130.08.10|Region Bad Tölz|Region Bad Tölz|4
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Bad Tölz-Wolfratshausen - Die SPD-Debatte um die Rente mit 67 lässt auch im Landkreis die Diskussion neu aufleben. Arbeitnehmer und -geber sehen die Verlängerung der Lebensarbeitszeit weiterhin als verkappte Rentenkürzung.

© MICHAEL SOHN
Scharfe Proteste hatte die schrittweise Erhöhung des Rentenalters auf 67 zur Folge. mm-Archiv
Für schlicht nicht durchführbar hält Herbert Kozemko, Obermeister der Tölzer Bauinnung, die Pläne, Arbeitnehmer bis 67 arbeiten zu lassen - zumindest in seiner Branche. „Wer bis 60 auf dem Bau gearbeitet hat, der kann dann einfach nicht mehr“, sagt er. „Die Rente mit 62 war da gerade so die Obergrenze.“ Besonders in kleineren Handwerksbetrieben, in denen die Mitarbeiter nicht ins Büro wechseln können, seien die Angestellten bei körperlichen Beschwerden oft gezwungen, die Arbeit niederzulegen.
„Eine andere Anstellung bekommen die Betroffenen, die 50 oder älter sind, in der Regel dann nicht mehr“, gibt Angela Driesen-Zimmermann, Betriebsratsvorsitzende bei der Kochler Firma Dorst, zu bedenken.
Anita Reindl-Prochnau, Kreisgeschäftsführerin des Sozialverbands VdK, sieht es nüchtern: „Nach aktuellem Stand müsste ein Arbeitnehmer 45 Jahre durchgehend beschäftigt sein, um einen abschlagsfreien Anspruch auf seine Rente zu haben. Das ist nahezu unmöglich“, sagt sie. Das wisse die Bundesregierung auch ganz genau. Der Normalfall sei dann eben, dass Menschen in Frührente gehen und Abzüge in Kauf nehmen. „Und bei einem durchschnittlichen Facharbeitergehalt wirken sich da vier, fünf Jahre weniger Arbeitszeit empfindlich aus“, weiß Reindl-Prochnau aus ihrer Beratungstätigkeit.
Einschnitte im Rentensystem seien unumgänglich, argumentiert dagegen der Vorsitzende des IHK-Gremiums im Landkreis, Walter Obinger. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen verweist auf die sich wandelnde Altersstruktur: Immer weniger Einzahler in die Rentenkassen, immer mehr Rentenbezieher - „es ist also klar, dass sich etwas ändern muss“, schlussfolgert Obinger. Einzige Alternative zur Beschneidung der Renten sei eine Erhöhung der Beiträge.
Das sieht Katharina Kristen, Sprecherin der Agentur für Arbeit in Rosenheim, ähnlich. „Man wird natürlich nach Wegen suchen müssen, wie körperlich schwer arbeitende Menschen im Alter beruflich anderweitig eingesetzt werden können“, räumt sie ein. „Aber insgesamt kommen einfach zu wenige junge Fachkräfte nach, um das momentane Rentenalter aufrechtzuerhalten.“ Kristens Vorschlag: Die Arbeitsfähigkeit und Motivation der älteren Mitarbeiter könne man „mit Angeboten zur Weiterbildung und Gesundheitsförderung in den Betrieben aufrechterhalten“.
(Philipp Wenning)
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