115.05.09|Lkr. Ebersberg|Lkr. Ebersberg|
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Hohenlinden - Von der Krise reden andere. Die Josef Lentner GmbH in Hohenlinden hat die Auftragsbücher gefüllt, expandiert, baut neue Werkhallen und stellt zusätzliche Mitarbeiter ein. Gestern Abend wurde das Unternehmen in Nürnberg mit dem Bayerischen Gründerpreis ausgezeichnet.

Als Mathias Hausmann das Grafinger Traditionsunternehmen für den Bau von Feuerwehrfahrzeugen vor fünf Jahren übernahm, da hatte er zwar eine Vision, was aus dem Unternehmen werden könnte. „Ich habe schon erkannt, welches Potential in der Firma steckt. Dass es aber so schnell mit der Entwicklung gehen könnte, das habe ich nicht erwartet“, erklärt er gegenüber der Ebersberger Zeitung.
Der gebürtige Österreicher hat den Fahrzeugbau von der Pike auf gelernt und sich danach über den zweiten Bildungsweg intensiv weiter gebildet. 1999 stieg er bei der Josef Lentner GmbH als Produktionsleiter ein. 2004 erkrankte der Seniorchef Josef Lentner schwer. „Von heute auf morgen musste ich die Firma übernehmen. Ich hatte zwar Ahnung von der Technik, aber nicht vom Kaufmännischen“, gibt er heute offen zu.
Das Unternehmen war damals in einer schwierigen finanziellen Lage. „Die Banken hatten das Vertrauen in die Firma verloren, die Zahlen haben nicht gestimmt. Eigentlich hätte meine erste Entscheidung als Geschäftsführer der Gang zum Insolvenzgericht sein müssen.“ Doch das tat Hausmann nicht. Gemeinsam mit den Mitarbeitern schaffte er die Wende.
Es folgte die Suche nach einem neuen Firmengelände, das auch Erweiterungsmöglichkeiten bot. Fündig wurde Hausmann in Hohenlinden. „Hier stimmt das Umfeld. Bürgermeister Ludwig Maurer hat sich sehr für uns eingesetzt.“
Der Erfolg stellte sich ein. Hausmann und sein Team steigerten den Umsatz von 3,8 Millionen Euro (2005) auf zehn Millionen Euro (2008). Für 2009 sind 14 Millionen Euro geplant. Eine zweite Montagehalle am Standort Hohenlinden mit einer Länge von 72 Metern ist konkret in Planung und könne noch dieses Jahr stehen. Dadurch würden getrennte Produktionslinien möglich, eine für Fahrzeuge für den deutschen Markt, eine für internationale Kunden. Inzwischen ist der Name der Firma Josef Lentner GmbH weltweit ein Begriff. Rund die Hälfte der gebauten Fahrzeuge geht ins Ausland. Geliefert wird unter anderem nach Saudi Arabien und Singapur, nach Taiwan und Indien, nach Malaysia und China. „Dort gibt es ein großes Entwicklungspotential, weil es oft um eine Erstausstattung geht. Die deutschen Firmen, also nicht nur wir, sind da im Vorteil, weil wir sehr hohe Qualitätsstandards haben.“ Aber auch den nationalen Markt will Hausmann nicht vernachlässigen. Vor allem im bayerischen Raum und speziell im Landkreis Ebersberg will er präsent sein. „Das Heimspiel wollen wir gewinnen.“
Hausmann erwartet, dass das Unternehmen weiter wachsen wird. Er hat unter anderem einen Auftrag vom Bundesinnenministerium für 200 Löschfahrzeuge erhalten. 40 bis 50 Stück sollen pro Jahr fertig gestellt werden. Aber: „Wir haben nicht das Ziel, Marktführer zu werden. Mein Ziel sind zufriedene Kunden. Wer nur auf hohe Stückzahlen schaut, der kann die Qualität aus den Augen verlieren. Und das wird dann zum Bumerang,“ so der Firmenchef
Einen Nachteil hat das Wachstum der Firma jedoch. Hausmann kommt kaum mehr dazu, selbst Hand an die Fahrzeuge zu legen, selbst zu schrauben. „Manchmal würde ich wirklich gerne den Schreibtisch gegen einen Schweißapparat tauschen.“
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