Erding - Dass der Bub (2) noch am Leben ist, grenzt an ein Wunder. Die Mutter hatte die Wohnung in Klettham verlassen und das Kind eingesperrt. Das drehte den Herd auf und löste einen Brand aus. Erst in letzter Sekunde wurde er von der Feuerwehr entdeckt.

© Niedergesäss
Rettung in letzter Sekunde: In dem Wohnblock links in Klettham war es zu dem Brand gekommen.
Dieser Vorfall lässt nicht nur bei Eltern das Blut in den Adern gefrieren: Ein allein gelassenes Kind hätte am Donnerstagnachmittag in einem Mehrfamilienhaus an der Karlsbaderstraße im Erdinger Ortsteil Klettham um ein Haar ein Inferno ausgelöst, in dem es selbst ums Leben gekommen wäre.
Die ganze Geschichte: Die 27 Jahre alte Mutter zweier Kinder bricht kurz vor 14 Uhr mit dem Älteren auf, um es in den Kindergarten zu bringen. Danach will sie einkaufen. Den Zweijährigen sperrt sie in der kleinen Wohnung ein. Dem Buben ist offensichtlich langweilig. In der Küche dreht er den Herd auf - drei Platten schaltet er an.
Auf dem Herd liegt jede Menge Müll - wie in der gesamten Wohnung. Bodo Urban, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Erding, möchte zwar nicht von einem Messie-Apartment reden. „Aber es war alles vollgestellt und in bedenklichem Zustand.“
Auf dem Herd liegt Wäsche, Papier und Plastikmüll. Beißender Qualm breitet sich aus. Das bemerken Nachbarn, die Alarm schlagen. Ehe die Feuerwehr Altenerding eintrifft, klopft der Nachbar an die Tür. Weil er nichts hört, teilt er Kommandant Stephan Stanglmaier mit: „Da ist wohl niemand mehr drin.“
Dann taucht die Mutter auf Sie begleitet ihren Sprössling ins Kinderkrankenhaus nach Landshut, wo er wegen einer Rauchvergiftung behandelt wird.
„Wir waren völlig überrascht, da drinnen einen Menschen zu finden“, erzählt der Einsatzleiter. „Wir sind dann noch einmal alles abgegangen, weil der Verdacht nahe lag, dass auch noch ein Erwachsener eingeschlossen ist“. Doch die Wohnung ist leer. Dass es nicht noch schlimmer gekommen ist, führt er darauf zurück, dass ein Sicherheitsschalter den Ofen deaktiviert hat. „Sonst wäre es anders ausgegangen.“
Vize-Polizeichef Bodo Urban gibt unumwunden zu: „Das ist ein tragischer Fall. Natürlich darf man ein Kleinkind niemals alleine in der Wohnung lassen. Andererseits ist man nie davor gefeit, dass Kinder etwas anstellen.“ Aus polizeilicher Sicht liegt laut Urban ein Fall von fahrlässiger Brandstiftung vor. Aufgrund der häuslichen Situation werde man das Landratsamt einschalten.
Dessen Sprecherin Christina Centner sagte auf Anfrage, man habe noch keine Mitteilung. „Grundsätzlich werden wir bei Meldungen dieser Art sofort tätig.“ Das heißt: Das Jugendamt macht sich ein Bild vor Ort, nimmt das Kind in Augenschein, lässt sich die U-Bescheinigungen vorlegen, prüft den Entwicklungsstand des Kindes und begutachtet den Zustand der Wohnung. Auch die Eltern werden laut Centner überprüft, ob sie in der Lage sind, familiäre Probleme zu bewältigen. Bei Kindeswohlgefährdung gebe es keinen allgemein gültigen Plan.
(Hans Moritz)
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