Erding - Heuer steigt die Berufshaftpflichtversicherung für Hebammen voraussichtlich auf 4500 Euro. Spätestens dann rentiert sich für viele diese Arbeit nicht mehr.
„Hebamme wird man nicht einfach so“, sagt Gerlinde Lenz, die in Erding eine Hebammenpraxis betreibt. Sie habe sich damit einen Berufswunsch aus der Kindheit erfüllt. Seit zehn Jahren ist sie Geburtshelferin und glücklich in ihrem Beruf. „Das lässt einen nicht mehr los“, sagt die dreifache Mutter. Nun muss sich die Erdingerin Gedanken über ihre Zukunft machen. Der Grund ist die Berufshaftpflichtversicherung, die heuer wohl auf rund 4500 Euro steigen wird.
Die Versicherung, die die Geburtshilfe einschließt, ist bereits im Juli 2010 teurer geworden. Damals stieg sie von knapp 2400 auf 3700 Euro pro Jahr und Hebamme. 2007 kostete die Police noch 1200 Euro, 1992 waren es 180 Euro. „Das ist einschneidend“, sagt Lenz. Sie überlegt, sich ab September 2012 nicht mehr zu versichern. Dann könnte sie nur noch Vor- und Nachsorge anbieten.
Das Kreiskrankenhaus Erding ist diesbezüglich laut Pressereferentin Daniel Fritzen schon vergangenes Jahr tätig geworden: „Wir haben der Hebammengemeinschaft eine leistungsabhängige Beteiligung an den Kosten für die Haftpflichtversicherung angeboten.“ Die meisten Kliniken arbeiten nur mit freien Hebammen. Seit über 30 Jahren gilt das auch in Erding.
Marlene Rachl spürt die Erhöhung der Betriebshaftpflicht ebenfalls. Sie arbeitet seit über 20 Jahren als Hebamme. Mit Eva Landersdorfer und Theresia Hämmerle führt sie die Hebammenpraxis Gaia in Taufkirchen. Obwohl sie 40 bis 45 Hausgeburten im Jahr begleiten, könnten die Hebammen davon allein nicht leben, erzählt Rachl. Über die vielen Geburten ergeben sich Vor- und Nachsorge sowie Anmeldungen für Akupunktur, Babypflege sowie Geburts- und Stillvorbereitung. „So geht es einigermaßen“, sagt Rachl.
Auch sie kennt einige Kolleginnen, die wegen der steigenden Fixkosten aufgehört haben. Dazu gehört Elli Limmer aus Dorfen. Seit 33 Jahren ist sie Hebamme. Bis vor zwei Jahren begleitete sie als zweite Hebamme Geburten. Auch bei ihr war die teure Versicherung mit ein Grund, mit der Geburtshilfe aufzuhören. Seither macht sie nur Vor- und Nachsorge.
Die Dorfenerin bezeichnet die Entwicklung in ihrem Beruf als Dilemma: „Man wird Hebamme, um Kinder auf die Welt zu bringen, nicht um nur Vor- und Nachsorge zu machen.“ Für Klinikhebammen rentiere es sich, weil sie auf 100 bis 120 Geburten jährlich kommen. Die Situation ließe sich durch eine neue Gebührenordnung entschärfen, denn eine Hebamme kann nur eine gewisse Anzahl werdender Mütter versorgen, andernfalls wäre die Versorgung nicht mehr gewährleistet.
„Dieses Risiko gehen unsere Hebammen aus ethischen und haftungstechnischen Gründen nicht ein“, sagt Fritzen. Deshalb sehe auch das Kreiskrankenhaus Handlungsbedarf seitens der Kassen, um die Situation der Hebammen zu verbessern. (Alexandra Anderka)
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