Ebersberg - Eine engräumige Nord-Süd-Umfahrung von Ebersberg wird es nach dem Willen des Stadtrats nicht geben. Dieser lehnte in seiner Sitzung am Dienstagabend alle vom Rosenheimer Straßenbauamt geprüften Varianten mehrheitlich ab.

Die unterschiedlichen Trassen im Westen und im Osten Ebersberg wurden ebenso abgelehnt wie der Tunnel.
Ohne Gegenstimmen wurden im überfüllten Sitzungssaal des Rathauses sämtliche Trassen in der östlichen Endmoränenlandschaft verworfen. Für die Variante „West 1“, die ungefähr von Reitgesing durch den Ebersberger Forst in Richtung Anzing verläuft, sprachen sich die SPD-Stadträtinnen Elisabeth Platzer, Brigitte Schurer, Doris Rauscher und Angela Warg-Portenlänger aus. Dem Tunnel gaben die Grünen-Stadträtinnen und -Stadträte Rosemarie Will, Susanne Schmidberger, Michael Schulte-Langforth und Philipp Goldner sowie Hans Mühlfenzl von der SPD ihre Ja-Stimmen. Gegen den Willen von SPD und Grünen passierte ein gemeinsamer Antrag von CSU und Freien Wählern das Gremium, sich für ein Gesamtverkehrskonzept stark zu machen, das mehrere Kommunen im Landkreis vom Durchgangsverkehr entlaste.
SPD und Grüne unterstützten stattdessen einen Antrag der Sozialdemokraten, der sich zwar nicht gegen ein Gesamtkonzept wendet, der aber konkrete Angaben verlangt, was zum Beispiel den zeitlichen Rahmen einer Realisierung betrifft.
Hans Mühlfenzl von der SPD betonte, dass er schon immer gegen eine Umfahrung der Kreisstadt im Osten gewesen sei. Er begründete den Antrag der SPD mit Zweifeln in der Fraktion, was die Realisierung des Gesamtkonzepts angeht. Schließlich habe man es dort mit Bundes- und Staatsstraßen und damit auch mit unterschiedlichen Straßenbaulastträgern zu tun. Die Stadt, so SPD-Sprecherin Elisabeth Platzer, solle zunächst die Realisierungsmöglichkeit erfragen, dann könne man darüber abstimmen. „Wir brauchen einen Fahrplan, bevor wir für ein großräumiges Konzept stimmen.“
Philipp Goldner von den Grünen warb erneut für den von ihm entwickelten Tunnel, der seiner Auskunft nach die größte Entlastungswirkung habe. Eine Umfahrung, egal ob im Westen oder im Osten, bringe wenig, da der in Ebersberg starke Quell- und Zielverkehr im Ort verbliebe. Er nannte den Tunnel trotz der zu erwartenden Abstimmungsniederlage einen „Riesenerfolg“, da er die Diskussion verbreitet habe. „Dass die Ostumfahrungsvarianten abgelehnt wurden, ist schon ein Riesenerfolg.“ Er, Goldner, geht allerdings davon aus, dass das Straßenbauamt nach dem Ebersberger Beschluss dennoch eine der Trassen für den Staatsstraßenausbauplan melden werde, „aber wohl nicht mit Dringlichkeit“.
Bürgermeister Walter Brilmayer und CSU-Stadtrat Martin Schechner betonten auf diesen Einwurf des Grünen hin, dass in Bayern noch nie eine Umfahrung gegen den Willen einer Gemeinde gebaut worden sei. Der Rathauschef appellierte an den Stadtrat, sich beim Thema Gesamtkonzept „von einzelnen Strichen und Linien“ zu lösen. Es gehe im Moment um die Idee als Ganzes und nicht um eine konkrete Trassenführung. Es gehe, so CSU-Sprecherin Luther um einen „echten Wurf“, der es erlaube, auf „Notlösungen“ zu verzichten.
Von Michael Acker
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