Dorfen - Es sind täglich etwa 15 000 Menschen, die sich als Bahnpendler zwischen Mühldorf und München oder umgekehrt auf den Weg zur Arbeit machen. 3000 davon alleine aus Dorfen.

Pendler-Alltag in diesen Wochen: In den Zügen und Bussen müssen die Bahnreisenden stehen. In diesem Fall schon ab Ampfing bis Dorfen. Auf den holprigen Straßen wird die Fahrt im Stehen zwischen Schwindegg und Dorfen im Bus zum höchst zweifelhaften Vergnügen. Foto: Mw
Seit Wochen müssen diese Menschen wegen Gleisbauarbeiten einiges über sich ergehen lassen.
Im August wurden die Schienen und Schwellen zwischen Thann-Matzbach und Dorfen erneuert. Derzeit finden diese Arbeiten zwischen Dorfen und Schwindegg statt. Anstatt wie gewohnt in Zügen werden die Pendler im so genannten Schienenersatzverkehr mit Bussen transportiert. Nicht nur der Fahrplan wird dadurch teilweise heftig durcheinander gewirbelt, auch die Fahrt in den Bussen ist meist alles andere als angenehm. Erst Ende August war ein Bus des Schienenersatzverkehrs bei Dürneibach in einen Unfall verwickelt. Drei Insassen wurden damals verletzt. Berufspendler Michael Wengler bringt dies alles ungeschminkt auf einen Punkt. Er spricht von Zuständen wie in „Viehtransporten“. Freistaat und Bahn würden sich auf Kosten der Pendler eine Menge Geld sparen.
In einer E-Mail an Bayerns Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) macht der 32-jährige Beamte seinen Unmut gehörig Luft. „Ein um 50 Prozent gekürztes Angebot, Fahrzeiten mit Umleitungszügen, die jeglicher Beschreibung spotten und ein Busverkehr, der bewusst geringfügig kalkuliert wird. Und der Bayerische Verkehrsminister beziehungsweise seine untätigen ,Bahnspezialisten‘ der Bayerischen Eisenbahngesellschaft schauen, wie gewohnt, tatenlos zu!“, ärgert sich Wengler. Und er setzt noch eines drauf: „Von Bayerns Bahnchef, Klaus-Dieter Josel, der ansonsten breit in der ersten Wagenklasse zwischen Mühldorf und München verkehrt, ist in diesen Zeiten nichts zu sehen. Nach solchen Vorfällen sollten hier Köpfe rollen!“
Die Südostbayernbahn selbst hat keine Stellungnahme abgegeben. Man schaltete vielmehr die Pressestelle des Bahn-Konzerns ein. Eine DB-Sprecherin zeigte Verständnis für die Beschwerden der Pendler. Das Problem sei „erkannt, wir arbeiten an Lösungen“. So würden unter anderem mehr Busse eingesetzt. Das Hauptproblem sei aber der Zug um 7.30 Uhr von Dorfen nach München, der nur mit vier Waggons unterwegs sei. Aus umlauftechnischen Gründen sei hier eine Verstärkung nicht möglich. Es sei ein Bedürfnis der Bahn, Pendler zufrieden zu stellen, so die Bahn-Sprecherin. Man habe bereits Leute vor Ort, um Lösungen zu finden.
Nicht wenige Pendler sind mittlerweile aufs Auto umgestiegen. Der P+R-Platz in Dorfen ist deswegen derzeit völlig überfüllt. Und hier droht den Pendlern neues Ungemach. Die Polizei will bei Parkverstößen „kein Auge zudrücken“, so der stellvertretende Dorfener Dienststellenleiter, Hauptkommissar Armin Weinberger. Es gehe da vor allem um Rettungswege und die Zufahrswege für Busse, die freigehalten werden müssten.
Eine gestern von der Bahn veröffentlichte Meldung dürfte den Pendlern zusätzlich die Zornesröte ins Gesicht treiben: „Im Auftrag der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) setzt die S-Bahn München zur Münchner Shopping Nacht zusätzliche Züge in den Abendstunden auf der Stammstrecke ein.“
Anton Renner
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