Menschen mit Visionen: (v. l.) Bernd Kroeker („Lebensquell Ammertal“) zusammen mit Agnes Schuster (Tempelhof in Franken), Saro Gerd Rattner (Aktiv-Hof Schlehdorf) und Leo Frühschütz („Leben im Lauter“). Foto: Wilz

Eine neue Form des Miteinanders

Riedhausen - Die Vision vom Zusammenleben verschiedener Menschen aller Altersklassen, die sich gegenseitig helfen und sowohl Wohn- als auch Lebensraum miteinander teilen, findet immer mehr Anhänger.

So kamen bei der Veranstaltung mit dem Titel „Leben in Gemeinschaft“ rund 100 Interessierte in die Riedhauser Westtorhalle, wo sich die vier Organisationen vorstellten, die im Oberland bereits Gemeinschaftsprojekte betreiben oder noch gründen wollen.

Obwohl diese in ihren Strukturen teilweise unterschiedlich sind, eint sie das zentrale Thema Miteinander - was in Form von gegenseitigem Austausch zugleich Ziel des Abends war. Neben der Ohlstädter Maro-Genossenschaft, die sich derzeit auf die Errichtung zweier Demenz-WG's in Weilheim konzentriert, zählt der Aktiv-Hof Schlehdorf zu den ältesten Gemeinschaftsprojekten in der Umgebung.

Anfang 2012 von der Regionalen Wirtschaftsgemeinschaft (ReWig) Schlehdorf gegründet, bildet die biologische Landwirtschaft sein Herzstück. Hierbei können sich alle Interessierten aktiv am Aufbau eines nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsmodells beteiligen: Dauerhaft dort wohnen kann man zwar nicht, dafür bietet der Hof zahlreiche Aktivitäten - vom heilpädagogischen Reiten bis hin zur Mitwirkung am Bau eines Permakultur-Gartens.

Durch die lange Praxiserfahrung kann das Konzept des Aktiv-Hofes in mancher Hinsicht als Vorbild für jene dienen, die sich noch in den Anfängen befinden - wie etwa die 21 Mitglieder der Vereinigung „Lebensquell Ammertal“ mit ihrem Initiator Bernd Kroeker, der auch Gründungsmitglied des Aktiv-Hofes ist. Wie berichtet, will der 45-jährige Ingenieur ein großes Anwesen kaufen, um dort ein alternatives Lebens- und Wohnkonzept für verschiedene Generationen zu schaffen, die sich dann über Anteilsscheine einkaufen. Auch für den Murnauer Molohof interessiert sich die Gruppe. „Wir suchen einen Ort, an dem wir bei einem hohen Maß an Selbstversorgung gemeinsam leben und arbeiten können“, formuliert Kroeker seine Zukunftsvision. Da Schlehdorf ein überwiegend wirtschaftliches Modell sei, möchte er bei seiner Idee das Zusammenleben in den Mittelpunkt stellen. Schließlich habe jede Gemeinschaft ihren eigenen Charakter und das sei gut so, findet er. Dennoch spiele die Vernetzung mit anderen Organisationen eine entscheidende Rolle. Demnach sei es für Kroeker durchaus vorstellbar, sich dem Projekt „Im Lauter Leben“ von dem Seehauser Leo Frühschütz anzuschließen.

Dieser möchte im Sommmer das Kohlgruber Kurhotel Lauter kaufen und verfolgt im Prinzip dieselben Ziele wie Kroeker. „Das gewachsene Interesse an solchen Lebensformen zeigt, dass die Zeit dafür reif ist“, meint Frühschütz. Er möchte den Austausch mit anderen Genossenschaften nutzen, um voneinander zu profitieren. Das drei-Säulen-Konzept bestehend aus Stiftung, Genossenschaft und Verein, das die Weilheimerin Agnes Schuster an jenem Abend für die von ihr mitbegründete Lebensgemeinschaft „Tempelhof“ in Franken vorstellte, erscheint auch Frühschütz sinnvoll: „Die Idee ist da, doch unsere Kerngruppe von 20 Leuten befindet sich in der Anfangsphase“, erklärt er. Falls Kroeker und Frühschütz ihre Vorstellung vom Gemeinschaftsleben verwirklichen sollten, wäre das ein Pilotprojekt im Landkreis. (co)

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