Grafing - Das Grafinger Ratsbegehren pro Ostumfahrung ist ziemlich genau zwei Jahre her. Vor allem in der Wasserburger Straße machten die Bürger ihr Kreuzerl für die vermeintliche Entlastung, die der Bypass im Osten bringen sollte. Möglicherweise werden sie jetzt enttäuscht.

Paradiesisch: Die Wasserburger Straße in Grafing ohne Verkehr. Lange wird’s so nicht mehr aussehen. Foto: sro
In der Stadthalle wurde es bei der Bürgerversammlung unter den Besuchern einen einzigen Moment lang laut, als Renate Schwainberger wissen wollte: „Wie schaut’s aus mit der Straße nach Ebersberg über den Kapser Berg?“ Rathauschef Rudolf Heiler kündigte dazu folgendes an: Ab 8. Dezember werde auf der direkten Verbindung über den Kapser Berg nach Ebersberg neben dem Schulbus- auch ein Anliegerverkehr möglich sein, der in Grafing die Wasserburger Straße ab Urscher mit einbeziehen wird (wir berichteten).
Schwainberger steht mit ihrer Forderung nach der Direktverbindung nicht alleine. Auch in den Teilbürgerversammlungen in Nettelkofen und Straußdorf vorher war das Thema angeklungen. Vor allem die Eisstockschützen und die Gäste der griechischen Gaststätte am Weiher in Gsprait forderten öffentlich eine großzügige Anliegerregelung.
Nur: In der teilweise mit harten Bandagen geführten Auseinandersetzung für und wider die Ostumfahrung war vom Grafinger Rathaus immer kommuniziert worden, dass die Wasserburger Straße künftig deutlich entlastet werde. Unter der Öffnung des Kapser Berges wird dieser Entlastungseffekt in jedem Fall leiden. Es stellt sich für die Anlieger die Frage, wie viele den Umweg über den Sandberg in die Kreisstadt machen werden, wenn die kürzeste Verbindung auf der alten Trasse am Kapser Berg als attraktive Alternative winkt.
Interessant wird eine Nachbetrachtung dadurch, dass dem Bürgerbegehren der Schutzgemeinschaft für den Grafinger Osten damals nur vier Stimmen fehlten. Das Ratsbegehren hingegen brachte es auf eine deutliche Mehrheit von 58,6 Prozent. Aber auch hier waren die Befürworter am deutlichsten im Stimmbezirk 2 festzustellen. Und zu dem gehören die Bürger der Wasserburger Straße, die sich wahrscheinlich einen deutlicheren Entlastungseffekt versprochen haben.
Der Ebersberger Rathauschef Walter Brilmayer bestätigte auf Nachfrage der Ebersberger Zeitung, dass mit der Einbeziehung der Wasserburger Straße in der Nachbarstadt einem Wunsch der Grafinger selbst entsprochen worden sei. Die Lösung sei das Ergebnis eines Gesprächs zwischen ihm und Brilmayer gewesen, bestätigte Heiler auf der Bürgerversammlung.
Im Planfeststellungsbeschluss zur B 304-Südumfahrung aber steht etwas anderes. Dort ist laut Brilmayer festgehalten, dass die Anliegerregelung über den Kapser Berg nur bis Wiesham greifen sollte. „Aber die Ebersberger haben auch nichts gegen die Wasserburger Straße“, kündigt er an.
Der Ebersberger Bürgermeister glaubt übrigens nicht, dass viele Autofahrer nach Öffnung der Südumfahrung die „Direttissima“ in die Kreisstadt nehmen werden. Er erinnert zur Begründung dieser Einschätzung an die Beschwerden, die es wegen des regelmäßigen Staus vor der Ampel an der Ebersberger Bahnunterführung immer gegeben habe.
Robert Bösl, selbst Anlieger in der Wasserburger Straße, glaubt sogar, dass der Verkehr in unmittelbarer Nachbarschaft künftig nicht weniger, sondern eher mehr wird - vor allem der Schwerlastverkehr. „Die Lkw nützen zunehmend die Straße über Wiesham. Wir werden in der Münchner Straße deshalb mehr Verkehr haben“, befürchtet er.
Von Michael Seeholzer
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