Sein Bezug zu Murnau war sehr eng, hier erlebte er seine Hauptschaffenszeit und schrieb Literaturgeschichte. Die Rede ist von Ödön von Horváth (1901 bis 1938). Er ließ sich von den Menschen, der Landschaft und Erlebnissen zu einigen seiner bekanntesten Werke inspirieren, mit denen er feinsinnige Sittengemälde schuf - ob nun „Zur schönen Aussicht“, „Italienische Nacht“ oder „Jugend ohne Gott“. Heuer ist der 75. Todestag des Ausnahme-Schriftstellers, der von 1924 bis 1933 überwiegend im Murnauer Haus seiner Eltern lebte und arbeitete.
Die Horváth-Gesellschaft nimmt dies zum Anlass, um im Herbst mit einer hochkarätigen Veranstaltung an den großen Autor zu erinnern: Vom 8. bis 16. November finden zum fünften Mal die Murnauer Horváth-Tage statt, hauptsächlich in der nach ihm benannten Aula im Staffelsee-Gymnasium.
Seit etwa einem Jahr feilen Gabi Rudnicki, Erste Vorsitzende der Gesellschaft, und ihre Mitstreiter an dem Programm, das weitgehend steht. Dieses ist ausgesprochen ambitioniert und wartet gleich mit einer Reihe an Highlights auf. „Wir wollen Horváths Leben und Werk bekannter machen und im Bewusstsein halten“, erklärt Rudnicki das Ziel. Dabei sollen sich Kenner genauso angesprochen fühlen wie Neueinsteiger. Ein Motto gebe es zwar nicht, erklärt Rudnicki. Es werde aber immer wieder der Bezug Horváths zu Bayern herausgearbeitet.
Den Besucher der Tage erwartet eine Weltpremiere: Erstmals wird ein Ödön-von-Horváth-Preis verliehen. Genauer gesagt sind es zwei: ein Ehren- und ein mit 5000 Euro dotierter Förderpreis. „Die Gewinner stehen noch nicht fest“, sagt Rudnicki. In Frage kommen etwa Kabarettisten, Schauspieler oder Regisseure, die das Erbe des Dramatikers bewahren. Durch den Abend führt „Quer“-Moderator Christoph Süß.
Nicht minder interessant: Der Garmisch-Partenkirchner Regisseur Georg Büttel bringt eine Theaterfassung von Horváths satirischem Roman „Der ewige Spießer“ auf die Bühne. Dafür konnten bekannte Volksschauspieler wie Veronika von Quast und Gerd Lohmeyer gewonnen werden.
Unterhaltsam dürfte der Abend „...dann ist das Leben ein Scherz“ werden. Zu hören ist nämlich Liedgut aus Bayern und Wien, das Horváth in seinen Werken erwähnt - ob nun Volkslieder, Schlager oder Operetten. Rudnicki ist sich sicher: Daraus könnte sich ein spannendes Forschungsthema entwickeln. Beispielsweise könnten Literaturwissenschaftler der Frage nachgehen, wieso bestimmte Lieder ausgewählt wurden und welche Funktion sie erfüllen.
Des Weiteren sind geplant: ein Symposium mit Experten, eine Spurensuche nach dem Schriftsteller in Murnau, ein Gesprächsabend über Gottsuche und die Aufführung des hochgelobten Films „Kasimir und Karoline“ (Regie: Ben von Grafenstein), der sich an dem gleichnamigen und sozialkritischen Volksstück Horváths orientiert.
Rudnicki ist Horváth-Fan. Und diese Begeisterung möchte sie mit ihrer Gesellschaft weitergeben. Sie sei davon fasziniert, wie er mit einer feinen Sprache und auf eine allgemeingültige Weise die Menschen charakterisiert. „Er gehört zum kulturellen Erbe Murnaus“, erklärt sie. Diese Erkenntnis habe sich inzwischen im Ort gefestigt. (as)














