Garching - Nicht nur zu Ostern lieben sie die Hasen - so mancher beschäftigt sich das ganze Jahr über mit den Löffelohren. Die Kaninchen-Züchter aus Dirnismaning betreiben ihr Hobby aus Leidenschaft. Und kennen alle Seiten des Zucht-Geschäfts.

Josef Gerum mit einem Lohkaninchen schwarz auf dem Schoß. Foto: Michalek
„Was ist der Unterschied zwischen einem Hasen und einem Kaninchen?“ Karl-Heinz Dachgruber (69) stellt diese Frage mit lausbübisch hochgezogenen Augenbrauen. Sein Freund Josef Gerum (72), nur „der Gerum“ genannt, hockt derweil neben ihm auf einer ausgesessenen Eckbank und raucht eine Zigarette. „Kaninchen kommen nackt und blind zur Welt“, sagt Dachgruber wenig später im Dialekt in den Raum, „Hasen haben Fell und offene Augen.“ Ein wichtiger Unterschied sei das, betonen beide wie im Gleichklang. „Wir haben hier keine Hasen!“
Stimmt. Dafür aber Kaninchen. Und eine ganze Riege von Züchtern. 18 Parzellen fasst das Gelände des Kaninchenzuchtvereins B1 München-Dirnismaning. Jede von ihnen macht den Anschein, als könne sie auch Teil eines Kleingartenvereins sein. Bunte Gartenhäuschen stehen dort in Reih und Glied. In den anliegenden Schuppen warten die Kaninchen auf ihr Futter. Das Ganze wirkt wie eine kleine Kolonie. Idyllisch. Ein wahres Biotop für die Züchter des Vereins. Unter ihnen eine 92-jährige Frau, die noch immer an Ausstellungen teilnimmt. Und sogar ein deutscher Vogelzucht-Meister ist dabei. Freilich hat er auch Kaninchen - Pflicht im B 1.
Eine lauschige Geschichte bis dato. Aber nicht alles ist gülden im Land der Kaninchen-Freunde. Ein Aspekt, der sowohl Gerum als auch Dachgruber ein wenig ratlos stimmt, ist der fehlende Nachwuchs. 40 Jugendliche im Alter von sechs bis 16 Jahren gibt es - in ganz München.
Eine eigene Jugendgruppe hat der Verein schon lange nicht mehr. „Vor allem die Madln springen so mit 14 Jahren ab“, murrt der Gerum, und Dachgruber setzt mit Blick auf das benachbarte Gestüt hinzu: „Die Pferdefreunde haben aber Zuwachs. Da müssen die Kinder halt nicht arbeiten, nur reiten. Bei uns hättens Arbeit.“
Dennoch kommen immer wieder Eltern mit ihren Kindern zum Vereinsgelände, um sich die Kaninchen anzuschauen oder eines zu kaufen. Gerade an den Ostertagen. „Manchmal“, erzählt Dachgruber, „verschenke ich auch eines.“ Aber nur dann, versteht sich, wenn die kleinen Interessenten Verantwortung zeigen. Einmal musste er das Gegenteil erleben. Kinder verfütterten Maiglöckchen an einige seiner Tiere. „Den Rest kann man sich ja denken“, sagt Dachgruber, ohne das Sterben der Tiere eigens zu nennen.
Ein trauriger Einzelfall, der das Vereinsleben im B1 aber nicht wirklich trübt. Stolz zeigen Gerum und Dachgruber die Veranstaltugsräume mit Küche und Ausschank. Dann den Ausstellungspavillon, der rund 500 Käfigen Platz bietet. Über einer gesonderten Abteilung hängt ein einsames Schild mit der Aufschrift „Jugend“. Und es ist Dachgruber, der mit aller Zuversicht berichtet, bei der letzten großen Ausstellung seien keine fünf Stallungen der Jugend-Abteilung leer gewesen.
Überhaupt ist er der gesprächigere der beiden Züchter. Gerum, der Vorsitzende, hält sich bescheiden zurück, redet kaum über Persönliches. Erst spät, in seinem Gartenabteil, spricht er von der „Liebe zum Tier“, von den entspannten Stunden, die seine elf Lohkaninchen ihm bereiten. Den ganzen Sommer über verbringe er in seinem Gartenhaus, wohne beinahe dort. Dachgröber verbessert: „Der ist auch im Winter da.“ Dass Gerum für sein Hobby lebt, wird erst am Ende des Gesprächs klar. Ob er denn schonmal daran gedacht habe, mit dem Züchten aufzuhören. „Solange ich krabbeln kann, höre ich nicht auf.“ Von Marcus Mäckler
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