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OK-Chef sieht 2023 als realistisches Ziel für alpine Weltmeisterschaften an – Aber: „Brauchen mehr Wir-Gefühl“

Fischer fordert neue WM-Bewerbung

Garmisch-Partenkirchen – Der Mensch braucht Ziele. Keine Frage. Eine Gemeinde nicht minder. Denn Stillstand kann sich eine touristische Region wie das Werdenfelser Land nicht leisten.

Gerade nicht nach einer gescheiterten Olympia-Kandidatur. Es geht vielmehr darum, im Wettstreit gute Karten zu halten. Ein Trumpf für Garmisch-Partenkirchen wäre in den Augen von Peter Fischer eine weitere Ski-Weltmeisterschaft. „Wir müssen uns zeitnah wieder bewerben“, fordert der Chef-Organisator der WM 2011. „Das ist absolut notwendig. Sonst fallen wir infrastrukturell wieder in ein Loch wie nach 1978.“

Zeitnah, das bedeutet für Fischer eine Spanne von zehn bis zwölf Jahren. „Ich denke, zwölf wären ideal. Damit wären wir bei 2023.“ Früher kann er sich einen Zuschlag nicht vorstellen. „Dafür gibt es einfach zu starke Bewerber.“ Den Schweizer Nobel-Skiort St. Moritz (zuletzt 2003) und Are in Schweden (2009) hat er für die kommenden Titelkämpfe auf der Rechnung. Erst danach mache es Sinn, wieder in den Ring zu steigen.

Dass die Chancen gut sind, noch einmal vom Weltverband FIS mit der Ausrichtung beauftragt zu werden, steht für Fischer fest. „Die WM 2011 war eine gute Werbung. Und Garmisch-Partenkirchen ist sicher jetzt ein anderer Ort als vor der WM, viel selbstbewusster.“ Doch müsse auch ein Umdenken bei gewissen Entscheidungsträgern stattfinden. „Eines ist klar: Es geht nur gemeinsam. Wir müssen den Anspruch haben, zu den Besten zu gehören. Und das funktioniert nur, wenn alle an einem Strang ziehen.“ Worauf der OK-Chef abzielt, ist nicht schwer abzuleiten. Drei große Partner gibt es in Hinblick auf die Austragung von Weltcup- oder WM-Rennen in Garmisch-Partenkirchen: Fischers Skiclub, die Gemeinde und die Zugspitzbahn AG. „Mit der Gemeinde arbeiten wir sehr gut zusammen und von der Struktur her haben wir ja auch eine hervorragende Bergbahn“, urteilt Fischer vorsichtig. „Man müsste sich an einen Tisch hocken und ausloten, ob man das Projekt miteinander angeht. Wir brauchen mehr Wir-Gefühl.“

Auch sollte sich der Markt positionieren. Denn: „Eine Bewerbung ist eine politische Entscheidung. Sollte die Diskussion angestoßen werden, ob der Ort überhaupt noch Wintersport braucht, dann ist die ganze Sache hinfällig.“ Und laut Fischer drängt die Zeit für ein Votum fast schon wieder. „Im Fall von 2023 wäre die Vergabe fünf Jahre vorher, also 2018. Man muss aber damit rechnen, dass man die WM nicht beim ersten Mal bekommt, also 2016. So lange ist das nicht mehr.“

Eine Rolle in der WM-Frage spielt freilich auch der Deutsche Skiverband, der ebenfalls für einen neuerlichen WM-Ort Garmisch-Partenkirchen stimmen müsste. „Der DSV sollte 100-prozentig überzeugt sein, was er momentan sicher nicht ist.“

Umso wichtiger ist es für Fischer und sein Team, perfekte Arbeit bei den Weltcups zu leisten. „Wir haben einen hohen Status bei der FIS, aber wir müssen uns trotzdem immer aufs Neue beweisen“, stellt er klar. „Wenn etwas nicht klappt, dann bekommen wir es danach auch im Bericht zu hören.“ Grundsätzlich sieht er die vergangene WM als ideale Vorlage für einen neuen Anlauf. „Es könnte leichter sein beim nächsten Mal, den Zuschlag zu kriegen. Denn die FIS weiß, dass es bei uns klappt, wenn die Menschen dahinter annähernd die gleichen sind.“ Und er verrät noch eines: „Der Gedanke, sich noch einmal zu bewerben, ist ja auch von Seiten der FIS selbst gekommen.“

Ob der 58-Jährige dann noch einmal bereit ist, sich an die Spitze der Organisation zu stellen, „das lasse ich mal offen. Da müssten schon viele Begleitumstände positiv sein“. Zwar arbeite er gerne und viel, doch müsse es auch ein Ziel sein, für das es sich lohne, sich zu engagieren. „Vor allem meine Mannschaft, die seit über zehn Jahren einem Wahnsinnigen folgt, muss mitspielen.“

Der Mensch braucht Ziele. Ob eine WM 2023 noch eines für Peter Fischer darstellt, das hat er mit sich selbst noch nicht ausgemacht. Fest steht für ihn nur: Für Garmisch-Partenkirchen dürfe sich diese Frage gar nicht stellen.

Christian Fellner

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