Sie haben ausgedient, sie sind krank, sie bringen nicht mehr ihre volle Leistung, eine Neue muss her - und so werden viele Frauen in Indien mit Säure übergossen und/oder verbrannt, einfach so, wie Müll oder Holz. Nicht immer gelingen diese Anschläge von frustrierten und grausamen Ehemännern bis zur Vollendung. „Meist werden solche Anschläge als häuslicher Unfall, als cooking accident, verkauft“, erzählt Dr. Gaby Fromberg aus Murnau. Zurück bleiben verkrüppelte, entstellte Frauen oder Kinder, die nicht nur unvorstellbares seelisches, sondern auch unvorstellbares körperliches Leid erfahren haben. „Sie sind oft so entstellt, dass sie kaum mehr essen können, sich nicht mehr bewegen können, nicht mehr gehen oder nichts mehr halten können, und dadurch auch nicht mehr in der Lage sind ihren Lebensunterhalt zu verdienen“, schildert Fromberg.
Die Ärztin für plastische Chirurgie war im Oktober 2012 erneut zusammen mit einem Team von Interplast Germany für zwei Wochen in Nordindien im ehrenamtlichen Einsatz. Dort haben die Ärzte und Schwestern mehrere hundert Menschen, die meist durch Verbrennungen, Unfälle oder Säureattacken entstellt wurden, mittels plastischer Chirurgie zumindest soweit wieder hergestellt, dass diese in Zukunft ein einigermaßen normales Leben führen können. „Viele werden von der Familie nach ihren Verletzungen irgendwie noch mit unterstützt und dann, wenn es geht, zu uns gebracht“, erzählt Fromberg weiter. „Da werden schon lange im Vorfeld die Werbetrommeln gerührt, dass wir kommen um kostenlos zu operieren. Leider müssen wir immer wieder viele enttäuschen und sie auf das nächste Mal vertrösten.“
Sichtlich schockiert und berührt waren auch die Mitglieder des Zonta Club Murnau-Staffelsee nach einem Vortrag von Fromberg, die ebenfalls Zonta angehört. Kurzerhand hat sich der Murnauer Club bereit erklärt, die Arbeit der Interplast-Ärzte in Nordindien beim nächsten Einsatz im Oktober 2013 mit 3000 Euro zu unterstützen. „Es ist unvorstellbar, was dort passiert. Da ist die Frau nichts wert“, waren sich Brigitte Salmen und Eva Loos bei einem Pressegespräch einig. „Diese wichtige Arbeit von Interplast muss einfach unterstützt werden.“
Operiert wird in einem Krankenhaus in der nordindischen Stadt Haridwar. „Dort findet alle 12 Jahre das größte Fest der Welt statt, eine Wallfahrt, die innerhalb von zwei Monaten über 30 Millionen Pilger in die Stadt lockt. „Deshalb gibt es dort auch ein relativ großes Krankenhaus, in dem wir Räume zur Verfügung haben“, sagt Fromberg. „Die Inder haben zwar gute Ärzte, aber viel zu wenige, um der Menge an Menschen, die Hilfe brauchen, Herr werden zu können.“ Vorbereitet werden die Interplast-Einsätze von den indischen Rotariern. Diese kümmern sich auch um die Organisation und Abwicklung vor Ort, sondieren im Vorfeld bereits unter den Patienten aus und übernehmen teilweise auch die Nachsorge.
Eigentlich müsste noch viel mehr getan werden, die Schwestern vor Ort müssten verstärkt geschult werden, es müssten Nachsorgeblätter entwickelt und übersetzt sowie noch in verstärktem Umfang geeignete Kompressionskleidung angefertigt werden. Für Gaby Fromberg sind solche ehrenamtlichen Einsätze eine gute Sache, „nicht nur, weil man helfen kann, sondern weil man sich jedes Mal wieder klar wird, wie gut es einem eigentlich geht.“ (sp)














