Grafing - Es funktioniert so: Wer nicht vorkommt, darf gerne beleidigt sein. Wer vorkommt, darf dagegen nicht beleidigt sein. Der Auftritt der Clowns im Faschingsvarieté des Grafinger TSV ist kein Haberfeldtreiben. Er ist eher ein Ritterschlag für diejenigen, die der Erwähnung wert waren.

Die Clowns des Varietés waren trotz etlicher „Frei-Schnaps“ in Top-Form. Foto: Stefan Rossmann
Es soll ja schon Versuche gegeben haben, die Clowns zu disziplinieren. Da greift angeblich sogar einer zum Telefon, der in Grafing einen eigenen Parkplatz hat. Vorauseilender Gehorsam ist im Fasching allerdings überhaupt nicht gefragt. Gefragt ist das, was der Bayer gerne als „freche Fotzn“ bezeichnet. Das ist eine Eigenschaft, die praktisch zum Grundinstrumentarium gestandener Zivilcourage zählt. Deswegen wundert es nicht, dass es beim Varieté eine Reihe von Grafinger Stadträten breitseits erwischte in den Potpourris der Clowns Wiggal, Girgl und August, alias Hermann Holzmann, Michael Weigand und Christian Fischer.
„Mogst a Watschn?“, fragt der Grafinger für gewöhnlich erwartungsfroh, wenn er Lust auf eine Prügelei hat (passiert angeblich, auch am Marktplatz mit Schwert in der Hand). Permanente Lust auf politische Prügeleien hat in jedem Fall Stadtrat Heinz Fröhlich, dem die Clowns deswegen vorhielten, dass man bei ihm nicht genau wisse, für wen er sich eigentlich prügele - außer für seine Ehefrau, für sich selbst und danach vielleicht mit langem Abstand für das von ihm gegründete Bündnis für Grafing.
Natürlich darf bei einer solchen Generalabrechnung nicht das fehlen, was die Behörden - vulgo Staatsorgane - mit den Bürgern anrichten. Und sei es nur, dass diese Bürger einen ordentlichen Umtrunk organisieren wollen. Deswegen wurde sehr zum Gaudium der Varietébesucher gebadet in den Vorschriften, die einem stadtbekannten Unternehmerkonsortium gemacht werden, bei der Durchführung eines einfachen Grandauer-Volksfestes in Familienhand. Der hauptberufliche Landwirt soll als Festwirt kontrollieren, so wurde beklagt, ob alle Besucher seines beliebten Volksfestes Schwimmflügel anhaben, weil sie beim Bieseln in die nahe Urtel sonst ersaufen könnten. Das ist eine Übertreibung, die mit der närrischen Zeit entschuldigt werden muss. Wie alle wissen, würde der Staat solche Vorschriften niemals erlassen. Deswegen verwunderten in den Gstanzln der Clowns höchstens die Seitenhiebe auf Dauerbaustellen im Landratsamt. Die gibt’s. Nicht nur in der Eichthalstraße.
Vin Michael Seeholzer
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