Berglern - Eine Demo auf der Ortsdurchfahrt und weitere Aktionen - die Berglerner wollen lautstark gegen die dritte Startbahn protestieren.

„Zammrucka – darum geht’s.“ Das sagte Herbert Knur angesichts der vielen Besucher und ihre Solidarität. foto: ta
Die Berglerner wollen ihre Heimat verteidigen. Über 50 Teilnehmer einer extra einberufenen Bürgerversammlung zeigten sich dazu am Dienstagabend grimmig entschlossen. Bürgermeister Herbert Knur freute sich über den guten Besuch in der Sportgaststätte und sagte: „Das ist ein Zeichen: Berglern wehrt sich.“ Im Mittelpunkt der regen Diskussion standen politische Aktionen gegen die dritte Startbahn. Beifall fand eine von Knur vorgeschlagene Demo auf der Ortsdurchfahrt, „bei der wir die Autos a bisserl abbremsen“. Am besten im Berufsverkehr am Freitagnachmittag.
Angedacht sind zudem eine kulturelle Großveranstaltung, der Einsatz des Aufgemuckt-Lärmgenerators, das Ansprechen der Kirchen-Vertreter und Informationen über Auswirkungen der Startbahn im Amtsblatt. Weitere Ideen wie „Verstopfungs-Aktionen“ per Mail oder Fax und ein plakativer Besuch im Stadtrat München müssen laut Knur noch in einem zu gründenden Arbeitskreis diskutiert werden.
Die Gemeinde werde klagen, berichtete der Bürgermeister, der Protest müsse „ein zweites Standbein“ bekommen. „In der öffentlichen Wahrnehmung entsteht der Eindruck, als säßen die Betroffenen nur in Attaching. Wir müssen aber gemeinsam auf uns aufmerksam machen“, forderte der Bürgermeister. „Da brauche ich Unterstützung möglichst vieler.“
Zunächst sollten viele Berglerner an der Großdemo am 29. Oktober auf dem Münchner Marienplatz teilnehmen - „am besten im Pulk mit unseren gelben T-Shirts“. Um das zu erreichen, werden alle Bürger schriftlich dazu eingeladen. Freiwillige sollen dann persönlich Antwortcoupons einsammeln, um möglichst viele zu mobilisieren.
Willi Adelsberger waren vor allem die Kinder ein Anliegen. Ihre gesundheitlichen Risiken müssten allen deutlich gemacht werden. Auch schlug er vor, wieder Protesttafeln am Ortseingang aufzustellen. Das sei nur mit einer möglichst „positiven Formulierung“ sinnvoll, erwiderte Knur: „Sonst brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn kein Fremder mehr ein Grundstück bei uns kaufen will.“ Als Termin für den Einsatz des Lärm-Generators schlug Konrad Huber ein Fußballheimspiel vor - natürlich nur in der Pause.
Pessimistisch äußerte sich Georg Wagner: „Bringen diese Aktionen überhaupt etwas? Wir haben vor ein paar Wochen fast den ganzen CSU-Ortsverband aufgelöst. Heute kräht kein Hahn mehr danach.“ Andere widersprachen. Sie würden sehr wohl darauf angesprochen - in München oder gar im Zillertal. Josef Wastian sagte sogar: „Wir müssen uns bei den Leuten bedanken, dass sie ihre geliebte Partei verlassen haben.“ Applaus im Saal.
Den Sinn von politischem Protest unterstrich Knur: „Das war nach meiner tiefsten Überzeugung der Grund, warum wir damals den Flughafen bekommen haben. Bei uns draußen war der Widerstand am geringsten.“ Seine Folgerung: „Auch wenn’s möglicherweise nichts mehr hilft. Uns hilft’s für den Zusammenhalt.“ Zur Idee einer Podiumsdiskussion sagte Knur: „Meine Kontakte haben in den letzten Wochen etwas gelitten.“ Da werde es schwierig werden, Teilnehmer auf der Befürworterseite zu finden.
Provokant versuchte es Jürgen Czarnecki: „Was spricht denn dagegen, wenn wir alle bei den Grünen eintreten?“ Das sei die einzige Partei, die sich immer gegen die Startbahn positioniert habe, argumentierte er unter Gelächter der Anwesenden. Knur widersprach mit Verweis auf die rot-grüne Rathauskoalition in München. Vielmehr seien die Freien Wähler die einzigen mit einer konsequenten Ablehnung, so der Ex-CSUler.
„Auch Vertreter der Kirchen sollten da sein“, sagte Huber. Da liefen Gespräche, versicherte Kirchenverwaltungsmitglied Josef Eberl, der sagte: „Ich erwarte, dass die Kirche klagt.“ (Timo Aichele)
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