München - Schock für den Gräfelfinger Rennfahrer: Adrian Sutil wird vom Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt – wie es nun mit ihm weitergeht, ist völlig ungewiss.

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Adrian Sutil vor Gericht
Tags zuvor hatte er im Gerichtssaal noch das Bild eines mehr oder weniger unerschütterlichen Mannes abgegeben. Nun aber steht Adrian Sutil an diesem Dienstag zur Mittagsstunde als Verurteilter da – und wirkt völlig verändert: Ein geknickter, schwer getroffener Mensch, dem die Unsicherheit darüber ins Gesicht geschrieben steht, wie es nun mit ihm und seinem Leben weitergeht. „Ich muss erstmal überlegen, was ich jetzt mache, was das beste ist“, sagt der derzeit arbeitslose Rennfahrer. Er sagt es mit leiser Stimme. Und dann will er nur noch weg.
Der aus Gräfelfing stammende Sutil ist gestern vor dem Amtsgericht München wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt worden; zudem muss er 200 000 Euro an acht gemeinnützige Organisationen zahlen. Richterin Christiane Thiemann sah es als erwiesen an, dass Sutil im April 2011 in einer Disco in Shanghai den Luxemburger Eric Lux (44) in gefährlicher Weise mit einem Glas am Hals verletzt hat. Das Urteil: Eine Katastrophe für den 29-jährigen Sutil – und das weniger wegen des Geldes.
Die Affäre hat Sutil ja schon längst schwer geschadet. Sein Formel-1-Cockpit verlor der WM-Neunte der vergangenen Saison wohl vor allem, weil ihn seit Monaten diese belastende Geschichte begleitete. Arbeitgeber und Sponsoren im Showgeschäft Formel 1 wollen Piloten mit Saubermann-Image. Das aber hat Sutil nicht mehr.
Die Staatsanwältin Nicole Selzam hatte gestern in ihrem Plädoyer sogar eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung sowie 300 000 Euro Geldstrafe gefordert. Sutils Aussagen zum Ablauf des Streits erschienen ihr nicht glaubwürdig, sondern teilweise „lächerlich“ und „abenteuerlich“ sowie „gut einstudiert“. Vor allem nahm sie Sutil nicht ab, dass ihm im Moment des Schlages gegen Lux’ Hals nicht mehr bewusst war, ein Glas in der Hand zu halten – so hatte es der Angeklagte dargestellt. Grundsätzlich sprach Frau Selzam noch: „Ein Profi-Sportler hat eine gewisse Vorbild-Funktion, und da dürfen einem solche Verfehlungen einfach nicht unterlaufen.“ Richterin Thiemann folgte den Auffassungen der Kollegin Staatsanwältin weitgehend.
In seinem Schlusswort beteuerte Sutil nochmal: „Es tut mir wahnsinnig leid“. Und: „Es wird mir eine Lehre sein.“ Zumindest hat sich der Bayer inzwischen mit seinem Opfer ausgesprochen: „Ich bin jetzt mit Herrn Lux im Reinen, das ist das einzig Positive.“
Auswirken dürfte sich die Geschichte übrigens auch auf die Beziehung von Ex-Weltmeister Lewis Hamilton und Sutil. Die beiden waren ja bislang gute Kumpels. Doch der Brite, der in besagter Nacht in Shanghai mit Sutil in der Disco war und die Geschehnisse hautnah miterlebte, hat – zur Überraschung Sutils – nur schriftlich übermittelt, er habe im entscheidenden Moment nichts mitgekriegt. „Es kann wohl jeder nachvollziehen, wie ich darüber denke“, sagte Sutil. Ein zusätzlicher (Total-)Schaden auf privatem Gebiet – auch das noch.
Wolfgang Sporer
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