126.10.09|Lkr. Ebersberg|Lkr. Ebersberg|
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Ebersberg - Kehlkopfgesang, Punk, Pop, Gesellschaftskritik: Drei Nachwuchsbands und Kultsänger Rainer von Vielen begeistern beim ersten Schöne-Töne-Festival im Ebersberger Stadtsaal.

Die Ebersberger Gruppe „Depotat“ trat bei dem Schöne Töne Rock-Festival im Ebersberger Stadtsaal als Vorband auf. foto: stefan rossmann
Auf ihn haben alle gewartet. Und trotz der Kälte bis zum Schluss im Ebersberger Stadtsaal ausgeharrt: Rainer von Vielen. Mit einer schwarzen Kapuze auf dem Kopf betritt der Sänger die Bühne. Die vierköpfige Band aus Kempten war der Höhepunkt beim Schöne Töne Rock-Festival am vergangenen Samstag – eine Veranstaltung des Glonner Fördervereins für Kinder, Jugend und Familie, die zum dritten Mal im Landkreis stattfand. Bei Rainer von Vielens mongolischem Kehlkopfgesang läuft es einem eiskalt den Rücken runter. Es ist Meditation, Sprechgesang und Rockmusik zugleich. Er singt von Freiheit, Vergänglichkeit, neuen Lebenswegen, Dummschwätzern und Liebe. Eine Mischung aus witzig verpackter Gesellschaftskritik und spiritueller Sehnsucht. Er hüpft zwischen das junge Publikum und tanzt: „Tanz deine Revolution“ dröhnt es aus den Lautsprechern. Sogar das Fernsehen ist wegen ihm gekommen. Rainer von Vielen greift zum Akkordeon. Volkstümliche Klänge hallen durch den Stadtsaal. Er jodelt sogar ein bisschen.
Bei so harter Konkurrenz haben es die Vorbands an diesem Abend nicht leicht. Die Ebersberger Nachwuchsgruppe Depotat spielt eine bunte Mischung aus Psychedelic Rock der 70er, Hamburger Schule und aktuellem Indierock. An weiblichen Fans mangelt es ihnen nicht: „Ausziehen!“, kreischen diese den fünf Musikern zu. „Unser Motto ist hoffnungslos verloren. Da bin ich mir sicher, was unsere Zukunft betrifft“, erklärt Frontmann Kalas nüchtern. So heißt auch eines ihrer Stücke. „Das ist so ’ne Art Gesellschaftskritik. Aber ohne utopische Träumereien“, sagt der Sänger. Mit rauer Stimme und schwarzer Sonnenbrille singt er: „Es ist nicht alles Gold was glänzt.“
Gemeinsam mit seinem Schlagzeuger Tonio hat Kalas das Festival initiiert. Und Szenen-Größe Rainer von Vielen an Land gezogen: „Wir haben einfach dort angerufen und nachgefragt“, erinnert sich der 20-Jährige. „Sie haben sofort zugesagt.“
Etwas härtere Klänge sind von der Münchner Band Kafkas Orient Bazaar zu hören. Zwischendrin überraschen sie mit süßen Popmelodien. Bassspieler Attila bringt dem Publikum sogar etwas Türkisch bei. Die Texte selbst sind abwechselnd auf deutsch, türkisch und englisch.
Ähnlich trostlose Texte wie die der Vorgruppe Depotat gibt es von den Ebersberger Kollegen Zeitzeugen. „Wohin soll ich gehen?“, brüllt Sänger Moritz ins Mikrofon. Eingängige weiche Bassmelodien und sphärische Klangmassen wechseln sich ab mit härteren Punkrhythmen. Das Publikum tobt. Sie singen von Wahrheit, Feindbildern und der Zerrissenheit der menschlichen Existenz. Harter Stoff für ein Jugendkonzert, das mit einer Aftershow-Party in der Ersten Etage in Ebersberg abschließt.
Von Marlene Kadach
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