Garmisch-Partenkirchen - Der Erkundungsstollen für die Garmischer Ortsumfahrung wird nicht wie geplant fertiggestellt. Lockergestein und Wasserprobleme machen einen Durchbruch unmöglich.

© Thomas Sehr
Der Erkundungsstollen für den Kramertunnel kann nicht durchbrochen werden.
Die Wut der Naturschützer in Sachen Garmischer Ortsumfahrung kocht wieder hoch. Von „bewusst wahrheitswidrig abgestrittenen“ Situationen, „grundfalschen“ Annahmen und „fatalen Fehleinschätzungen“ spricht Andreas Keller, Zweiter Vorsitzender der Kreisgruppe Garmisch-Partenkirchen im Bund Naturschutz (BN).
Wieder geht es um die 3,6 Kilometer lange Trasse des Kramertunnels, der den stark frequentierten Ortsteil Garmisch eigentlich entlasten soll. Nachdem die Naturschützer vor Gericht mit einer Klage gegen den Verlauf gescheitert waren, hat nun der Baustopp auf der letztlich angestrebten Trasse im Norden für Aufruhr gesorgt. Denn dort sind die Arbeiten „bis auf weiteres“ eingestellt, bestätigt der Leiter des Staatlichen Bauamts Weilheim, Günther Grafwallner.
Nach 575 Meter Vortrieb waren die Arbeiter auf Lockergestein gestoßen, die einen Vortrieb mit Sprengungen unmöglich machen. Außerdem steht über dem Gestein mindestens 40 Meter das Grundwasser. Die Gefahr, dass durch weitere Arbeiten Geröll in Bewegung gerät und Wasser eintritt, ist laut Grafwallner zu hoch. Die Maschinen stehen im Norden still, im Süden hingegen wird so lange gearbeitet, bis die Mineure ebenfalls auf Lockergestein stoßen. Grafwallner geht davon aus, dass 200 Meter zwischen beiden Enden übrig bleiben. Einen Durchbruch wird es vorerst nicht geben. Der ist erst geplant, wenn der Bund die Mittel für die Hauptröhre freigibt. Ob und wann dies der Fall ist, bleibt unklar.
Das kann auch Grafwallner nicht ausschließen. Er dementiert, dass das Verfahren zur Erlaubnis eingeleitet wurde, wie vom BN behauptet. „Es laufen lediglich Untersuchungen.“ Die Probleme sind für die Naturschützer Wasser auf ihre Mühlen. Denn sie sehen sich in der jetzigen Situation bestätigt: Dass die vom BN vorgeschlagene und vor Gericht gescheiterte Tunnelführung die bessere Variante gewesen wäre. Keller glaubt, dass „eine komplettere Fehleinschätzung der Grundwasserverhältnisse nicht denkbar ist und an Realitätsverlust grenzt“.
Janine Tokarski
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