Grafing - „Inklusion - Vision und Realität.“ So ist eine Podiumsdiskussion überschrieben, die das Betreuungszentrum (BZ) Steinhöring im Rahmen seiner Festwoche zum 40-jährigen Bestehen am heutigen Mittwoch, 6. Juli, veranstaltet.

Georg Pirchmoser an seinem Außenarbeitsplatz in der Metzgerei Fischer in Steinhöring.
Fachkräfte des BZ, Gymnasiallehrer, Kooperationspartner und Menschen mit Behinderungen schildern dabei ihre Erfahrungen aus verschiedenen Integrationsprojekten und diskutieren mit Vertretern aus Politik und Praxis, inwieweit das selbstverständliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung im Landkreis geglückt ist. Beginn der Debatte ist um 19 Uhr.
Das Prinzip der sozialen Inklusion ist Kernstück der UN-Behindertenrechtskonvention. Demnach muss es auf Basis der Bürgerrechte Ziel einer jeden Gesellschaft sein, Menschen in ihrer Individualität zu akzeptieren und alle in sämtlichen Lebensbereichen in vollem Umfang teilhaben zu lassen. In diesem Sinne ist die Inklusion weiterführender als die Integration. Denn diese meint die Eingliederung von bisher „ausgesonderten“ Personen. Inklusion hingegen bedeutet, die Verschiedenheit im Gemeinsamen anzuerkennen. Die Menschen sollen demnach nicht mehr in Gruppen geteilt werden, wie anderssprachig, hochbegabt oder behindert. Vielmehr zielt dieses Konzept auf eine Gesellschaft ab, in der alle Mitglieder in allen Bereichen selbstverständlich teilnehmen können und auf die unterschiedlichen Bedürfnisse ebenso selbstverständlich Rücksicht genommen wird. Im Gegensatz zur Integration geht es folglich nicht darum, bestimmte Gruppen an die vorherrschende Gesellschaft anzupassen.
Dieses Konzept der Inklusion versucht das BZ in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kooperationspartnern seit Jahren mit mehreren Projekten im Landkreis umzusetzen. Drei dieser Projekte stellten Beteiligte im Rahmen der Podiumsdiskussion vor.
Viktoria Antoni-Gschwendtner von den Werkstätten des BZ und Petra Fischer-Slowik von der Metzgerei Fischer in Steinhöring stellen das Projekt Außenarbeitsplatz für Werkstattbeschäftigte vor. Insgesamt gibt es im Landkreis rund 20 solcher Außenstellen, etwa auch in Gärtnereien, Kindergärten oder Cafés. Unterstützt von Mitarbeitern des BZ arbeiten dort Menschen mit Behinderungen, die sonst in den Werkstätten beschäftigt sind, in den regulären Abläufen stundenweise mit.
Werner Retzlaff vom BZ, der den Bereich des ambulanten Wohnens mitbetreut, und Projektteilnehmerin Simone Müller schildern aus ihren unterschiedlichen Warten das Leben eines Menschen mit Behinderung in einer eigenen Wohnung.
Ob diese Projekte rundum geglückt sind, die Inklusion im Landkreis Eberrsberg auf einem guten Weg ist, oder aber Handlungsbedarf herrscht, soll im Anschluss der Berichte ausführlich diskutiert werden. Betroffene, aber auch die Besucher können dabei mit Vertretern der Kreis- und Bezirkspolitik nicht nur über den Status quo und notwendige Verbesserungen debattieren, sondern auch grundsätzliche Fragen zu Chancen und Grenzen des Konzeptes Inklusion erörtern. (ez)
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