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Über Sinn und Unsinn von Olympia

Garmisch-Partenkirchen - Wenige Tage vor dem Bürgerbegehren über die Olympischen Winterspiele 2018 in Garmisch-Partenkirchen haben Befürworter und Gegner ihre Standpunkte dargelegt. Bei der Veranstaltung unserer Zeitung wurde wieder einmal klar: Emotionen überlagern die Diskussion.

Irgendwie war dieser Abend symbolisch für die Situation in Garmisch-Partenkirchen. Über Sinn oder Unsinn der Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018, die die Marktgemeinde gemeinsam mit München und dem Berchtesgadener Land vorantreibt, gehen seit Monaten die Meinungen auseinander. Es gibt eigentlich nur: dafür oder dagegen - dazwischen ist kaum Raum. Eine Podiumsdiskussion mit je zwei lokalen Experten und aus der Landespolitik, die die Heimatzeitung am Freitagabend veranstaltete, hat diesen Eindruck nochmal bestärkt.

Diesmal waren die Befürworter klar in der Überzahl unter den rund 300 Besuchern - zahlen- und lautstärkemäßig. Das ist insofern bemerkenswert, als sich die Sympathisanten bislang eher zurückgehalten haben mit öffentlichen Bekenntnissen. Aussagen darüber, wie die Stimmung im Ort tatsächlich ist, lassen sich davon nicht ableiten. Klarheit wird es erst kommenden Sonntag geben. Am 8. Mai sind die Bürger von Garmisch-Partenkirchen aufgerufen, über zwei Bürgerbegehren abzustimmen. Eines pro, eines contra Olympia. Zum Ausgang wagt derzeit niemand eine Prognose. Klar ist nur, dass das Ergebnis von großer Bedeutung für den weiteren Verlauf der Bewerbung ist.

Die Befürworter möchten, dass die Gemeinde die Bewerbung weiter verfolgt. Die Gegenseite fordert, dass sämtliche Verträge, die die Marktgemeinde abgeschlossen hat, von einem unabhängigen Gutachter auf ihre Rechtmäßigkeit geprüft werden. In der Folge eines entsprechenden Resultates solle die Kommune alles dafür tun, um aus den Vereinbarungen auszusteigen. Eine einfachere Fragestellung - „nein“ zu Olympia - war zu diesem fortgeschrittenenen Zeitpunkt der Bewerbung für die Gegner nicht mehr möglich.

Bis zum Bürgerentscheid, das hat die Debatte am Freitag nochmal deutlich gezeigt, überlagern Emotionen die inzwischen weithin bekannten und oft gehörten Sachthemen. Das bekamen auch die Vertreter beider Seiten zu spüren, die auf dem Podium ihre Argumente austauschten, oder besser: ihre Standpunkte. Für Heinz Mohr, Vorsitzender des Bündnisses „OlympiJa“ gibt es jedenfalls „weltweit keine Veranstaltung mit einer Ausstrahlung wie Olympia“. Und zudem so große Möglichkeiten für die Region, wie Marcel Huber (CSU), der neue Staatskanzleichef und damit Olympiabeauftragte der Staatsregierung, betonte: zum Beispiel positive Effekte für den Tourismus, wichtige Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur oder die Sanierung des Olympia-Eissportzentrums, die ohne Winterspiele nicht „mit der Geschwindigkeit und zu diesen attraktiven Förderkonditionen“ zu bekommen wären. Zumal zu einem auf 7,37 Millionen Euro festgeschriebenen finanziellen Beitrag der Gemeinde. „Diese Chance sollte man nutzen“, sagte Huber. „Viele Regionen in Bayern würden dieses Angebot mit Handkuss annehmen.“ 

Das sieht Axel Doering, Kreisvorsitzender des Bundes Naturschutz und „NOlympia“-Sprecher, naturgemäß anders: „Olympia ist zu groß für unser Gebirgstal.“ Die damit beschworenen Chancen für die Region seien „nur Hoffnungen, die durch nichts zu belegen sind“. Das kam bei vielen Gästen nicht gut an in der Veranstaltungshalle des Garmischer Trachtenvereins. Mehrmals wurden Doering und sein Mitstreiter, der Grünen-Landesvorsitzende und bekennende Olympia-Gegner Dieter Janecek, von Zwischenrufen unterbrochen oder angegriffen. Beirren ließen sie sich davon nicht. Zwei Wochen Olympia, „das ist ein gescheites Fest, ein gescheiter Rausch und danach ein gescheiter Kater“, wetterte Janecek, für den die Spiele früher eine schöne Idee waren, „heute ist es ein schönes Geschäft für das Internationale Olympische Komitee“.

Die Positionen sind konträr und unverrückbar. Doch zumindest die Gemüter haben sich nach anfänglicher Aufregung wieder beruhigt. Das hoffen alle Beteiligten auch von der Stimmung im Ort, wenn nächste Woche Klarheit herrscht nach de m Bürgerentscheid. Mohr brachte es auf den Punkt: „Ich wünsche mir, dass danach kein Schnitt durch den Ort geht. Wir müssen schließlich noch zusammen hier leben.“

Alexander Schwer

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