Garmisch-Partenkirchen - Im Streit um den Zustand der Garmisch-Partenkirchener Olympia-Schanze hat sich jetzt das verantwortliche Ingenieurbüro zu Wort gemeldet. Was Ingenieur Günter Mayr zu den Vorwürfen sagt:
Das Münchner Ingenieurbüro „Mayr, Ludescher & Partner“ betreut Projekte in der ganzen Welt, darunter das neue Technische Betriebszentrum des Tiefbauamts in München und den „Clock Tower“ in Mekka. Die Firma ist auch verantwortlich für den Bau der Schanze in Garmisch-Partenkirchen. Die Kritik an dem Millionenprojekt reißt nicht ab. Wir haben mit Ingenieur Günter Mayr, Jahrgang 1940, über „inkompetente Äußerungen“ von Sachverständigen und die jüngsten Vorwürfe gesprochen.
Kürzlich hat sich ein Sachverständiger die Schanze bei einem Wanderausflug mal angeschaut. „Murks“, „Schrott“, „man müsste sofort wieder abbauen“ – sein Urteil hätte nicht heftiger ausfallen können.
Wir können nicht mehr unter die Leute gehen, wenn man das so stehen lässt. An manchen Tagen habe ich während des Baus in den Sprecherkabinen an der Schanze übernachtet, weil ich bis spätabends draußen war und in aller Früh schon wieder Termine hatte. So einen Bau macht man einmal im Leben, da hängt mein Herzblut dran. Deswegen ist man schon stinksauer, wenn man so was hört. Da muss einiges klargestellt werden.
Dann legen Sie mal los.
Der Sachverständige spricht von Nachbesserungen in Millionenhöhe.
Das ist völliger Unsinn. Wir können es ja mal anhand der Metallbaufirma durchrechnen, der wir schon mitgeteilt haben, dass da nachgebessert werden muss. Einige Schrauben rosten, also gehen da vielleicht zwei Monteure zwei Tage lang raus – und bessern das aus. Da kommen dann 30 Arbeitsstunden zusammen, multipliziert man das mit einem Stundenlohn von 50 Euro, dann kommen wir auf 1500 Euro. Und selbst wenn es zehn solcher Fälle gäbe, dann wären wir bei 15 000 Euro. Diese Kosten gehen nicht zu Lasten des Bauträgers, des Marktes Garmisch-Partenkirchen.
Wer zahlt es dann?
Die Firmen im Rahmen ihrer Gewährleistungspflicht.
Es war auch von Schweißnähten die Rede, bei denen was im Argen liegen soll.
Auch das ist Quatsch. Die Äußerungen sind eine Zumutung. Die Schweißnähte wurden per Ultraschall getestet oder geröntgt. Da gibt es null Probleme. Es ist schon bedauerlich, dass die Schanze so oft in den Negativschlagzeilen ist.
Das hat wahrscheinlich auch mit der Kostenexplosion zu tun. Anfangs waren 9,97 Millionen Euro veranschlagt, am Schluss hat sie 17,3 Millionen gekostet.
Ich kann nur sagen: Kein Cent wurde ungeprüft oder verschwenderisch ausgegeben. Natürlich hätte man auch eine billigere Schanze haben können – aber dann wäre es nicht dieses, im Planungswettbewerb ausgewählte architektonische Highlight geworden. Ganz abgesehen davon, dass auch eine Reihe zusätzlicher Leistungen wie die neu entwickelte Anlaufspur realisiert wurden. Dieser war es beim Neujahrsspringen zu verdanken, dass das Springen nicht wie in Bischofshofen wegen Wärmeeinbruchs abgebrochen werden musste.
Gibt es irgendwas, das Ihnen hinsichtlich der Schanze Sorgen macht?
Sind Sie stolz auf das Bauwerk?
Ja, natürlich. Seit sie steht, bin ich bei jedem Springen draußen. Die Anlage ist beeindruckend. Trotz weltweiter Projekte ist die Schanze von Garmisch-Partenkirchen für uns Ingenieure und auch für die Architekten das wichtigste Projekt überhaupt.
Interview: Stefan Sessler
Rubriklistenbild: © dpaBestimmen Sie auf der Karte die Region, aus der Sie Nachrichten angezeigt bekommen möchten.



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