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Ebersberger Bauern fürchten Spionage im Kuhstall

Ebersberger Bauern fürchten Spionage im Kuhstall

Ebersberg - Patente auf Brokkoli vor der Beschwerdekammer des Europäischen Patentamtes könnten erst der Anfang sein. Bauern im Landkreis befürchten noch weit Schlimmeres - nämlich Spionage im Kuhstall. Und das mit staatlicher Unterstützung.

Kühe im Stall: Hier könnte bald Spionage stattfinden, befürchten Bauern im Landkreis Ebersberg. Foto: sro

Offiziell geht es „nur“ um die Bekämpfung von Durchfall bei Rindern - die Bovine Virusdiarrhoe. Und obwohl klinische Ausbrüche dieser Krankheit wirklich nicht zu den alltäglichen Ereignissen auf einem Bauernhof gehören, widmet sich das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit mit erheblichem Engagement diesem Betätigungsfeld, was Landwirte im Landkreis zu der Frage veranlasst: „Steht der finanzielle und organisatorische Aufwand für die verpflichtende BVD-Sanierung noch im Verhältnis zu den Fallzahlen?“

Untersuchungen der Viehbestände mit dem Fernziel der Ausrottung dieser Krankheit wurden bislang anhand von Milch- oder Serumsproben gemacht - auf freiwilliger Basis. Ab Januar 2011 werden die Landwirte im Landkreis aber dazu verpflichtet. Gleichzeitig soll ihnen eine neue Untersuchungsmethode schmackhaft gemacht werden. Denn Ohrmarken bekommen die Tiere sowieso. Und mit dem dabei aus dem Ohr herausgestanzten Stück Gewebe kann das BVD-Bekämpfungsprogramm zwar auch durchgeführt werden. Nur: das kleine Stückchen Gewebe ermöglicht - anders als die Milchuntersuchung - auch eine umfassende Genanalyse.

„Die Problematik ist mir bekannt“, sagt die Leiterin des Veterinäramtes Ebersberg, Birgitt Huber. Was sie Problematik nennt, ist eine Horrorvorstellung für kritische Landwirte im Landkreis, zu denen auch ein Impfgegner aus Straußdorf zählt, der sich schon wiederholt mit der Ebersberger Veterinärbehörde angelegt hat. Sein Argument: „Sind die Daten erst einmal erhoben, ist es nur mehr eine Frage der Zeit, bis sie in die falschen Hände geraten.“

Wer verfügt über Gendaten? Das Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern hat zum Beispiel einem Bauern in Soyen an der Landkreisgrenze schriftlich bestätigt, dass es eine „Genomdatenbank betreibt. Dazu gehört die verantwortliche zur Verfügung Stellung von Genominformationen für die hiesige bäuerliche Tierzucht und deren Organisationen.“ Das heißt, Daten kursieren bereits.

Die Ohrstanzmethode könnte sich für die Bauern zu einem „weiteren Schritt auf dem Weg zu Überwachung und Abhängigkeiten“ erweisen. So wird jedenfalls auf einem Flugblatt eine Informationsveranstaltung beworben, die am Mittwoch, 28. Juli, um 19.30 Uhr auf der „Ebersberger Alm“ stattfinden und von der „Interessengemeinschaft für gesunde Tiere“ veranstaltet wird, der sich auch die Jungbauernschaft Zorneding angeschlossen hat.

Brisant wird die Genomanalyse für die Landwirte insofern, als nach einer Information des Bundesverband Deutscher Milchviehhalter das Europäische Patentamt der Überzeugung ist, dass „die Entdeckung und Beschreibung des natürlicherweise vorkommenden Gens eine patentwürdige Erfindung“ ist und dass deswegen „natürlicherweise vorkommende Bestandteile aus Mensch, Tier und Pflanze als Erfindung angesehen werden, wenn sie kommerziell verwertbar sind.“

Seit dem Jahr 2005, so der BDM, habe das weltweit agierende Saatgutunternehmen „Monsanto“ bereits 20 Patente auf Nutztiere angemeldet.

Was die Bauern im Landkreis fürchten, sind Lizenzgebühren, die plötzlich für die Milchkühe in ihrem Stall verlangt werden könnten, weil sich jemand ein besonderes „Milchgen“ hat patentieren lassen.

Dass für einen solchen Fall staatliche Stellen Schadensersatzansprüche bereits vorsorglich und rundheraus abgelehnt haben, macht die Landwirte nur noch misstrauischer.

Von Michael Seeholzer

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