631.05.10|Lkr. Erding|Lkr. Erding|3
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Erding - Auch die Menschen im Landkreis werden immer dicker. Krankhafte Fettsucht (Adipositas) nimmt verstärkt zu - und stellt Retter sowie Ärzte vor buchstäblich schwerwiegende Probleme.

Rettungswagen XXL: Das neue Spezialfahrzeug des Erdinger Roten Kreuzes präsentieren (v. l.): Rupert Mangstl, Hans Maisch und Norman Contos. Foto: ham
Menschen, die sich aufgrund ihres enormen Gewichts kaum noch bewegen können, kennt man hierzulande vor allem von Bildern aus den USA. Doch das Problem greift auch in der Region um sich. Patienten mit 200 Kilogramm oder mehr zum Arzt zu bringen, stellt die Retter vor eine Herkulesaufgabe im Wortsinne. Nicht selten muss die Feuerwehr mit Drehleiter oder Teleskopgelenkmast ausrücken, um die adipösen Patienten aus der Wohnung zu hieven.
Im Krankenwagen und in der Klinik gehen die Probleme weiter: Tragen und OP-Tische kommen an ihre Kapazitätsgrenze, Betten sind zu klein, und Blutdruck-Manschetten passen nicht mehr um den Oberarm.
Im Bereich des Zweckverbandes für Rettungswesen und Feuerwehralarmierung Erding sowie am Kreiskrankenhaus reagiert man jetzt auf dieses zunehmende gesellschaftliche Problem.
Seit einigen Wochen steht in der Garage des BRK-Rettungdienstes in Erding ein so genannter Schwerlast-Rettungswagen. „Hier ist alles ein bisschen größer und stabiler“, berichtet Rettungsdienst-Chef Hans Maisch. Der Patient müsse von den Helfern nicht mühsam in das Fahrzeug geschoben werden. „Dafür steht eine Hebebühne zur Verfügung“, so Maisch. Die Trage ist nicht nur für Patienten bis 320 Kilogramm ausgelegt, sie kann auch durch eine spezielle Vakuummatratze individuell verbreitert werden.
Fünf Tonnen darf der Rettungswagen XXL laut Maisch auf die Straße bringen, 300 Kilogramm mehr als ein normaler Krankentransporter. 140 000 Euro hat das Gefährt gekostet, das in Erding als Ersatzwagen dem regulären Rettungsdienst zur Verfügung steht, für den Transport fettleibiger Patienten aber auch in die Landkreise Ebersberg und Freising alarmiert werden kann.
Im Kreiskrankenhaus Erding ist man für diese Form des gesellschaftlichen Wandels ebenfalls gerüstet. Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Hans Peter Emslander bestätigt: „Ja, wir haben es immer häufiger mit stark übergewichtigen Patienten zu tun.“ Deren Zahl nehme eindeutig zu, „wenngleich wir von Zuständen wie in den USA gottlob noch weit entfernt sind“. Er habe aber schon Patienten vorgestellt bekommen, für deren Abtransport aus der Wohnung die Feuerwehr alarmiert werden musste.
Um auch adipösen Patienten helfen zu können, wurde Ende 2009 ein neuer chirurgischer Schwerpunkt geschaffen, um den sich leitende Oberärztin Dr. Simone Girschik kümmert. Ihren Worten zufolge geht es nicht nur um eine adäquate Hilfe adipöser Patienten, sondern auch um die Eindämmung von Begleiterkrankungen wie Herzinfarkt oder Diabetes.
Wenn Diäten nichts mehr helfen beziehungsweise Patienten diesbezüglich einen langen Leidensweg hinter sich haben, könne eine Magen-Operation Abhilfe schaffen. Dabei, so Girschik, würden zahlreiche Disziplinen sowie Ernährungsberater und Psychologen eingebunden. Zudem wurde eine Adipositas-Ambulanz geschaffen. Girschik bietet jeden Donnerstag von 14 bis 16 Uhr Sprechstunden an.
Patientenforum: Über chirurgische Möglichkeiten bei krankhaftem Übergewicht informiert ein Patientenforum am Dienstag, 8. Juni, von 18 bis 19.30 Uhr im Klinik-Foyer. Infos unter Tel. (0 81 22) 590.
(Hans Moritz)
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