Glonn - In der Schokoladen-Branche gibt es zwei Faustregeln: Weihnachten beginnt an Ostern – und in der Krise kommt der Hunger, der Schokoladenhunger. Wenn es den Leuten schlecht geht, greifen sie zur Praline, zum Schokoriegel oder der Schokoladentafel. „Das ist die Frustschokolade“, sagt Peter Heßner.

„Es läuft besser als erwartet. Kurzarbei ist momentag kein Thema für uns“: Peter Heßner, Produktmanager der Firma Hans Brunner in Glonn. Foto: Stefan Rossmann
Der Mann ist Produktmanager bei der Firma Hans Brunner in Glonn – und muss es wissen. Denn sein Arbeitgeber stellt die Formen für viele bekannte Schokoladenhersteller her. Wenn im Supermarkt irgendwo ein Osterhase, ein Nikolaus, ein Nilpferd oder ein Elch aus Schokolade steht, ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass die Glonner Firma die Form dafür produziert hat. In Deutschland gebe es nur zwei ernstzunehmende Konkurrenten, sagt der Produktmanager. In Bayern ist Brunner einmalig. „Wir arbeiten in einem Nischenmarkt“, sagt Heßner.
Und die Nische, der Frust und der Hunger sorgen offensichtlich dafür, dass es der Firma trotz Horrormeldungen aus vielen Branchen besser geht als anderen Unternehmen. „Es läuft besser als erwartet“, sagt Heßner. Es sei zwar ein bisschen schlechter als zuletzt in den Boomjahren, „aber Kurzarbeit ist momentan kein Thema für uns“. Erst kürzlich hat Brunner einen Schoko-Designer eingestellt, der dem Kunden vor Ort in kürzester Zeit ein Häschen oder einen Weihnachtsmann seiner Wahl skizzieren und modellieren kann. Eine Investition in die Zukunft, wie die Firma findet, die insgesamt 120 Mitarbeiter beschäftigt. „Gerade arbeite ich an einer neuen Art von Hase, der läuft“, sagt Designer Anton Asanger, der die Formen in seinem Werkraum aus Gießharz mit Feile und Spachtel erschafft.
„Wir sind krisensicherer als andere Bereiche“, sagt Heßner. „Ohne Formen, keine Schokolade.“ Und ohne Schokolade keine Krisenbewältigung – die Schokobranche als Krisengewinnler. Genascht wird immer.
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