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"Schrott-Schanze? Völliger Unsinn!" 

Garmisch-Partenkirchen - Im Streit um den Zustand der Garmisch-Partenkirchener Olympia-Schanze hat sich jetzt das verantwortliche Ingenieurbüro zu Wort gemeldet. Was Ingenieur Günter Mayr zu den Vorwürfen sagt:

Das Münchner Ingenieurbüro „Mayr, Ludescher & Partner“ betreut Projekte in der ganzen Welt, darunter das neue Technische Betriebszentrum des Tiefbauamts in München und den „Clock Tower“ in Mekka. Die Firma ist auch verantwortlich für den Bau der Schanze in Garmisch-Partenkirchen. Die Kritik an dem Millionenprojekt reißt nicht ab. Wir haben mit Ingenieur Günter Mayr, Jahrgang 1940, über „inkompetente Äußerungen“ von Sachverständigen und die jüngsten Vorwürfe gesprochen.

Kürzlich hat sich ein Sachverständiger die Schanze bei einem Wanderausflug mal angeschaut. „Murks“, „Schrott“, „man müsste sofort wieder abbauen“ – sein Urteil hätte nicht heftiger ausfallen können.

Wir können nicht mehr unter die Leute gehen, wenn man das so stehen lässt. An manchen Tagen habe ich während des Baus in den Sprecherkabinen an der Schanze übernachtet, weil ich bis spätabends draußen war und in aller Früh schon wieder Termine hatte. So einen Bau macht man einmal im Leben, da hängt mein Herzblut dran. Deswegen ist man schon stinksauer, wenn man so was hört. Da muss einiges klargestellt werden.

Dann legen Sie mal los.

Die Äußerungen dieses Schlossermeisters und Sachverständigen für das Metallbauhandwerk der Handwerkskammer sind erstens unqualifiziert und zweitens schlicht falsch. Man kann doch nicht an ein Geländer hingehen und sagen, die ganze Schanze sei Schrott. Zudem sind die Äußerungen des Herrn Dolezel eine Herabsetzung und ein Angriff auf die Berufsehre der dutzenden Handwerker, die die Schanze gebaut haben. Der Schanze geht es gut. An den Haupttraggliedern zum Beispiel ist keinerlei Rost. Die Statik der Schanze ist auf Schwingung und Erdbeben getestet. Sie hat eine Standzeit von 50 Jahren. Aber klar: Aus dem Gebrauch kann die eine oder andere Beschädigung entstehen. Da fahren zum Beispiel Pistenraupen drüber. Und auch die Fernsehteams verlegen kilometerlange Kabel, da passiert schon mal was. Und es gibt mutwillige Kratzer, wenn jemand mit dem Schlüssel über das Geländer fährt. Diese Mängel werden beseitigt.

Der Sachverständige spricht von Nachbesserungen in Millionenhöhe.

Das ist völliger Unsinn. Wir können es ja mal anhand der Metallbaufirma durchrechnen, der wir schon mitgeteilt haben, dass da nachgebessert werden muss. Einige Schrauben rosten, also gehen da vielleicht zwei Monteure zwei Tage lang raus – und bessern das aus. Da kommen dann 30 Arbeitsstunden zusammen, multipliziert man das mit einem Stundenlohn von 50 Euro, dann kommen wir auf 1500 Euro. Und selbst wenn es zehn solcher Fälle gäbe, dann wären wir bei 15 000 Euro. Diese Kosten gehen nicht zu Lasten des Bauträgers, des Marktes Garmisch-Partenkirchen.

Wer zahlt es dann?

Die Firmen im Rahmen ihrer Gewährleistungspflicht.

Es war auch von Schweißnähten die Rede, bei denen was im Argen liegen soll.

Auch das ist Quatsch. Die Äußerungen sind eine Zumutung. Die Schweißnähte wurden per Ultraschall getestet oder geröntgt. Da gibt es null Probleme. Es ist schon bedauerlich, dass die Schanze so oft in den Negativschlagzeilen ist.

Das hat wahrscheinlich auch mit der Kostenexplosion zu tun. Anfangs waren 9,97 Millionen Euro veranschlagt, am Schluss hat sie 17,3 Millionen gekostet.

Ich kann nur sagen: Kein Cent wurde ungeprüft oder verschwenderisch ausgegeben. Natürlich hätte man auch eine billigere Schanze haben können – aber dann wäre es nicht dieses, im Planungswettbewerb ausgewählte architektonische Highlight geworden. Ganz abgesehen davon, dass auch eine Reihe zusätzlicher Leistungen wie die neu entwickelte Anlaufspur realisiert wurden. Dieser war es beim Neujahrsspringen zu verdanken, dass das Springen nicht wie in Bischofshofen wegen Wärmeeinbruchs abgebrochen werden musste.

Gibt es irgendwas, das Ihnen hinsichtlich der Schanze Sorgen macht?

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Nein, null. Nichts. Alles im Plan. Aber es ist auch klar: Im Zuge der Gewährleistungsabnahme wird derzeit in jedes Eck geschaut. Das ist schließlich unser Job. Dann wird nachgebessert, wo nachgebessert werden muss. Wir wollen die Firmen, die die Schanze unter extrem schwierigen Bedingungen gebaut haben, fair behandeln. Sie bekommen jetzt mitgeteilt, welche Mängel noch da sind. Das ist ein normaler Vorgang. Jedes Bauwerk muss überwacht werden. Wie bei Brücken erfolgt auch bei der Schanze alle drei Jahre eine Sichtprüfung, alle sechs eine eingehende Prüfung. Und falls wir jetzt feststellen, dass uns irgendwo galvanisch verzinkte Schrauben untergejubelt wurden, die rosten, dann werden die durch feuerverzinkte ersetzt. Am 1. Februar zum Beispiel ist ein weiterer Begehungstermin.

Sind Sie stolz auf das Bauwerk?

Ja, natürlich. Seit sie steht, bin ich bei jedem Springen draußen. Die Anlage ist beeindruckend. Trotz weltweiter Projekte ist die Schanze von Garmisch-Partenkirchen für uns Ingenieure und auch für die Architekten das wichtigste Projekt überhaupt.

Interview: Stefan Sessler

Rubriklistenbild: © dpa

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