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Olympia: Der Brandbrief ans IOC

München/Garmisch-Partenkirchen - Ein Brandbrief von Olympia-Gegnern wird in den nächsten Tagen IOC-Präsident Jacques Rogge erreichen. Wir erklären, was sie am Donnerstag schreiben werden.

© Westermann

Er vertritt die Bauern aus Garmisch-Partenkirchen: Anwalt Ludwig Seitz von Labbé und Partner, stand früher übrigens auf der anderen Seite. Er war mal Pressesprecher von Innenminister Gerold Tandler

Nette Weihnachtsgrüße aus der ganzen Welt werden bei IOC-Präsident Jacques Rogge (68) in diesen Tagen auf den Schreibtisch flattern. Auch aus Bayern wird ein Packerl dabei sein. Das Packerl wird allerdings eine ganze andere Botschaft enthalten: Die Unterlagen sollen Rogge beweisen, dass die Münchner Olympiabewerbung vor dem Aus steht! Weil 59 Landwirte und Grundstücks­besitzer aus Garmisch-Partenkirchen nicht bereit sind, ihr Land für die olympischen Stätten zur Verfügung zu stellen.

Die Bauern machen mit dem Brandbrief nun ihre Ankündigung an die Staatskanzlei wahr, das Internationale Olympische Kommitee selbst über den Sachstand zu informieren, falls die Bayerische Staatsregierung die Bewerbung nicht von sich aus bis 22. Dezember zurückgezogen hat. Doch daran verschwendeten wohl weder Olympia-Minister Siegfried Schneider noch Ministerpräsident Horst Seehofer einen Gedanken. Ludwig Seitz, der Anwalt der Bauern, meinte deshalb gestern: „Ich werde die Frist bis 24 Uhr natürlich noch abwarten. Aber danach geht unser Schreiben raus – und zwar gleich dreifach: per Einschreiben mit Rückschein, als E-Mail und per Fax.“

Und man kann sicher sein, dass Rogge das Schreiben nicht einfach beiseite legen wird. Denn aus den beiliegenden Plänen geht eindeutig hervor, dass es mindestens neun Eigentümer gibt, deren Grundstücke für die Wettbewerbe unabdingbar sind!

Unglaublich, aber dies bestätigt Staatsminister Schneider den Bauern – allen öffentlichen Beteuerungen zum Trotz – sogar selbst noch einmal schriftlich. Denn nach dem Ultimatum schickte er ihnen noch einmal (neue) Entwürfe für Gestattungsverträge. Und darin heißt es wörtlich: „Eine erfolgreiche Olympiabewerbung setzt ein konkurrenzfähiges Sportstättenkonzept voraus. Ihr Grundstück mit der Flurnr. (…) ist dabei ein wichtiger Baustein für die Bewerbung.“ Aber nicht nur in diesem Punkt wiederspricht sich Schneider. Er schreibt auch, „dass entgegen teilweise kursierenden Behauptungen ein Eigentumsübergang oder gar eine Enteignung“ für die Olympischen Spiele in Garmisch-Partenkirchen nicht erfolgen wird. Und dabei ist längst das Gegenteil der Fall! Gegen Max Buchwieser, dem ein rund 5000 Quadratmeter großes Grundstück im Zielbereich der Kandahar-Abfahrt gehört, hat die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen bereits ein Enteignungsverfahren eingeleitet. Und zwar nicht nur, wie offiziell behauptet wird, für die Zeit rund um die Ski-WM im Febraur 2011, sondern auch für „ähnliche Veranstaltungen“ – und zwar in den nächsten 30 Jahren!

Dass dazu auch die Olympischen Spiele zählen, dürfte klar sein. Das Enteignungsverfahren ist übrigens eine Initiative von Thomas Schmid, dem Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen. Der hielt es nicht einmal für nötig, den Markgemeinderat darüber abstimmen zu lassen, es wurde lediglich der Finanzausschuss informiert.

Buchwiesers Anwalt Ludwig Seitz ist trotz der Drohgebärde einer Enteignung aber sicher, dass sich sein Mandant mit der Gemeinde in Bezug auf die Ski-WM noch einigen wird. „Vor Weihnachten, wie ich gehofft hatte, wird das aber wohl nicht klappen.“

Für diese Details wird sich Jacques Rogge kaum interessieren. Aber ein paar unangenehme Fragen an Bayerns Bewerbungsführer dürfte er nach der Post aus dem Freistaat schon haben. Siegried Schneider wird ihm dann seinen Plan B eröffnen müssen – die Bauern aus Garmisch-Partenkirchen glauben zu wissen, was er antworten wird: „Wenn’s drauf ankommt, wird er uns enteignen.“

Wolfgang de Ponte

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Welche Folgen hat das Schreiben?

Herrschaftlich. Das ist das richtige Wort für das Château de Vidy. Hier, in diesem Schlösschen am Genfer See, ist das Hauptquartier des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Hier wird der Brief ankommen, in dem mehrere Garmischer Grundstücksbesitzer ganz offiziell klarstellen, dass sie ihr Land nicht für olympische Winterspiele zur Verfügung stellen werden – gestern ist ja das entsprechende Ultimatum abgelaufen. Ultimatum: ein großes Wort, man denkt da immer gleich an schwerwiegende Folgen. Fragt sich: Stimmt das auch in diesem Fall? Drohen jetzt, wo das Papier auf dem Weg zum IOC ist, Konsequenzen für die Bewerbung? Eine Einschätzung der Lage:

Fakt ist: Das IOC hat die offiziellen Münchner Bewerbungsdokumente noch gar nicht bekommen, das so genannte Bid Book. Abgabetermin ist erst am 11. Januar. Bis dahin kann es logischerweise auch keine offizielle Einordnung geben, wie sehr der Grundstücksstreit die Olympia-Pläne durchkreuzt – eben, weil es die offiziellen Pläne ja noch gar nicht gibt.

Trotzdem dürfte die Münchner Bewerbungsgesellschaft vermutlich im Laufe der nächsten Tage Post vom IOC bekommen. Ganz einfach die offizielle Mitteilung, dass es da diesen Grundstücks-Brief gibt…

Aber weitere praktische Auswirkungen von Funktionärs-Seite? Kaum vorstellbar. Das IOC muss ja erst mal das Bid Book durchschauen. Dann gibt’s eine extra eingesetzte Experten-Gruppe, die Anfang März sowieso nach München kommt und überprüft, ob alle Angaben aus den Unterlagen zutreffen. Logisch ist allerdings: Bei diesem Besuch werden sicher auch Fragen nach den Grundstücken gestellt werden. Die Bewerbungsgesellschaft muss dann entweder nachweisen können, dass die fraglichen Grundstücke doch für Olympia zur Verfügung stehen werden – oder dass es eine Alternative gibt, die den Olympia-Ansprüchen genügt. Die Antworten auf diese Fragen werden sich dann im offiziellen Bericht der Experten-Gruppe wiederfinden.

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