Dorfen - Manchmal fängt es auf den ersten Blick harmlos damit an, dass Jugendliche bei einer Party oder einer Vereins- oder Familienfeier dazu animiert werden, einmal ein Glas Sekt oder einen Schluck Bier zu probieren. Nicht selten wird damit der Grundstein zu lebenslangem Trinken gelegt.

Langsam aber stetig ist der Alkohol zur Jugenddroge Nummer 1 geworden. Das Problem liegt aber nicht nur in den von Medien groß dargestellten Partys, bei denen es schick ist, sich bis ins Koma zu saufen. Das Alkoholproblem ist latent vorhanden. Es gehört zum Alltag, auch wenn das oft gar nicht so wahrgenommen wird.
Beispiel Schule. Erst vor zwei Wochen musste am Gymnasium Dorfen der Rettungsdienst anrücken, weil Schüler sich während des Unterrichts heillos betrunken haben. Einer der drei Burschen musste zur medizinischen Versorgung ins Krankenhaus gebracht werden, die zwei Spezln wurden ihren Eltern übergeben. Das Trio hatte hochprozentigen Alkohol konsumiert. Der "Stoff" stammte von zuhause. Die Burschen hatten Schnaps in eine PET-Limonadenflasche abgefüllt. Weder Klassenlehrer noch Schulleitung haben eine Chance, so etwas im Vorfeld zu verhindern.
Gymasialdirektor Gerhard Motschmann ist über derartige Vorfälle entsetzt. Gerade auch deshalb, weil am Gymnasium in vorbildlicher Weise Suchtprävention betrieben wird. "Was hier passiert, ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft", urteilt der Studiendirektor. Hier sei zweifellos das Elternhaus gefordert, die Erziehungspflicht ernst zu nehmen, so Motschmann.
Doch nicht selten stammen Jugendliche, die ihr Heil im Alkohol suchen, aus Familien, in denen Vater oder Mutter selbst Alkoholprobleme haben oder wo das Trinken zum Alltag gehört. "In der Erziehung", so bedauert Motschmann, "gibt es oft keine Orientierung mehr". Schwellen und Grenzen würden überschritten, ohne dass dies Konsequenzen hätte.
Dass Kinder und Jugendliche regelmäßig trinken, ist fast schon "normal", wie Klinger aus vielen Gesprächen weiß. Doch nicht etwa Bier ist gefragt. Harte Sachen wie Whiskey und Wodka sind es, die bei Jugendlichen hoch im Kurs stehen. "Es geht darum, in kurzer Zeit einen möglichst großen Rausch zu bekommen", umschreibt der Polizist die Motivation der jugendlichen Trinker.
So ist es keine Seltenheit, dass Buben oder Mädchen von der Polizei aufgegriffen werden, die - wie etwa vergangene Woche beim Taufkirchener Volksfest - mit knapp zwei Promille unterwegs sind. Hier trifft aber die Veranstalter keine Schuld. Die halten die Jugendschutzbedingungen meist strikt ein. Bei den jugen Leuten ist "vorglühen" angesagt. Das heißt, schon vor dem Besuch eines Festes wird kräftig gebechert. Innerhalb der letzten Wochen hatte es die Dorfener Polizei mit sechs jugendliches Trinkern zu tun, deren Werte zwischen 1,5 und 2,1 Promille lagen - allesamt im Alter zwischen 14 und 16.
Das Schockierende: Meist merkt man den stark alkoholisierten Jugendlichen ihren Rausch auf den ersten Blick gar nicht an. "Viele sind den Alkohol bereits gewöhnt", sagt Klinger. Wenn mancher Erwachsene schon unter dem Tisch liegen würde, sind die Jungen noch fit. Was der Polizei bleibt, ist präventiv zu wirken. Mike Klinger und Kollegen gehen in die Schulen, sprechen mit den Jugendlichen. Und sie hoffen darauf, dass die Eltern ihre Kinder wieder mehr beobachten. Denn: Wer wegschaut, macht sich mit schuldig.
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"Sorgenkind Jugend" finden Sie im Internet unter www.merkur-online.de/jugendgewalt.
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