück, dass ihr Papa erst später zur Arbeit musste. „Sonst hätte sie bis 13 Uhr warten müssen.“

Tanja Felders Sohn Ricardo hat kaum gefroren in den Klassenräumen. „Es war zwar kalt“, sagte er. „Aber Mütze und Schal haben wir nicht angelassen.“ Seine Mama musste die Arbeit ein bisschen früher verlassen, um Ricardo abholen zu können. Schlimm fand sie das nicht. „Bei mir daheim ist ja auch schon mal die Heizung ausgefallen.“

Schulleiterin Tanja Stock freute sich darüber, dass die Eltern so schnell auf die Situation reagiert haben. „Deswegen hat alles ganz reibungslos funktioniert.“ Die Mädchen und Buben, die nicht gleich wieder nach Hause gehen konnten, wurden beschäftigt. „Ein paar haben dann zum Beispiel in der Turnhalle ein bisschen Deutsch und Mathe besprochen. Aber richtiger Unterricht hat natürlich nicht stattgefunden.“ In einigen Fällen war das auch gar nicht möglich: In manchen Klassen waren nur noch zwei Kinder im Schulhaus, alle anderen bereits abgeholt. Doch die Schule löste auch dieses Problem und legte einfach mehrere Klassen zusammen. Gegen 10.30 Uhr hatte auch Tanja Stock ihr Ziel beinahe erreicht und fast alle Familien durchtelefoniert.

Die Mittagsbetreuung stellte sich ebenfalls auf den Zwischenfall ein: Die Kinder, die nach der Schule den Hort besuchen, konnten schon früher hinübergehen. „Gestern war also alles ein bisschen anders“, sagt Schulleiterin Stock. „Aber ab heute sollte alles wieder normal sein.“ Die Stadtwerke kümmern sich derzeit darum, die Störung zu beheben. „Wir schicken eine Programmierungsfirma in die Schule“, sagt Gabriele Baali von den Stadtwerken. Wann das Problem genau behoben sein wird, konnte sie gestern noch nicht sagen. „Aber die Heizung läuft dank der Handsteuerung. Der Schulbetrieb kann ganz normal weitergehen."

Patricia Kämpf und Adrian Steinbeck

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