Karlsfeld - Walter Weissenbach hat einen Ausflug hinter sich, den er so schnell nicht vergessen wird. Versprochen wurde ihm ein LCD-Fernseher. Statt einem Geschenk bekam er nur Beleidigungen. Erst im Nachhinein merkte er: Er hatte an etwas teilgenommen, worauf er nie reinfallen wollte: an einer Kaffeefahrt.

Geblendet und getäuscht: Walter Weissenbach ist mit einer dubiosen Einladung und leeren Versprechungen auf eine Kaffeefahrt gelockt worden. Foto: kwo
Walter Weissenbach ist ein unternehmungslustiger Mensch. Jemand, der gerne neue Leute kennenlernt und gerne rauskommt aus seinem Zuhause in Karlsfeld. Als vor wenigen Tagen eine Einladung zu einer Jubliäumsfahrt des TV-Mediacenters Deutschland in seinem Briefkasten lag, war er dennoch erst einmal skeptisch. Ein neuer LCD-Fernseher, ein hochwertiges Reiseradio und ein kostenloses Mittagessen wurden ihm in dem Schreiben versprochen. Dazu ein Gratis-Ausflug, Ziel unbekannt.
Die Anmerkung, dass es sich um keine Kaffeefahrt, sondern um eine Jubiläumsfahrt des Unternehmens handle, überzeugte ihn schließlich. Er meldete sich an und saß wenige Tage später in einem Reisebus mit zwölf anderen „Gewinnern“.
Auf der Rückfahrt waren die Jubiläumsfahrt-Teilnehmer nur noch zu neunt. Und keiner von ihnen hatte einen neuen LCD-Fernseher im Gepäck. Vier Mitreisende hatten sich vor Ort entschieden, einige der angepriesenen Produkte der Firma zu kaufen. Sie bekamen den Spezial-Service: eine Autofahrt direkt zur nächsten Bank, denn gezahlt werden konnte nur in bar.
So aggressiv, dass er wenige Minuten später alle Gäste, die nichts kaufen wollten, vor die Tür setzte. „Er hat uns wirklich rausgeschmissen und mit dem Bus nach Hause geschickt.“
In Karlsfeld kam Walter Weissenbach mit einer unglaublichen Wut im Bauch an. Er wollte sich bei den Veranstaltern beschweren und fand auf der Einladung eine Service-Nummer der Firma TV-Mediacenter - direkt über dem Slogan „Vertrauen und Ehrlichkeit setzen sich durch“. Einen Gesprächspartner bekam er nie an den Apparat, es war immer nur ein Anrufbeantworter zu hören - auch die DN-Redaktion erreichte telefonisch keinen Mitarbeiter der Firma. „Ich wollte einfach wissen, ob sie sich entschuldigen“, sagt er. Nun hat seine Geduld allerdings ein Ende. Er spielt mit dem Gedanken, den Verkaufsleiter wegen Beleidigung anzuzeigen. „Zeugen hätte ich schließlich genug“, sagt er. Der Karlsfelder hat auf der Fahrt einige Leute kennengelernt, mit denen er in Kontakt bleiben will.
Auf eine weitere Einladung wird er aber nie wieder hereinfallen, ist er sich sicher. Egal von welchem Veranstalter, egal mit welchen Lockangeboten. Seit diesem Ausflug sind bereits zwei neue Einladungen in seinem Briefkasten gelandet - und in den Briefkästen einiger Nachbarn im Rentenalter. Sie will Walter Weissenbach mit seiner Geschichte warnen. Es ist das Einzige, was er im Nachhinein gegen das TV-Mediacenter Deutschland machen kann. (kwo)
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