Studie zum sexuellen Missbrauch: Im Kloster Ettal klappte die Aufklärung

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    • 13.01.13
    • Oberammergau
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Studie zum sexuellen Missbrauch

In Ettal klappte die Aufklärung

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Ettal - Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Kurz nachdem die Bischöfe eine Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche gestoppt haben, erklären die Benediktiner in Ettal, dass eine Studie zu ihrer Abtei fast fertig ist. Es geht also auch anders.

© dpa

An 70 Betroffene zahlte das Kloster Entschädigung.

„Wolfgang F. nimmt sich das Leben.“ Der Eintrag auf der Internetseite des Vereins „Ettaler Misshandlungs- und Missbrauchsopfer“ ist vom 4. Oktober 2012. F. war demnach ein anerkanntes Opfer, das durch das Publikwerden der unseligen Vergangenheit des Klosters Anfang 2010 erneut traumatisiert wurde. Die neu aufgebrochene Wunde ließ sich offenbar nicht mehr heilen.

Solche Nachrichten sind Rückschläge in der Aufarbeitung des Skandals in der Benediktinerabtei. Doch insgesamt gilt das Vorgehen des Ordens als recht gelungenes Beispiel im Umgang mit einer heiklen Problematik. „Abt Barnabas Bögle hat sich dem Aufklärungskurs verschrieben und zieht ihn durch“, sagt Opfervereins-Vorsitzender Robert Köhler. Er sorgte mit dafür, dass Misshandlungen und Missbrauch an ihm und seinen Leidensgenossen heute mehr als nur Zahlen sind. Nach Bekanntwerden der jahrzehntelang anhaltenden Übergriffe in Internat und Schule der Abtei gründeten die Betroffenen einen Verein. Ein zäher, aber letztlich erfolgreicher Kampf um Anerkennung begann. Zwei Jahre, die zu Lasten der Familie gingen, wie Köhler sagt.

In der Anfangsphase war es das Erzbistum München-Freising, das die Ettaler Benediktiner geradezu nötigte, die Vorwürfe aufzuklären. Abt Barnabas Bögle wurde von Erzbischof Reinhard Marx zum Amtsverzicht gedrängt. Er durfte die Klosterleitung aber nach einer päpstlichen Untersuchung wieder übernehmen. Die Schicksale der Opfer im Februar 2010 trug ein von der Erzdiözese eingesetzter Sonderermittler zusammen, der renommierte Münchner Strafverteidiger Thomas Pfister.

Pfister ist bis heute erschüttert von der Masse und Wucht perverser Demütigungen, die ihm von den Opfern zugetragen wurden. Und noch immer ärgert er sich darüber, dass er seinen Abschlussbericht nicht veröffentlichen durfte. Das Kloster stimmte nicht zu. Nach Pfister beschäftigte sich ein weiterer Jurist mit den Fällen. Im November 2010 engagierte die Abtei Hans-Joachim Jentsch. Der Ex-Bundesverfassungsrichter sollte die Aufklärungsarbeit erneut überprüfen. Der Opferverein reagierte anfänglich verhalten. Doch der damals 73-jährige Jurist gewann das Vertrauen beider Seiten. Die Benediktiner stimmten einem „Täter-Opfer-Ausgleich“ zu, Mediatoren wurden eingeschaltet. Es gab Entschädigungszahlungen, insgesamt 700.000 Euro an 70 Betroffene.

Chronologie der Missbrauchsfälle

Auch die wissenschaftliche Aufarbeitung war ein Wunsch der Opfer. Das Kloster stimmte zu, erteilte dem Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) in München den Auftrag und ließ auf seine Kosten forschen. Der Opferverein hatte das IPP ausgesucht. Zwei Jahre lang, bis Oktober 2012, dauerte die empirische Arbeit, sagt IPP-Geschäftsführer Florian Straus. Der promovierte Sozialpsychologe sagt, es habe viel Zeit gebraucht, um Vertrauen aufzubauen. Die Kooperation von Opferverein und Kloster sei stets gegeben gewesen. Angeforderte Unterlagen wurden zur Verfügung gestellt. Es gab Gespräche mit Patres und mit Opfern, denen Anonymität zugesichert wurde. Geklärt werden sollte unter anderem, wie es zu den Übergriffen kommen konnte und warum die Vorfälle solange nicht bekannt wurden. Die Frage nach den Personalakten stellte sich jedoch im Gegensatz zu der vorläufig geplatzten Studie der Bischofskonferenz nicht, erläutert Köhler. Schließlich seien die Täter bekannt. In der Ettaler Untersuchung werde in einem eigenen Kapitel auch die Frage nach den Folgen für die Opfer beantwortet sowie Ursachenforschung betrieben. Mangelnde Ausbildung der Erzieher, zu große Gruppen und auch die Autarkie des Klosters hätten die Übergriffe begünstigt, lautete im vergangenen Herbst das vorläufige Fazit.

