1311.03.10|Lkr. Ebersberg|Lkr. Ebersberg|15
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Grafing - Die Situation um die Sanierung des Vhs-Gebäudes an der Rotter Straße 8 in Grafing ist komplett verfahren. Während im Stadtrat die Stimmen lauter werden, das Projekt aufgrund der aktuellen Finanzlage ganz zu stoppen, arbeitet das Planungsbüro „Kling Consult“ mit Hochdruck weiter an den Umbauplänen.

Das marode Gebäude in der Rotter Straße bereitet dem Grafinger Stadtrat wenig Freude. Foto: sro
Und das, obwohl nach der jüngsten Stadtratssitzung keineswegs ausgeschlossen werden kann, dass dem gesamten Vorhaben das tatsächliche Aus droht. „Das Projekt ist nicht gestoppt in der Planung“, bestätigte am Donnerstag eine Sprecherin des Architekturbüros, die bekräftigte, dass auch dann ein Honorar fällig werde, wenn sich die Stadt die Sanierung nicht mehr leisten kann. „Das ist in der Honorarordnung für alle Gewerke festgelegt. Die ist strikt einzuhalten, da gibt es keinen Weg daran vorbei. Wir haben trotzdem einen Anspruch auf Honorar, das ist ja logisch“, machte die Planerin deutlich.
Das heißt im Klartext: Der Stadt entstehen inzwischen auch dann Kosten, wenn das Gebäude zum Schluss überhaupt nicht saniert wird. Zu dieser Situation ist es gekommen, weil die geringste zeitliche Verzögerung inzwischen bereits das Aus für die Fördermittel aus dem Konjunkturprogramm II in Höhe von 788 000 Euro bedeuten könnte. „Kling Consult“ sprach bei der Präsentation im Grafinger Rathaus von noch tolerablen „zwei Wochen“ dann werde es gefährlich. Jetzt hat sich der Stadtrat aber bereits eine vierwöchige Denkpause verordnet, in der krampfthaft nach Lösungs- und Einsparmöglichkeiten gesucht werden soll - Aussichten ungewiss.
Inzwischen haben die Ratsmitglieder Susanne Linhart, Josef Carpus und Anja Walz (alle CSU) einen umfangreichen Fragenkatalog an die Verwaltung adressiert, aus dem eindeutig hervorgeht, dass die Stadträte bei ihren Vergabeentscheidungen keinerlei schriftliche Unterlagen vorliegen hatten.
Eile ist ein schlechter Ratgeber: Die Stadträte entschieden lediglich auf der Basis eines schlecht leserlichen „Beamer“-Vortrags, was einige Ungereimtheiten erklärt. In dem CSU-Fragenkatalog an die Verwaltung wird deutlich, dass die Suche nach Schuldigen begonnen hat. Dort heißt es wörtlich: „Aus welchem Grunde wurde der Ausbau des Dachgeschosses bei Kling Consult nur optional angeboten, obwohl in den Ausschreibungsunterlagen der Ausbau des Dachgeschosses vorgesehen war?“ Als vor Wochen bereits die Rede im Stadtrat auf dieses Thema gekommen war, hatte Bürgermeister Rudolf Heiler (FW) gemeint: „Keiner hat’s gemerkt. Auch die Verwaltung nicht.“
Mit diesem Ausbau des Dachgeschosses schwoll der finanzielle Aufwand für die Sanierung auf eben die 3,1 Millionen Euro an, die sich jetzt als scheinbar unüberwindlicher finanzieller Berg vor der Kommune auftürmen.
„Mir liegen auch bisher keinerlei schriftliche Unterlagen vor“, kritisierte Stadtrat Josef Carpus am Donnerstag gegenüber der EZ. 2. Bürgermeisterin Susanne Linhart hält inzwischen die Wahrscheinlichkeit, dass das Gebäude so wie bisher vorgesehen saniert wird für „sehr gering“, obwohl sie im Stadtrat nicht dagegen gestimmt hat.
Von Michael Seeholzer
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