Bad Tölz - Ruth und Rudolf Ziegler haben deutsche Geschichte am eigenen Leib erfahren. Sie überlebten die Bomben auf Dresden und eine Flucht aus der DDR.

So richtig prominent sind die Tölzer Ruth (83) und Rudolf (82) Ziegler nicht gerade, doch bekannt ist der Name durchaus: Bis vor rund 20 Jahren war nahezu jedem Kind die Aufschrift „Automaten Ziegler“ geläufig, die an nahezu jedem Spielautomaten im Oberland prangte.
Vor etwa 40 Jahren war der Name bereits durch alle Gazetten bundesweit gezogen, als der Familie Ziegler die spektakuläre Flucht per Segelboot über die Ostsee aus der ehemaligen DDR gelang. Und vor 60 Jahren, exakt am 29. August 1950, führte Rudolf seine Ruth zum Altar, beides gebürtige Dresdner, um den Bund fürs Leben einzugehen. Gestern feierten die beiden im Familienkreis mit einem Empfang am Rathaus der Stadt Bad Tölz ihre Diamantene Hochzeit.
Bereits in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte Rudolf Zieglers Vater den Betrieb gegründet. „Unsere Automaten standen auf nahezu allen deutschen Bahnhöfen. Mit knapper Müh und Not habe ich mit meinem Vater dann am 13. Februar 1945 den Dresdner Feuersturm nach den Bombenangriffen überlebt. Allerdings hat ihn das schreckliche Erlebnis gebrochen, er starb dann 1946.“ Doch Rudolf Ziegler, damals 17-jährig, baute das Geschäft aus den Trümmern wieder auf. So erfolgreich, dass seine Spielautomaten bis 1969 nahezu im gesamten Gebiet der ehemaligen DDR standen.
„Uns ging es damals nicht schlecht. Wir waren so halb privilegiert. Aber wenn du als Selbstständiger nicht regimekonform bist, ständig benachteiligt wirst, hältst du auf Dauer den Druck nicht aus“, erzählt der Geschäftsmann. Auch sei immer wieder seitens des Staatssicherheitsdiensts versucht worden, ihn als IM (informellen Mitarbeiter) anzuwerben. So wurde der Wunsch nach Freiheit immer drängender.
Schon von Kindesbeinen an war Rudolf Ziegler dem Wasser- beziehungsweise Segelsport verbunden. So besaß er in den 60er Jahren mit seinem „Dicken“ eine seegehende Yacht: Ein Holzschiff, zehn Meter lang und drei Meter breit. „Da habe ich etwa acht Jahre lang, immer streng kontrolliert, brav die territorialen Gewässer der DDR befahren.“
Er durfte sich innerhalb der Drei-Meilen-Zone der Ostsee bewegen, nur am Tag, nie mit der Familie. Als er dann im August 1969 die Ausnahme-Genehmigung bekam für einen Turn mit Familie, fiel der Entschluss zur Flucht.
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