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Duft aus Garmisch-Partenkirchen wird Verkaufshit

Garmisch-Partenkirchen - Zitrone, Gewürze und Zedernholz: Garmisch-Partenkirchen hat jetzt seinen eigenen Duft - als erster Ort in Deutschland. Schon jetzt sind die Flacons ein Verkaufsschlager.

© Tokarski

Gefühlstransporter: Nach einem „Inspirationsbesuch“ kreierte Jimmy Boyd aus über 100 Zutaten den „GaPa-Duft“

Erstmal ist es nur Zitrone. Ziemlich stark und schwer. Dann, langsam, weicht sie einer leichten, angenehmen Frische. Zedernholz und Gewürze machen sich bemerkbar. So riecht Garmisch-Partenkirchen. Es ist deutschlandweit der erste Ort mit eigenem Duft. Eine Nase voll Urlaub, schön verpackt in kleinen Flacons.

Der Duft von Garmisch-Partenkirchen ist eigentlich ein spanisches Produkt. Kreiert hat ihn Jimmy Boyd, Parfumeur aus Barcelona. Er gab bereits etlichen Städten seines Heimatlandes die eigene Note. San Sebastian, Bilbao, Malaga, sie alle tragen Boyds duftende Handschrift. Ebenso wie Kitzbühel. Und jetzt Garmisch-Partenkirchen.

Zweimal war der 65-Jährige im Ort, um herauszufinden, wie die Marktgemeinde riecht. Er wollte wissen, was die Menschen dort auszeichnet, was den Charakter des Ortes ausmacht. „Dieser Charakter muss in einen Duft übersetzt werden“, erklärt der Parfumeur. Aber es geht um mehr, um Erinnerungen, um Emotionen: „Letztlich ist ein Duft immer ein Gefühl.“ Er muss die Menschen berühren.

Parfum und Raumduft zugleich

Bei seinem Inspirationsbesuch war Boyd schnell klar, dass Garmisch-Partenkirchen für drei Begriffe steht – Sport, Natur und Tradition. Dann übersetzte er. Zitrone gibt den sportlichen Geist wieder, Gewürze die Naturverbundenheit und Zedernholz schließlich die Liebe zur Tradition. Der „GaPa-Duft“ war geboren. „Für ein Parfum brauch’ ich aber insgesamt über 100 Zutaten“, fügt Boyd hinzu.

Besonders anspruchsvoll machte seine Arbeit das gewünschte Eregbnis. Es sollte ein „Body and Space“-Duft entstehen, Parfum und Raumduft zugleich. Er schuf vier verschiedene Variationen und ließ dann die Menschen im Ort entscheiden. Vertreter aus Hotellerie, Einzelhandel und Tourismus haben gewählt. „Alle waren sich einig“, erzählt Stefanie Vogel. Sie ist seitens Garmisch-Partenkirchen Tourismus für den Duft verantwortlich. Nur sie selbst hätte eine andere Variante gewählt. Aber die Mehrheit entscheidet. „Wir haben unsere Büros der Reihe nach eingesprüht, den Duft wirken lassen und sind dann von Raum zu Raum gegangen.“ Ausschlaggebend war der Wohlfühlfaktor, das Gefühl – was sonst. Und genau das sollen die Touristen mit nach Hause nehmen.

"Im Urlaub rieche ich meine Heimat"

„Man macht den Flacon auf und ist wieder in Garmisch-Partenkirchen“, verdeutlicht Stephan Weber. Er vermarktet Boyds Produkte und ist einer der Ideengeber für den neuen Duft. Das Urlaubsgefühl für zuhause. Oder umgekehrt. „Wenn ich den Duft mit in den Urlaub nehme, rieche ich meine Heimat“, sagt Weber. Die Variante für Einheimische. Ein Duft für jeden.

Ein Geruch ruft Assoziationen hervor, eher und schneller als Bilder und Töne. „Von den fünf Sinnen hat der Geruchssinn die längste Merkfähigkeit“, erläutert Petra Jung von der Jung Agentur für Kommunikation und Werbung in München. Sie brachte den Duft zusammen mit Weber nach Garmisch-Partenkirchen. Wer einmal einen Geruch mit einem Ort, mit einem Gefühl verbindet, bekommt ihn nicht mehr so schnell aus der Nase.

300 kleine und 100 große Flacons sind bereits verkauft

Die Idee geht auf. Ob als kleine Aufmerksamkeit beim Kaffeekränzchen mit der Nachbarin oder als Mitbringsel aus dem Urlaub, der Duft kommt an. „Vor allem Herren, die hier zur Tagung sind, nehmen oft einen Flacon als Geschenk für ihre Frauen mit“, stellt Elisabeth Brück fest. Bei ihr im GaPa-Shop des Tourismusbüros gehen die Flaschen über die Theke. Und die Männer testen ihn vorher selbst.

Interessant ist die Wahrnehmung der Kunden. „Viele Frauen meinten zunächt, es sei ein Herrenduft – und umgekehrt“, schildert Brück ihre Erfahrungen. Die Männer behalten Recht. Und Riechen verbindet. „Über den Duft komme ich mit den Leuten viel persönlicher ins Gespräch, als wenn ich ein T-Shirt verkaufe.“ Ein Duft ist persönlich – und transportiert Gefühle.

Insgesamt hat sie bereits rund 300 kleine und 100 große Flacons verkauft. Vor allem im Weihnachtsgeschäft war der Duft beliebt. „Innerhalb von vier Wochen waren die Flacons weg“, erzählt Brück. Die Erstauflage lag bei 1000 Flaschen à 60 Milliliter und rund 220 à 200 Milliliter. Viele Läden bieten den Duft an. In zahlreichen Hotels begrüßt der Geruch Garmisch-Partenkirchens die Touristen in jedem Raum – und verabschiedet sie. Mit einem Urlaubsgefühl in der Nase.

Von Janine Tokarski

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