Ebersberg - Es begann mit einem Riesenhaufen, der praktisch über Nacht in Gsprait in die Landschaft getürmt wurde. Danach ein paar einsame Brückenbauwerke und jetzt Mondlandschaft. Am 22. Oktober soll pünktlich das Band zur Südumfahrung Ebersberg durchschnitten werden. Klappt das?

Die Ebersberger Südumfahrung im Laufinger Moos. Von der Fertigstellung ist die Straße noch ein gutes Stück entfernt. sro
Die Baustelle hat es in sich: Schlechterer Untergrund als geplant, deshalb Einbau eines Vlieses, zusätzlich notwendig gewordene Grundwasserwannen, abgesoffene Baugruben und Unterführungsbauwerke, Risse an Häusern im Laufinger Moos, die genau zu der Zeit auftraten, als die Lärmschutzwände in den Boden gerammt wurden, absinkende Trasse und allgemein Probleme mit der Wasserhaltung.
„Solche Sachen passieren bei jeder Baustelle“, versucht zwar ein Sprecher des Straßenbauamtes Rosenheim zu beschwichtigen. Aber dort sieht man den Baufortschritt mit wachsender Sorge, wenngleich die offizielle Auskunft zum 22. Oktober Optimismus verbreiten soll und so lautet: „Das ist nach wie vor der angestrebte Fertigstellungstermin.“
Immerhin bestätigt Claus-Peter Olk, Leiter Straßenbau im Staatlichen Bauamt Rosenheim, dass man sich von den bauausführenden Firmen jetzt wöchentlich den vertraglich vereinbarten Termin schriftlich bestätigen lasse. Seinen persönlichen Eindruck schildert Olk aber so: „Auf der Baustelle wird derzeit mit gebremstem Schaum an einem Versickerungsbecken gearbeitet.“ Der aktuelle Geräteeinsatz kommt auch ihm „viel zu gering“ vor.
Der Straßenbauamtsleiter ist zwar skeptisch, dass der Termin der Inbetriebnahme, so wie er auf den Hinweisschildern vor der Baustelle zu lesen ist, tatsächlich gehalten werden kann. Unmöglich sei das aber nicht. Dazu müsse aber vermutlich in den verbleibenden Wochen „von Tageslicht zu Tageslicht mit voller Personal- und Gerätekapazität gearbeitet werden“. Man habe jedenfalls die Zusicherung der Firma, dass das klappe. Der Eindruck der Öffentlichkeit ist derzeit aber ein anderer.
Gut zwei Wochen nach der Eröffnung der Ebersberger Südumfahrung soll auch der innerstädtische Verkehr anders fließen. Der Einbahnstraßenring, der seit zwölf Jahren in der Kreisstadt existiert, wird wieder aufgehoben (wir berichteten). Hauptziel der neuen Verkehrsführung ist eine Entlastung der Wohngebiete.
Daran will zumindest die SPD nicht mehr so recht glauben, seit bekannt wurde, dass die Behörden einen Linksabbiege-Verkehr am Rathaus von der Eberhardstraße in Richtung Marienplatz wegen zu geringer Kurvenradien ablehnen. Das heißt, dass der Autofahrer, der vom Klostersee kommt und beispielsweise zur Kirche will einen Umweg über die Heinrich-Vogl-Straße, die Gärtnereistraße und die Dr.-Wintrich-Straße in Kauf nehmen muss. Oder aber, dass er durchs Wohngebiet Eggerfeld abkürzt. SPD-Stadtrat Hans Mühlfenzl: „Das widerspricht dem Ziel, die Menschen in den reinen Wohngebieten vor Verkehr zu schützen.“ Das sei mit der SPD nicht zu machen.
Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) kündigte an, das Thema Eggerfeld nochmals im Technischen Ausschuss des Stadtrats (wohl im September) behandeln zu wollen. Im Gespräch mit der EZ wagte er am Donnerstag aber schon mal eine Prognose: „Im Eggerfeld wird’s wohl so bleiben wie es ist.“ Sprich: Eine Anlieger-frei-Regelung wird seiner Meinung nach hier nicht kommen.
Von Michael Seeholzer und
Michael Acker
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