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Sport vor Politik

Garmisch-Partenkirchen - Am Rande der Alpinen Ski-Weltmeisterschaften gab es einige atmosphärische Störungen zwischen FIS, DSV und Bürgermeister Thomas Schmid.

So gut, wie es hier aussieht, ist die Stimmung nicht: Bürgermeister Thomas Schmid (l.) und DSV-Präsident Alfons Hörmann strahlen für den Fotografen um die Wette. Foto: dpa

So gut, wie es hier aussieht, ist die Stimmung nicht: Bürgermeister Thomas Schmid (l.) und DSV-Präsident Alfons Hörmann strahlen für den Fotografen um die Wette. Foto: dpa

Christian Neureuther, Rosi Mittermaier, Florian Hildebrand, Peter Samstag, Miriam Vogt und Walter Vogel - sie alle gehören dem Organisationskomitee der Alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2011 in Garmisch-Partenkirchen an. Und diese sechs waren am vergangenen Sonntag die Auserwählten, die bei der Abschlusszeremonie im Zielraum am Gudiberg die Fahne des Internationalen Skiverbandes FIS an die Vertreter des nächsten Austragungsortes überreichen durften. 2013 finden die Titelkämpfe in Schladming statt.

Es ist zwar keine besondere Herausforderung, ein Stück Stoff zu tragen. Doch es ist Ehre und Anerkennung für Verdienste um eine Sache. Wer diese Rolle übernehmen darf, ist darum nicht selten ein Politikum. Auch auf Seiten der Schladminger war die Fahnenabordnung sorgfältig ausgewählt. Angeführt vom Bürgermeister der 4500-Einwohner-Gemeinde in der Steiermark, Jürgen Winter, trug die österreichische Delegation den FIS-Banner aus dem Zielraum.

Aber wo war Garmisch-Partenkirchens Bürgermeister Thomas Schmid? Bei der Eröffnungsfeier noch hatte er stolz die Fahne von seinem französischen Vorgänger aus Val d’Isère entgegengenommen. Bei der Abschlussfeier fehlte er und verfolgte das Geschehen stattdessen von der Tribüne aus. „Es war offenbar nicht vorgesehen, das ich dabei bin“, sagt er. „Bei der Schlussfeier obliegt diese Aufgabe den Vertretern des Sports.“ Es sei für ihn in Ordnung gewesen, versichert Schmid. „Ich hatte genügend andere Auftritte.“

Die sollen aber teilweise für ziemliche Irritationen gesorgt haben, sagen Beteiligte hinter vorgehaltener Hand. Mit der Konsequenz, dass Schmid nicht selten allein anzutreffen war im Zielraum oder auf den Tribünen. Fast hatte es den Anschein, als ob er isoliert war auf dem dünnen, sportpolitischen Eis. Darauf angesprochen sagt Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV) sowie des WM-Organisationskomitees (OK): „Es hat einige Begebenheiten gegeben, die wir uns als Team etwas anders vorgestellt haben. Darauf ist sicherlich eine gewisse Distanz zurückzuführen.“

Der Allgäuer wählt gerne den Klartext, manchmal aber ist es besser, sich diplomatisch zurückzuhalten. Die Botschaft ist dennoch deutlich und durchaus kein Geheimnis: Zwischen Schmid und dem Verbandschef sowie den Verantwortlichen des Internationalen Skiverbandes soll es deutliche atmosphärische Störungen gegeben haben. Aus Reihen der FIS waren mehrmals Stimmen zu hören, die Schmid nicht gerade wohlgesonnen waren. „Wir hatten den Eindruck, dass es schwierig ist, mit ihm zusammenzuarbeiten“ , sagt ein Beteiligter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Hinter den Kulissen sollen des öfteren auch klare Worte gefallen sein.

„Aber es gab keinen Streit“, betont Hörmann - wie immer er Streit definiert. „Es ist normal, dass im Laufe solch eines großen Projektes die Politik andere Ziele verfolgt als der Sport“, sagt Hörmann, „und es ist normal, dass diese Themen während einer WM mit dem besonderen medialen und psychischen Druck etwas klarer zu Tage treten.“

Der DSV-Chef will die Geschehnisse nicht überbewerten. Er hat genug Erfahrung auf diesem Gebiet - als Sportfunktionär und Lokalpolitiker. „Thomas Schmid und die Gemeinde haben das Projekt Ski-WM auf beeindruckende Weise unterstützt. Das war zu 100 Prozent in Ordnung.“ Er spielt vor allem auf die großen Investitionen an, die die Kommune im Vorfeld der WM speziell mit dem Ausbau des Skigebiets gestemmt hat. „Wenn das so an anderen Weltcup-Standorten auch wäre, wäre ich glücklich.“ Er ist sich bewusst, dass ohne die Politik solche Vorhaben nicht zu meistern sind.

Doch er weiß genauso, dass zuviel politische Mitsprache nicht förderlich ist. „Deshalb wollten wir von Anfang an das Organisationskomitee als 100-prozentige Tochter des DSV.“ Der Sport müsse das alleinige Sagen haben. (lxs)

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