Vaterstetten - „Durch Berlin fließt immer noch die Spree!“ Das singt Hildegard Müller auch heute noch textsicher, wenn ihre Enkel zu Besuch kommen. Und die Erinnerung an ihre einstige Berliner Heimat war auch präsent, als sie jetzt in Vaterstetten im GSD-Heim ihren 100. Geburtstag feierte.

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Gratulation für Hildegard Müller von Vaterstettens Bürgermeister Robert Niedergesäß. Foto: S. Rossmann
In Hildegard Müllers Geburtsjahr 1910 schrieb Kaiser Wilhelm II. in Königsberg in einer Rede den Männern „kriegerische Tugenden“ und den Frauen „stille Arbeit im Haus“ zu. In Müllers Elternhaus in Krümmensee außerhalb der Hauptstadt ging es mit vier Kindern aber nicht wirklich still zu. Während sich der Erste Weltkrieg anbahnte, musste die Arbeiterfamilie sparen, die Kinder gingen oft hungrig zu Bett. Die Großeltern linderten die größte Not mit „Produkten des Gartens“, wie Müller erzählt.
Einige Jahre später zog die Familie nach Berlin. Als junge Frau unterstützte sie die Mutter im Haushalt und war froh, als sie Arbeit in der Maschinenfabrik bei Richard Bosse & Co. bekam. Tagein tagaus Telefonkabel zu prüfen, war sicher keine leichte Tätigkeit, doch Hildegard Müller war stolz darauf, ihr eigenes Geld zu verdienen. Bis zum Eintritt in das Rentenalter mit 60 Jahren war sie ihrem Unternehmen treu und erhielt mehrere Auszeichnungen. In der Firma lernte sie auch ihren Mann kennen, den Buchdrucker Werner Müller. Der war in seinem Beruf arbeitslos geworden und froh, als Maschineneinrichter Geld verdienen zu können. 1936 heiraten die beiden. Durch ihren Mann bekam Hildegard Müller Freude am Paddeln, einer Leidenschaft, die das Paar künftig auf den Berliner Seen nachging. 1942 kam das einzige Kind Gerd zur Welt. Als Soldat im Zweiten Weltkrieg geriet Werner Müller in amerikanische Gefangenschaft, kehrte aber bereits im Oktober 1945 gesund heim.
Von Franz Köppl
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