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Musikcafé WeyHalla wandelt sich von steriler Bude zu einer Bühne mit Patina

Fünf Jahre WeyHalla

Von der sterilen Bude zur Bühne mit Patina

Er war der Wirt der Kantn in Neuhaus, bevor er die WeyHalla als Musikcafé etablierte. Seit fünf Jahre holt Girgl Ertl (49) nun schon Wochenende für Wochenende namhafte Bands nach Weyarn. Zeit für eine Bilanz.

WeyHalla Wirt Girgl Ertl rockt.

© Andreas Leder

Er rockt sogar bei den Vorbereitungen fürs große Fest: WeyHalla-Wirt Girgl Ertl macht sich und sein Musikcafé bereit für das fünfjährige Jubiläum.

Herr Ertl, vor fünf Jahren haben Sie die WeyHalla eröffnet. Sind Sie mittlerweile in Weyarn angekommen?

Weyarn taugt mir sehr gut. Ich komme gut mit den Leuten aus. Hier tut man sich leichter, ohne großes Investment etwas auf die Füße zustellen. Und für mich ist es sogar ein besserer Ort als zum Beispiel Holzkirchen. Da hätte ich ganz andere Nebenkosten.

Dann trauern Sie der Kantn, Ihrem ersten Musik-Treff am Bahnhof in Neuhaus, der abgerissen wurde, gar nicht mehr hinterher?

Die Kantn, das war für mich ein Abenteuerurlaub. Wie alleine unter Bären in Kanada. Ich wollte eigentlich bloß für vier Wochen mal etwas anderes machen. Und dann bin ich zwei Jahre hängen geblieben. Schade, dass hier die Gelegenheit verschlafen wurde, dieses einzigartige historische Gebäude zu erhalten. Das war sensationell. Viele andere Gemeinden hätten sich die Finger danach abgeschleckt.

Wie unterscheiden sich Kantn und WeyHalla?

In der Kantn gab es einige legendäre Feste und dann auch eine Weile mal gar nichts. Ich war von den Launen der Politiker abhängig. Das war schon arg derb. Ich konnte nie Strukturen schaffen. Dadurch war die Kantn sehr improvisiert. Sie hätte es verdient gehabt, erhalten zu bleiben.

Und in der WeyHalla?

...regnet es nicht zum Dach rein. Es ist alles etwas moderner. Aber hier kann ich meinen Job richtig ausführen, kontinuierlich etwas aufbauen. Die Gemeinde ist sehr freundlich und bemüht. Zudem habe ich in Anschi Hacklinger und dem Verein MuKK unglaublich liebenswürdige Mitstreiter.

Aber wo war oder ist es authentischer?

Atmosphärisch konnte die WeyHalla am Anfang nicht mithalten mit der Jahrzehnte alten Holzbaracke in Neuhaus. Sie war im Vergleich eine sterile Quadratschachtelbude mit OP-Hallen-Charme. Da sind die Leute nicht gern hingefahren.

- Das hat sich geändert.

Ja, mittlerweile hat sie auch Patina angesetzt. Ein Musikcafé muss Atmosphäre haben, muss ursumpfig, reingelebt sein. Da müssen Töne und Noten noch in der Wand hängen, und es muss ein Lied ertönen, wenn man mit der Hand drüberstreicht.

Wer kommt eigentlich in die WeyHalla?

Die WeyHalla ist eher eine Ü-30-Veranstaltung – mit sehr freundlichem Publikum. Hier, etwas ab vom Schuss, passen alle sehr darauf auf, was sie trinken. Für mich bedeutet das zwar, dass ich einen nicht so hohen Getränkeumsatz habe, aber wegen mir muss sich keiner sein Hirn wegsaufen. Vier Mass Spezi sind auch ok, oder? Gleichzeitig ist das auch ein Segen. Ich hatte hier noch keine Schlägerei. Wo viel gepichelt wird, gibt es automatisch mehr Gezeter – das brauche ich nicht.

Was ist eigentlich von dem musikalischen Motto der WeyHalla „Von Hoagascht bis Hardrock“ geblieben?

Das umfasst ja alle Musikstile von bayerischer Volksmusik über Hardrock, Samba bis zu Blues, Country und so. All das gibt es hier. Nur beim Hoagascht hat sich noch nichts gerührt. Die heimischen Musiker ziehen nicht so. Als wir mal einige solcher Jam-Sessions veranstaltet hatten, waren mehr Leute aus Ingolstadt und Burghausen da als aus dem Landkreis. Das war sehr peinlich.

Sie sind ja ein gastronomischer Quereinsteiger, waren zuvor im Gartenbau und als Trucker beschäftigt. Worin liegt denn für Sie der Reiz eines Musikcafés?

Der Reiz liegt in der Vielfalt. Ich mag mich selbst nicht langweilen. Ich könnte auch ohne die Kneipe ganz gut leben. Aber mir macht es Spaß mit den Musikern, den bunten Leuten und Gästen hier. Schöner kann man gar nicht arbeiten. Bei einem 8-bis-17 Uhr-Job würde ich die Krise kriegen.

Nach fünf Jahren schleicht sich doch sicher auch da Routine ein?

Ja, aber gleichzeitig kann ich dadurch mehr in die künstlerischen Belange schlüpfen, die WeyHalla organisatorisch weiterentwickeln. Der Turnhallenkomplex bietet noch einen Haufen Möglichkeiten, und ich habe noch einiges zu lernen.

Aber Sie bieten doch schon bis zu drei Konzerte am Wochenende.

...und Fußballabende und den MuKK-Kneipenfilm und Kindertheater. Trotzdem fehlen mir noch die letzten zehn Prozent, um auch ein Mal im Jahr Urlaub zu machen. Die WeyHalla ist noch nicht ganz ausgenutzt. Ich kann sie mir im Sommer auch gut als Hacienda vorstellen, wo man geschmeidige Feste feiern kann. Da ist noch Potenzial.

Welchen Star oder welche Band würden Sie gerne mal auf Ihrer Bühne erleben?

Glenn Hughes oder Deep Purple. Am liebsten Styx. Auch wenn die nicht mehr ganz so frisch sind, rocken tun sie wie eh und je.

Das Gespräch führte Daniela Dinstbier

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