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Bildhauer Tobel aus Hohendilching arbeitet mit tonnenschweren Granitblöcken

Auf der Suche nach der Seele des Steins

Granit hat es dem Bildhauer Tobel aus Hohendilching angetan. Er ist fasziniert von der Wirkung des Materials, davon, dass es schon Millionen Jahre alt ist. Tonnenschwere und monumentale Skulpturen formt er daraus. Ein Besuch.

© Thomas Plettenberg

Der Künstler und seine Arbeit: Spiralen haben es Tobel angetan. Sie arbeitet er in tonnenschwere Steinblöcke ein.

Es ist ein kleines Atelier. Fast zu klein dafür, dass hier monumentale Steinskulpturen entstehen sollen. Und aufgeräumt ist es. Auf der Werkbank stehen zwei Modelle. Von Staub, Schmutz und gerade benutztem Gerät keine Spur. Winkelschleifer mit Diamantscheiben und Presslufthammer liegen ordentlich aufgereiht auf einer Ablage. „Hier sind schon lange keine großen Arbeiten mehr entstanden“, erklärt Tobel (43). Das etwa zehn Quadratmeter große Atelier mit einer breiten Fensterfront am Ufer der Mangfall in Hohendilching ist mehr Ideenschmiede als Werkstatt für den Bildhauer.

Von der Werkbank aus blickt er eine lange Einfahrt entlang. Rechts hebt sich sanft der Hügel zum Dorf hinauf, links wächst die Uferböschung in den Himmel. „Hier habe ich keine direkten Nachbarn, keinen Autolärm.“ Hier findet er Ruhe, weit ab von Termindruck, um die Ideen für seine monumentalen Steinskulpturen zu entwickeln. Einmal hat er vor seinem Atelier an einem zehn Tonnen schweren Projekt gearbeitet, über mehrere Wochen. Das war den Hohendilchingern zu laut. Die nächsten Häuser stehen etwa 50 Meter entfernt. Doch für Tobel liegt der Reiz gerade darin, im Großen zu arbeiten. „Ich will mit Technik und Handwerk in das Material gehen.“ Die Seele und das Herz des Steins, sein Innerstes freilegen – und dabei die Gewalt des Materials, seine Wirkung unberührt lassen. „Ich kämpfe nicht gegen den Stein, sondern arbeite mit ihm.“

Früher hat er es mal mit Holz versucht. Das war von den umliegenden Waldbauern günstig zu bekommen. Eine acht Meter hohe Skulptur hat er daraus geschnitzt und sie öffentlich aufgestellt. Bis sie von innen verfaulte und auf ein Auto fiel – Totalschaden. „Seitdem habe ich mit Holz nichts mehr gemacht.“ Jetzt trotzen seine Arbeiten jeder Witterung, sind massiv und mehrere Tonnen schwer. Die Blöcke sucht er sich in Steinbrüchen zusammen. Meist dauert es nicht lange, bis er die richtigen gefunden hat. Tobel bevorzugt Granit. Das liegt an der Struktur, am Ausdruck des Materials. Auch mit Marmor hat er schon gearbeitet. Das gehe leichter, sehe exotischer aus, „aber Granit ist älter, hat eine andere Wirkung und kommt meiner Formgebung entgegen“. Und die ist einfach, wie er sagt. „Zeitlos.“ Oft dreht Tobel Spiralen in das Millionen Jahre alte Material. Sie seien jeweils nur kleine Ausschnitte einer großen gedachten Spirale, die weit vor dem Stein beginne und sich nach ihm immer weiter verjünge. Gleichzeitig geht es ihm darum, der Kraft und Masse des Steins zum Ausdruck zu verhelfen.

Besonders gut kommen seine Arbeiten in Asien an. Dort hat Tobel an zahlreichen Symposien teilgenommen und Wettbewerbe gewonnen, erst jüngst den ersten Preis beim Public Art Festival im chinesischen Mudanjiang Jingpo. 14 Tonnen Stein umfasste sein Entwurf. Jetzt wollen ihn die Chinesen mit einem 30 Tonnen schweren Block realisieren. Doch Tobel selbst wird die Skulptur nicht fertigstellen. Das geht zeitlich und körperlich nicht. „Meine Modelle sind sehr präzise. Die kann auch ein anderer umsetzen.“ Warum er in Asien mit seiner Kunst erfolgreich ist, kann sich der 43-Jährige nicht erklären. Dort gebe es einfach ein größeres Interesse an Steinskulpturen. In Deutschland vermisst er das. „Steinskulpturen haben in Asien eine andere kulturelle Bedeutung.“ Er bringe einen europäischen Stil dorthin. Deshalb werde er häufig eingeladen, eine Skulptur für einen städtischen Raum, einen Platz oder Firmenpark zu entwerfen.

Hätte er die Wahl, würde ein Tobel in der Natur stehen, nicht in der Stadt, im Museum oder in einer Galerie. Denn für den Hohendilchinger braucht es einen Ort der Ruhe, um Kunst wahrzunehmen. „Aber ganz so frei bin ich nicht.“ Wichtig ist für ihn, dass sich die Betrachter mit den Skulpturen auseinandersetzen – auch ganz unmittelbar. Anfassen ist bei seinen Arbeiten unbedingt erwünscht – genauso wie Reinkrabbeln. Um das Material zu begreifen. Von einer „heiligen Stellung der Kunst“ hält er nichts. Im Gegenteil: „Ich habe nichts dagegen, wenn die Leute auf meinen Skulpturen mal ein Picknick machen.“

Daniela Dinstbier

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