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Eiseskälte bei König-Ludwig-Lauf in Oberammergau: Acht Teilnehmer mit Erfrierungen im Krankenhaus

Mann stirbt bei König-Ludwig-Lauf

Oberammergau - Nachdem am Samstag bereits mehrere Teilnehmer des König-Ludwig-Langlauf mit Erfrierungen ins Krankenhaus eingeliefert wurden, kam am Sonntagvormittag sogar ein Mann ums Leben.

© Ludwig Hutter

Ein Großaufgebot von Rettungskräften war in Oberammergau im Einsatz, um die Patienten zu versorgen.

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Der 13. Juli 2008 – der Tag, der eine Diskussion im Sport neu in Gang setzte. Wie weit geht die Eigenverantwortung eines Athleten, und wann muss die Fürsorgepflicht eines Veranstalters greifen? Beim Zugspitzlauf sterben zwei Teilnehmer nach massiver Unterkühlung an Herzversagen. Am Wochenende hat sich nun auch ein dunkler Schatten auf den König-Ludwig-Langlauf in Oberammergau gelegt: In der 40-jährigen Geschichte der Traditionsveranstaltung gibt es das erste Todesopfer.

Toivo Harju aus Schweden bricht gestern etwa 400 Meter nach dem Start des Hauptrennens über 50 Kilometer klassisch in Ettal zusammen. Sofort versuchen herbeigeeilte Einsatzkräfte des BRK, den 74-Jährigen wiederzubeleben. Er wird ins Kreisklinikum gebracht, die Kunst der Ärzte kann ihn nicht mehr retten. Seine rund 100-köpfige Reisegruppe, die eigens zum Ludwigslauf angereist war, muss ohne den passionierten Langläufer die Heimfahrt antreten. Welche Tragik!

Der Zwischenfall lässt erneut die Frage aufkeimen, ob nicht auch die extreme Kälte – zum Zeitpunkt des Starts gestern herrschten minus 20 Grad – ursächlich war für den Tod des Schweden? Dazu hieß es gestern von Seiten des Veranstalters, „dass nach unseren, aber noch nicht bestätigten Erkenntnissen eine entsprechende Vorerkrankung des Herz-Kreislaufsystems bestand“. Das Organisationskomitee (OK) empfinde „ein tiefes Mitgefühl für die Familie“.

Im Dauereinsatz waren die Rettungskräfte des Roten Kreuzes bereits am Samstag gewesen, als die Temperaturen zum Startzeitpunkt noch bei minus 24 Grad lagen. Die Kälte machte immer mehr Läufern zu schaffen: 36 mussten wegen Erfrierungen und Erschöpfungszuständen von den Sanitätern behandelt, sechs mit Rettungswagen oder Hubschrauber ins Klinikum gebracht werden. Bei zwei Teilnehmern soll der Zustand lebensbedrohlich gewesen sein. Aufgrund dieser Vorkommnisse verstärkten der Veranstalter und das BRK die Bemühungen gestern: Mehrmalige Lautsprecherdurchsagen am Start wiesen die Langläufer auf die niedrigen Temperaturen und Maßnahmen gegen die Kälte hin. Außerdem wurden Busse eingesetzt, in denen sich die Teilnehmer vor dem Start aufwärmen konnten. Auch erhöhte das Rote Kreuz seine Personalstärke: Von 53 Kräften am Samstag auf 68 am Sonntag, zusätzlich waren vier Ärzte vor Ort, in der Turnhalle wurde eine feste Betreuungsstelle eingerichtet. Am Ende mussten gestern 25 Personen von Sanitätern versorgt werden, drei kamen ins Krankenhaus, so die Angaben von BRK-Einsatzleiter Andreas Geuther.

Ansätzen von Kritik von außen (nicht von Läufern), dass das OK angesichts der zweistelligen Minusgrade nicht hätte starten sollen, hielt der Zweite Vorsitzende des König-Ludwig-Lauf-Vereins, Peter Papistock, entgegen: „Eine generelle gesundheitliche Gefährdung der Läufer war nicht gegeben. Obwohl einige die tiefen Temperaturen sicher unterschätzt haben.“ Bestärkt wurde Papistock in dieser Einschätzung auch von Uros Ponikvar aus Slowenien, Technischer Delegierter der FIS in Oberammergau: „Langlaufen ist nun einmal ein Outdoor-Sport. Aus Sicht der Jury hat der Veranstalter alles getan für die Sicherheit und Gesundheit der Läufer. Die Veranstaltung war durchführbar.“ Auch gemäß der offiziellen FIS-Regularien: Die Internationale Skiwettkampfordnung besagt: „Wenn die Temperatur auf dem größeren Teil der Strecke unter minus 25 Grad Celsius ist, muss der Wettkampf abgesagt oder verschoben werden.“

Der Veranstalter des Zugspitzlaufes ist nach einem viel beachteten Prozess Ende 2009 vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung freigesprochen worden. Der Richter am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen entschied, die Starter hätten sich „eigenverantwortlich selbst gefährdet“.

Ludwig Hutter

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