Die Zusammenarbeit zwischen Verein und Kloster funktioniert heute stabil. Das belegt auch die gemeinsame Erklärung zum Abschluss der Studie. Die Ergebnisse sollen Ende März der Öffentlichkeit vorgestellt werden, teilten Kloster, Verein der Ettaler Misshandlungs- und Missbrauchsopfer sowie das Institut IPP am Freitag mit. „Dies war kein einfacher Weg, aber wir haben erkannt, dass nur die konsequente Aufarbeitung auch den Opfern gerecht wird“, sagt Abt Barnabas Bögle. „Wir konnten das Kloster im Rahmen der Gespräche davon überzeugen, dass nur Offenheit die uns wichtige Glaubwürdigkeit bewirkt“, erklärt Köhler.

Von B. Just, C. Wölfel und P. Winterer

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Kommentare

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Karwendelgeist15.01.2013, 07:46
(6)(0)

70 Opfer allein in Ettal, seid mir nicht böse, aber da kann man schon den Glauben verlieren. Das kann doch nicht wahr sein, dass das keiner bemerkt hat. Und jetzt werden von meinen ausgepressten Steuergeldern die Entschädigungen bezahlt.
Ich kann gar nicht so viel essen wie ich k..... muss

Michael Böhles14.01.2013, 13:52
(4)(0)

Auf einer Tagung für Polizeibeamte des gehobenen und höheren Dienstes in
Münsters "Franz-Hitze-Haus" (Mitte der 70-er-Jahre) nahmen über 150 Perso=
nen daran teil. Als Thema stand u.a. an: "KRIMINALITÄT ZWISCHEN BEICHTE
UND PROSTITUTION". Nach dem Referat ergab sich eine hitzige Diskussion.
Ein Teilnehmer ging den Referenten so an: "Was habe ich nun von Ihren Aus=
führungen für meine Berufspraxis?! Wenn ich einem Delinquenten sage, er soll
unbedingt alles offenbaren, und wenn möglich, gar noch mehr, dann weiß ich von vornherein, daß der vom Kadi ein noch höheres Strafmass erwarten kann.
Liegt die Lösung meiner Probleme etwa darin, daß ich Pastor (Pfarrer) werde?"
"Das kann ich so nicht von vornherein ausschließen" erwiderte der Referent -
schallendes Gelächter im Saal. Kontrapunktischer Betrachtungs-Gegenstand
war das Beichtsakrament, der Beichtstuhl und das Beichtgeheimnis.
Genau dieser zentrale Sachverhalt wird in der Sex-Debatte im kirchlichen Milieu
und den damit verbundenen Aufklärungs-Bemühungen gar nicht erwähnt! (Sieht
man einmal ab von den einschlägigen Bestimmungen des Kirchenrechts via CIC in Sachen Geheimhaltungs- und Aufbewahrungsfristen.)
Die meisten "verwechseln Lust mit Liebe" (Umberto Eco > "Im Namen der
Rose"); denn "die Liebe be- und ent-schuldigt nichts, aber sie verzeiht alles"
(nach Gertrud von Le Fort) dem, der Verzeihung haben will...
Was die Suizid-Problematik angeht: "Wer das Leben nicht geben kann, kann es
auch nicht nehmen!" < das gilt absolut wie relativ: deshalb kann auch ein sog.
"Selbst-Mörder" sich nicht wirklich vor Gott umbringen - und hat deshalb immer
noch alle Chancen, sein Heil zu gewinnen . "Laßt wachsen bis zur Zeit der
Ernte..."mahnt der Herr der Kirche.
Es ist bedauerlich, daß die Katholische Kirche wohl eine Sexual-Moral kennt, aber keine vernünftige Sexual-Spiritualität?!

Michael Böhles14.01.2013, 13:36
(3)(0)

"Wahrheiten über sich selbst sind schwer verdaulich, und darum halten die meisten Menschen in diesem Punkt strengste Diät!" (Eugen Roth) Als Konrad
Adenauer mal gefragt wurde, ob er noch nie im Leben gelogen habe, sagte er
munter: "Noch nie!" "Aber Herr Adenauer, das gibt es doch gar nicht - gerade
Sie als Politiker müssen doch von Berufs wegen 'unendlich viel lügen'?!" Die
Antwort: "Mein lieber Freund, vermutlich verwechseln Sie etwas? Man muß doch nicht alles sagen, was man weiß ...?!"

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