Krailling/München - Der Angeklagte grinst und schweigt. Doch die Angehörigen zeichnen ein düsteres Bild von Thomas S. – jenem Mann, der aus Habgier seine Nichten getötet haben soll. Tag sieben im Prozess um den Doppelmord von Krailling.

© ap
Das Bild entstand am 24. März 2011 und zeigt wie die Leichen der Mädchen verladen werden
Diesmal schweigt Ursula S. Kein Wort, sie will nicht aussagen. Nicht hier, nicht vor Gericht. Nicht wenn „er“ nur wenige Meter entfernt sitzt – auf der Anklagebank. Vielleicht hat Ursula S., 45, schon zu viel gesagt, in all den Interviews für den „Stern“ oder die „Bild“. Vielleicht hat sie jetzt Angst. Angst vor dem eigenen Mann.
Kurz nach seiner Verhaftung hatte sie die Scheidung eingereicht. Das Verfahren läuft. „Ich habe mit einem Mörder in einem Bett geschlafen“, sagte sie ihrem Patenonkel. Seit April 2011 sitzt Thomas S., 51, in Haft: Er soll seine Nichten Sharon, 8, und Chiara, 11, ermordet haben.
Dass Ursula und Thomas S. immer wieder Geldprobleme und massiven Streit hatten, bekam die ganze Familie mit. Jahrelang. „Es war jedes Mal ein fürchterliches Theater“, erzählt Doris S., die Schwiegermutter des Angeklagten – und Oma der ermordeten Mädchen. „Es ging immer nur um Geld.“ Zwei Stunden lang sagt Doris S. vor Gericht aus. Sie erzählt, dass Ursula S. mit den vier Kindern oft Zuflucht bei ihr suchte – und dass Thomas S. seine Familie oft bedrohte; auch das Wort „umbringen“ soll da gefallen sein.
Irgendwann erträgt Doris S. die Situation nicht mehr, kommt mit dem Schwiegersohn nicht zurecht, der sie mal ignoriert, mal wüst beschimpft und einmal sogar rausschmeißt. „Es ist jedes Mal eskaliert“, sagt sie. Deshalb macht sie 2009 „Schluss“. Kontaktabbruch zu ihrer Tochter Ursula und deren Mann Thomas. Über ihre zweite Tochter Anette – der Mutter von Sharon und Chiara – bekommt sie am Rande mit, dass es neue Querelen ums Geld gibt.
Ursula und Anette hatten nämlich nach dem Tod ihres Vaters unter anderem eine Wohnung geerbt – im Wert von etwa 90 000 Euro. Thomas S. soll Anette massiv gedrängt haben, ihre Schwester auszuzahlen. Ihm lief ja die Zeit davon, bald sollte sein Haus unter den Hammer. Doch Anette brauchte Zeit. Und die hatte Thomas S. offenbar nicht.
Barbara Nazarewska
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