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Freunde stemmen erstes Live-Konzert nach den Morden an Chiara und Sharon

Freunde stemmen erstes Live-Konzert nach den Morden an Chiara und Sharon

Krailling - Im Kraillinger Schabernack wird drei Wochen nach den Morden an die Mädchen Chiara und Sharon wieder Live-Musik gespielt. Eintritt und Gage wandern in einen Spendentopf.

© Sauer

An der Eingangstür, die vom Biergarten her ins „Schabernack“ führt, hängt ein Foto. Es ist ein Zeugenaufruf der Kripo und zeigt Thomas S., den in Untersuchungshaft sitzenden, dringend Tatverdächtigen im Doppelmord-Fall Chiara und Sharon. Daneben ein Zettel, der erklärt, dass die Musikkneipe weiter geführt wird. Pächter ist der Lebensgefährte der Mutter der beiden in der Nacht auf den 24. März ermordeten Mädchen, die Mutter selbst hat ebenfalls in dem Lokal gearbeitet - bis zu jener Nacht im März, als das Leben ihrer Töchter brutal endete und ihr eigenes Leben auseinanderbrach.

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Freunde des Paars und Stammgäste des „Schabernack“ haben an der Tür schriftlich zum Ausdruck gebracht, dass sie helfen wollen, indem sie den Laden in Abwesenheit der Hausherren weiterführen. Es sei nun einmal das, was sie für ihre Freunde nach deren vorläufigem Rückzug tun könnten, erklärt der Zettel. Ein Signal des Trostes in einer Situation unrettbarer Untröstlichkeit.

An diesem Samstagabend findet zum ersten Mal nach den tragischen Ereignissen vom März wieder ein Live-Konzert statt - bayerischer Folkrock mit der Gruppe „Irxn“. Ein anderer Künstler, der nicht weit von Krailling wohnt, habe kürzlich abgesagt, erzählt Richard, der heute am Einlass die Kasse macht: Es sei ihm noch zu früh gewesen, selbst für ein Benefiz-Konzert.

Vielleicht war ihm die Sache auch buchstäblich zu nahe gegangen. „Irxn“ aber ist nicht aus der Gegend, der Gig für diesen Samstag war schon länger ausgemacht, und der an Irish Folk erinnernde Stil der fünfköpfigen Band ist jetzt womöglich genau das Richtige, um auch musikalisch zu sagen: Das Leben muss weitergehen, irgendwie.

Die Kneipe füllt sich, manche kommen nur auf ein paar Bier, andere setzen sich vor die kleine Bühne. Es gibt viele Umarmungen zur Begrüßung, das war im „Schabernack“ schon immer so. Der „Irxn“-Sänger sagt zu Beginn des Konzertes, dass er und seine Leute den schrecklichen Geschehnissen vom März „etwas Positives entgegen setzen“ wollen: Die Gagen gehen in den Spendentopf, der eingerichtet wurde und auch heute Abend sichtbar auf dem Tresen steht. Auch fünf Euro von jeder verkauften CD spenden die Musiker, die mit ihren mal balladenhaften, mal kernigen Liedern von Hoffnung und Zusammenhalt singen: „Olles nei macht der Mai“, heißt ein besonders eingängiges, und die Leute gehen beim Refrain begeistert mit.

So war es in all den Jahren oft im „Schabernack“: Die Fiedel gab die Melodie vor, und die Gäste feierten irgendwie das Leben jenseits der modernen, allzu schicken Zeiten. Es war für viele im Würmtal ihr zweites Wohnzimmer, ein Ort des Aufgehobenseins. Das soll auch so bleiben, trotz allem, was passiert ist. Ein paar Meter weiter flackern noch immer Gedenk-Kerzen vor dem Haus, in dem die Morde geschahen. Die dort für Sharon und Chiara abgelegten Blumen und Plüschtiere frieren vor sich hin in dieser kalten Nacht. „Ewigkeit blüaht“, singt der Sänger.

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