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Doppelmord: Obduktion bestätigt grausamen Todeskampf

Doppelmord: Obduktion bestätigt grausamen Todeskampf

München - Wie grausam die beiden Schwestern Chiara und Sharon getötet worden sind, hat ein Rechtsmediziner jetzt vor dem Landgericht München II berichtet. Demnach haben sie minutenlang um ihr Leben gekämpft.

© dpa

Sie haben sich gewehrt, immer wieder: die kleine Chiara, 8, und ihre ältere Schwester Sharon, 11. Professor Wolfgang Keil vom Institut für Rechtmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München spricht von einer „seltenst zu beobachtenden intensiven Gewaltanwendung“. Die beiden Mädchen aus Krailling, sie wurden niedergemetzelt. Vom eigenen Onkel, so steht es in der Anklageschrift. Jetzt wurden vor Gericht Details des Todeskampfes bekannt – der viele Minuten lang dauerte.

Thomas S., 51, soll seine Nichten ermordet haben. Mitten in der Nacht sei er in das Haus seiner Schwägerin geschlichen und habe die Kinder erwürgt, erschlagen, erstochen. Das glaubt die Staatsanwaltschaft. Auch die Schwägerin habe er umbringen wollen – um ans Erbe zu kommen. Die Mutter von Sharon und Chiara überlebte jedoch. Vielleicht ein Zufall. Weil sie erst spätnachts nach Hause kam. Da war der mutmaßliche Täter längst weg.

Seit Prozessauftakt Mitte Januar schweigt Thomas S. zu den Vorwürfen; die Indizien sind allerdings erdrückend: Die Beamten haben mehrere DNA-Spuren des Postboten entdeckt – in der Wohnung seiner Schwägerin, aber auch an den Leichen der Mädchen.

Während zwei Rechtmediziner am Freitagvormittag im Sitzungssaal A 101 des Landgerichts München II die Verletzungen der Kinder beschreiben, sitzt der Angeklagte regungslos da. Er spielt mit seinem Kuli, macht sich hin und wieder Notizen – und einmal grinst er sogar. Da spricht Professor Keil gerade von der kleinen Chiara. „Der Stich in den Hals – der war absolut tödlich“, sagt der Experte. Der mutmaßliche Täter soll auf das Kind nicht nur mehrfach eingestochen, sondern es auch mit einer schweren Hantelstange malträtiert haben – immer wieder. Von Schädelbrüchen ist die Rede, von einer zertrümmerten linken Ohrmuschel, von Blutungen unter der Hirnhaut. Woran Chiara letztlich gestorben ist? Das sei schwer zu sagen. „Jeder Verletzungskomplex war geeignet, den Tod herbeizuführen“, erklärt Professor Keil. Jedes Mal muss der mutmaßliche Mörder also besonders brutal vorgegangen sein.

„Das Kind hat sich gewehrt. Die Zeitdauer war nicht kurz“, sagt auch Matthias Graw, Chef des Rechtmedizinischen Instituts der Ludwig-Maximilians-Universität München, über Sharon, die ältere Schwester von Chiara. Dieses Mädchen verblutete innerlich; Thomas S. soll das kleine Herz durchstochen haben. Die Lunge zerfetzt. Den Oberbauch aufgeschlitzt.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Thomas S. zunächst Chiara erwürgen wollte – dabei jedoch von ihrer Schwester Sharon überrascht wurde. Daraufhin, so heißt es in der Anklageschrift weiter, ließ er von Chiara ab und tötete Sharon. Dann ging er wieder auf die Kleinere los – und ermordete auch sie.

Das Urteil soll bereits Ende März fallen. Die Staatsanwaltschaft spricht von „Mord aus Habgier.“

B. Nazarewska & A. Forster

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