201.09.10|Lkr. Erding|Lkr. Erding|
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Erding - Das Internet ist das Reich der unbegrenzten Möglichkeiten. Auf der Seite www.mundraub.org werden bundesweit Obstbäume vorgestellt, von denen man sich gratis und straffrei bedienen kann - auch in Erding.

Alles ganz legal: Das Internetportal www.mundraub.org zeigt den Weg zu Bäumen, von denen sich Otto-Normal-Obstesser bedienen dürfen. Foto: fkn
Diesen Kirschbaum dürften die wenigsten Erdinger kennen. Er steht auf einer Anhöhe unweit des Kronthaler Weihers im Norden der Herzogstadt. Der Baum ist nichts besonderes, er ist Bestandteil einer Baumgruppe. Und doch führt ein Pfad im Internet genau zu ihm. Der Kirschbaum steht auf öffentlichem Grund, im Juli durfte ihn Otto-Normal-Obstesser abernten, ohne jemanden um Erlaubnis fragen zu müssen. Bislang verzeichnet das kuriose Internet-Portal nur ein zweites Exemplar in der näheren Umgebung. Auch von einem Mirabellenbaum an der Dorfstraße in Ismaning darf jedermann Früchte pflücken. Der Süden der Republik ist auf der Mundraub-Karte noch ein recht weißer Fleck. Doch da, wo das Portal schon bekannter ist, ist die Google Earth-Deutschlandkarte gespickt mit Fähnchen, die auf die verschiedensten Obstbäume verweist, deren Früchte allen zustehen.
Ob auch die Hinweise auf öffentlich zugängliche Bäume im Erdinger Land und deren Erträge zunehmen, hängt von den Besuchern der Homepage ab. Denn die sind explizit aufgefordert, die Obst-Landkarte zu bereichern.
Die Initiatoren versichern, sie wollten keinesfalls zu Diebstahl - der Straftatbestand verschwand vor 25 Jahren aus den Gesetzbüchern - aufrufen. Daher muss vor jeder Veröffentlichung genau geprüft werden, ob es sich tatsächlich um einen öffentlichen Baum handelt. Vielmehr geht es um ein hehres Ziel: „Wir wollen, dass kein herrenloses Obst mehr am Baum verrottet“, heißt es auf der Homepage. Es sei bedauerlich, wenn die Früchte zigtausender Obstbäume an Landstraßen oder in verlassenen Gärten kaputt gingen. Dabei werden die Nutzer explizit aufgefordert, sich an den Mundräuber-Kodex zu halten. Dazu gehört ein behutsamer Umgang mit Mutter Natur genauso wie das Bemühen, „dem fruchtigen Ort etwas zurückzuschenken“, etwa durch den Besuch im nahen Hofladen oder durch ein Engagement bei der Pflege von Obstbäumen.
Bundesweit stoßen die Mundräuber auf große Resonanz. Für die Medien sind sie im wahrsten Sinne des Wortes „gefundenes Fressen“.
(Hans Moritz)
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