Holzkirchen - Er hasst Heinzelmännchen und Käse, liebt Hobelspäne und Streiche: der Pumuckl. Jetzt feiert der Kobold seinen 50. Geburtstag, vor einem halben Jahrhundert sendete der BR das erste Pumuckl-Hörspiel. Später kam er ins Fernsehen, und Ulrich König aus Holzkirchen führte Regie. Wir sprachen mit dem Filmemacher.

-Pumuckl ist ein talentierter Dichter. Welchen seiner Reime können Sie spontan aufsagen?
…doch am meisten wärmeln Pullis mit zwei Ärmeln.
-Was war sein gemeinster Streich?
Stehlen und lügen bei „Der große Krach“.
-Hatten Sie nach einem arbeitsreichen Tag das Gefühl, dass ein Klabauter durch Ihr Zuhause spukt?
Spuken? Nö! Hatte ja schon Tochter Daniela, die koboldrote Haare hat. Die hat genug gekoboldet.
-Sie haben 52 Pumuckl-Folgen mit Gustl Bayrhammer gedreht. Damit feierten Sie Ihren Durchbruch. Wie sind Sie zu der Serie gekommen?
Zur Serie bin ich gekommen, weil mir Produzent Manfred Korytowski eine andere Geschichte von Ellis Kaut vorgeschlagen hatte, die mir nicht gefiel. „Wenn was von Ellis Kaut, dann nur Pumuckl!“, war meine Antwort.
-Für das Film-Team war der Kobold immer unsichtbar, da er als Trickfigur nachträglich in die Aufnahmen kam. Was war dabei das schwierigste?
Das war nicht so schwierig. Bayrhammer hat sich schnell daran gewöhnt, sich den Kobold dort vorzustellen, wo ich ihm die Position angesagt hatte. In den ersten drei Wochen haben wir noch bei den Proben Bierflaschen als Blickpunkt hingestellt. Zusätzlich hatte ich einen Trick parat: Auch im richtigen Leben sieht man sich nicht permanent an. Je weniger Meister Eder direkten Blickkontakt aufnahm, umso seltener musste der Blick 100 Prozent stimmen.
-Wie hat man die Gegenstände bewegt, die der Pumuckl benutzt hat?
Wir haben hauptsächlich mit extrem dünnen Wolframdrähten gearbeitet. Wirklich stolz bin ich darauf, dass sich heute niemand etwas dabei denkt, wenn Pumuckl einfach ein Glas hochhebt und daraus trinkt.
-Sie haben meist als Dialogpartner für den Meister Eder fungiert. Haben sich dabei spontan neue Gags entwickelt?
-Der häufigste Drehort war die Werkstatt in der Widenmayerstraße Nummer 2 in München. Warum eignete sich die Kulisse gut?
Das Häuschen war früher tatsächlich mal eine Schreinerwerkstatt. Hier entstand außerdem auch die Idee.
-Das Gebäude ist abgerissen. Würden Sie gerne dorthin zurückkehren?
Nö! Das Haus war nass, schief und nicht gemütlich. Da betrügt das filmische Auge manchmal enorm.
-Viele Jüngere wissen es nicht, aber Gustl Bayrhammer war bereits der dritte Meister Eder. Warum war er der perfekte Schreinermeister?
Franz Fröhlich gab es meiner Meinung nach nicht mehr, und Alfred Pongratz war irgendwann auch schon zu alt, glaube ich. Jedenfalls war klar: Meister Eder ist Gustl Bayrhammer.
-Warum war der freche Pumuckl so erfolgreich?
Weil er den Wunschtraum aller Kinder erfüllt. Frech sein dürfen, verbotene Dinge tun und nicht wirklich für den Unfug bestraft werden. Für mich war es sehr spannend, dass Pumuckl eine Serie mit pädagogischem Auftrag war und ich die etwas überholte „originale Pädagogik“ vorsichtig modernisieren wollte.
-Wenn es eine neue Pumuckl-TV-Serie gäbe: Bräuchte der rothaarige Kobold einen Relaunch? Oder ist er zeitlos?
Ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster: Schon mit 27 Jahren hatte ich begriffen, dass man möglichst viele für die Zeit markanten Dinge des Alltags weglassen muss. So kommen Fahrzeuge nur vor, wenn es unbedingt sein muss. Schon unsere Filme sind daher ziemlich zeitlos - dann ist es der Pumuckl auch.
-Momentan drehen Sie einen Film in Afrika. Sehnen Sie sich manchmal nach Pumuckl?
Ich bin eh ständig damit konfrontiert, weil wieder irgendeiner meiner Mitarbeiter verrät, dass ich Pumuckl gemacht habe. Egal, wo. Die Erwachsenen erzählen mir dann, dass sie mit meinen Filmen groß geworden sind (macht mich selbst extrem alt, so gefühltes Heesters-Alter). Hier in Afrika gibt es genügend andere Kobolde. Also kann der Pumuckl ruhig beim Meister Eder bleiben, oder bei uns in Holzkirchen.
Das Gespräch führte
Marlene Kadach
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