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Wie Willy Schreiber die Stasi (üb)erlebte

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Artikel: Wie Willy Schreiber die Stasi (üb)erlebte

Markt Schwaben - Willy Schreiber hat die Stasi erlebt: in der DDR und später auch nach seiner Flucht im Westen. Nun ist die zweite Auflage seines Buches "Im Visier..." erschienen.

Willy Schreiber war im Visier der Stasi. Foto: jödo

Willy Schreiber war im Visier der Stasi. Foto: jödo

„Eine Diktatur kann auf jedermann zugreifen, jederzeit“. Sagt einer, der es wissen muss. Willy Schreiber hat erlebt, wie der kleine Mann Freiwild wurde in einem totalitären Staat, wie er bedingungslos zum Abschuss freigegeben wurde. 1981 gelang ihm die Flucht.

Die Vorgeschichte: spektakulär. Gekennzeichnet von Denunziationen, Bespitzelungen. Dazu ein Scheidungskrieg mit seiner zweiten Ehefrau. Schreibers Hauptproblem: Er geriet in den Verdacht, Geheimnisträger geworden zu sein. Über Detailwissen zu verfügen, was interne Verbindungen zwischen der SED und der kommunistischen Partei Italiens angeht. Und ihm wurde unterstellt, die DDR unrechtmäßig verlassen zu wollen. Was er dann auch tat, um sich einer längeren Haftstrafe wegen Republikflucht zu entziehen.

Im Westen aber fand der gebürtige Hallenser seine Ruhe und seinen Frieden noch lange nicht. Der lange Arm der Stasi reichte auch in den Westteil Berlins. Es gab mehrere Versuche, ihn, den kleinen selbständigen Schausteller und Eisdielenbesitzer, umzubringen. Die Ruhe vor dem DDR-System fand Schreiber nicht. Nachlesen kann Willy Schreiber, der seit vielen Jahren in Markt Schwaben lebt, alles in inzwischen über 5000 Seiten, die die Stasi über ihn angefertigt hat. Dort hat er auch einen Befehl der Stasi zu seiner „Liquidierung“ nachlesen können.

Vor ein paar Jahren machte Schreiber seine Geschichte öffentlich. „Im Visier – Protokoll einer außergewöhnlichen DDR-Flucht“ heißt es. Die Erstausgabe ist längst vergriffen. Seit drei Wochen gibt es eine Neuauflage, aktualisiert, ergänzt. Und eine Ausgabe, in der Schreiber Ross und Reiter nennt. Darin verweist er auch auf eine, wie es heißt, unrühmliche weil denunzierende Rolle eines Prominenten. Gemeint ist Lothar de Maiziére, damals Rechtanwalt. Der letzte DDR-Ministerpräsident, so Schreiber, sei der Grund gewesen, sein Buch zu überarbeiten.

Willy Schreiber liest am Mittwoch, 7. Oktober, ab 20 Uhr, im evang. Gemeindezentrum Markt Schwaben, aus seinem Buch „Im Visier...“

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