Dachau/Indersdorf/München - Ein 53 Jahre alter ehemaliger Pfleger an der Klinik Indersdorf ist am Montag vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochen worden. Ihm war vorgeworfen worden, eine damals 14-Jährige sexuelle missbraucht zu haben, die mit Alkoholvergiftung eingeliefert worden war.

Freispruch nach der Fortsetzungsverhandlung: Das Dachauer Amtsgericht verhandelte am Montag in München, weil Videoaussagen nötig waren. Foto: kn
In der achtstündigen Verhandlung in München beteuerte der Angeklagte immer wieder seine Unschuld: „Ich habe nichts gemacht!“
Dem Mädchen, das mit 1,8 Promille im Blut eingeliefert worden war, hatte ein anderer Pfleger eine Windel angezogen. Der heute 53-Jährige sollte diese halbstündlich wechseln. Dabei sei es zu den Übergriffen gekommen, die sie teilweise bewusst, teilweise in einem Dämmerzustand mitbekommen habe, so das Mädchen. Der Angeklagte räumte ein, sie bei jedem der rund 15 Wechsel im Intimbereich gewaschen zu haben – eine Aufgabe, die er bei jedem Patienten erfülle. „Ich lasse niemanden in seinem Urin liegen.“
Eine Kollegin konnte seine Angaben bestätigen. Sie sei bei jedem Windelwechsel dabei gewesen – S. hatte sie darum gebeten. Er habe sich in ihrer Anwesenheit immer korrekt verhalten.
Ihre Mutter und ihre beste Freundin sagten vor Gericht aus, wie verstört das Mädchen damals gewesen sei – bis heute fange sie noch an zu weinen, wenn man sie auf den Vorfall anspreche. Ein Glaubwürdigkeitsgutachten zweifelte der Verteidiger wegen der enormen Alkoholisierung des Mädchens stark an.
Richter Olaf Grundmann und die beiden Geschworenen waren von der Unschuld des Angeklagten zwar nicht zu 100 Prozent überzeugt. An den Vorwürfen gegen S. hatten sie jedoch nach allen Zeugenaussagen noch mehr Zweifel. Staatsanwältin und Nebenklage hatten drei Jahre Haft gefordert. (mm)
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