125.10.09|Lkr. Ebersberg|Lkr. Ebersberg|
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Ebersberg - Wochentags in Steinhöring: Sie sitzen nebeneinander, malen Heckenrosen, musizieren, lernen voneinander – die Grundschulkinder und die Korbinian-Schüler mit Behinderung. „Integrative Klasse“ heißt das Projekt, das es auch in Zorneding und Kirchseeon gibt. Wir haben hat die Klassen besucht.

Gymnasiasten und Korbinian-Schüler im gemeinsamen Unterricht. Foto: Jürgen Rossmann
Landkreis – Es fällt kaum auf. So geschickt haben sie sich untereinander gemischt. Die Kinder der 2c sitzen bei der 2a im Klassenzimmer der Grundschule Steinhöring. Wie jeden Montag. Sie malen die Heckenrose, die sie zuvor im Sachkundeunterricht besprochen haben. Plötzlich eilen zwei Mädchen aus der 2a einer Mitschülerin aus der 2c zu Hilfe: „Nein, so musst du den Stift halten“, zeigen sie fürsorglich. In solchen Momenten fällt es dann doch auf: Die Kinder der 2c sind alle ein bisschen anders. Sie brauchen besondere Hilfe, weil sie eine Behinderung haben.
„Am Anfang hatten die gesunden Kinder schon ein wenig Berührungsängste“, erinnert sich Christine Mirwald. Jetzt seien die beiden Klassen schon richtig eng zusammen gewachsen. „Integration ist eben ein laufender Prozess“., betont Mirwald. Sie ist die Leiterin der Außenklasse an der Grundschule. In dieser sind sieben Kinder der Korbinianschule vier Tage die Woche „ausgelagert“. Bereits im zweiten Jahr. „Einmal pro Woche basteln, musizieren oder bewegen wir uns zusammen mit der 2a“, erklärt Mirwald. Ein ähnliches Prinzip lässt sich in der Grundschule Zorneding finden, wo eine vierte Klasse ausgelagert ist.
Die Außenklassen sollen einerseits eine bessere Integration der Behinderten fördern. Auf diese Weise müssen sie ihren „geschützten Raum“ verlassen. Zum anderen profitieren auch die Gesunden davon. „Soziale Kompetenzen wie Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme, Respekt vor Individualität werden bei unseren Schülern dabei weiter entwickelt“, erklärt Gabriele Söllheim, Direktorin des Kirchseeoner Gymnasiums.
Von ihrem Zimmer aus hat die Schulleiterin den besten Überblick über den Pausenhof. Tagtäglich kann sie sich daher mit eigenen Augen von dem gelungenen Integrationsprojekt überzeugen: „Die Kinder der Außenklasse tollen mit den Gymnasiasten zusammen in der Pause herum“, sagt Söllheim. Und das bereits seit über einem Jahr.
Als sie das Kultusministerium damals fragte, ob das Pilotprojekt am Gymnasium Kirchseeon starten kann, hat Söllheim sofort „ja“ gesagt. Initiiert hatte das Projekt Markus Schmidt, Rektor der Steinhöringer Korbinianschule. „Die Integration ist für unsere Schüler sehr wichtig“, betont er. Und: „Die Behinderten entwickeln einen größeren Ehrgeiz. Sie wollen so gut wie die anderen werden“, so Schmidt. An keinem anderen bayerischen Gymnasium gibt es momentan eine integrative Klasse. Neun überwiegend geistig behinderte Kinder sind in Kirchseeon untergebracht. „Großzügig finanziell unterstützt hat uns dabei die Regierung Oberbayern“, lobt Schmidt.
„Zum Herantasten haben wir mit Wahlfächern angefangen“, so Söllheim. Hierbei können die Gymnasiasten aus zwei „Neigungsgruppen“ auswählen: „Kreatives Musizieren“ und „Gemeinsam Bewegen“ stehen auf dem Stundenplan. Zehn Freiwillige haben sich in diesem Schuljahr gemeldet.
Einzelne Projekte und Gottesdienste wurden ebenso integrativ gestaltet. „Und wir fahren bald gemeinsam ins Schullandheim“, schwärmt Regine Moser, Leiterin der Kirchseeoner Außenklasse. Geplant seien außerdem Tutoren für die Außenklassenkinder. „Wir haben den Gymnasiasten erklärt, was mit unseren Kindern los ist“, so Moser. Auch die anderen Lehrer wurden für Notfälle aufgeklärt.
Ein Schüler mit Down-Syndrom hat sich einmal einen kleinen Streich erlaubt. Er hat sich im Pausenhof tot gestellt. Und das halbe Gymnasium in Aufruhr versetzt: „Er ist eben ein guter Schauspieler“, sagt Moser und lacht.
Von Marlene Kadach
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